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Vorschlag der Fifa-Regelhüter
Dauert ein Fußball-Spiel bald nur noch 60 Minuten?

Fifa-Vorschlag: Dauert ein Fußball-Spiel bald nur noch 60 Minuten?
Arsenal-Trainer Arsène Wenger diskutiert mit dem Vierten Offiziellen. FOTO: rtr, mb
Zürich/Frankfurt. Im Auftrag des Weltverbands hat das International Football Association Board (IFAB) Vorschläge ausgearbeitet, wie das Spiel effektiver werden soll. Im Mittelpunkt steht dabei die Verhinderung des Zeitspiels. Von Gianni Costa

Der große Sepp Herberger war ein Meister darin, große Worte gelassen auszusprechen. So verkündete er einst: "Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert neunzig Minuten." Geht es nach dem Weltverband Fifa, könnte das Herberger-Zitat bald nur noch ein antiquarisches Relikt sein. Denn die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) haben im Auftrag der Fifa Vorschläge für eine umfassende Regelreform unterbreitet, die das Spiel radikal verändern würde. Ein Spiel, so steht es in einem Strategiepapier der IFAB, würde dann nur noch exakt 60 Minuten dauern – zwei Halbzeiten je 30 Minuten, bei jeder Unterbrechung wird die Uhr angehalten. Mit der Initiative "Play Fair!" sollen die Begegnungen "fairer, attraktiver und unterhaltsamer" gemacht werden. Findet die Fifa.

"Das Strategiepapier ist ein Meilenstein für den Fußball", sagt Geschäftsführer Lukas Brud vom International Football Association Board (IFAB), dem für Regeln zuständigen Gremium. Das besteht aus vier Fifa-Mitgliedern und jeweils einem Vertreter aus England, Wales, Schottland und Nordirland. Nicht alle unterbreiteten Vorschläge sind allerdings zur direkten Umsetzung angedacht, sondern werden als "Offen zur Diskussion" aufgeführt. Der Einfluss der IFAB ist groß. In den vergangenen Jahren hat sich das Gremium mit vielen seiner Ideen durchgesetzt – darunter die Einführung des Vierten Offiziellen an der Seitenlinie; kein Abseits mehr bei gleicher Höhe; mehr als nur ein Spielball, um die Partie schneller zu machen – und das Verbot des Rückpasses zum Torwart.

Nun geht es vor allem darum, das Spiel effektiver zu machen. Wenn der Ball außerhalb des Spielfelds ist, wie es bei anderen Sportarten wie Eishockey und Basketball schon lange praktiziert wird, läuft die Uhr nicht weiter, so ein Vorschlag. Würde man an der bisherigen Spielzeit von zwei Halbzeiten mit je 45 Minuten festhalten, soll dies in den letzten fünf Minuten des ersten und in den letzten zehn Minuten des zweiten Durchgangs geschehen. Laut IFAB würden in diesen Phasen "die Spieler am wahrscheinlichsten auf Zeit spielen."

Alternativ zu dieser Methode steht die Verkürzung der Spielzeit auf zweimal 30 Minuten und das Anhalten der Spieluhr bei Unterbrechungen während der gesamten Partie. Der Vorteil dieser vom IFAB als "radikale Veränderung" bezeichneten Lösung: Jedem Verein stünde in jedem Wettbewerb und in jedem Spiel die gleiche effektive Spielzeit zur Verfügung. Radikal ist dieser Vorstoß nur bedingt – denn schon jetzt beträgt die Netto-Spielzeit nach einer Untersuchung des Fachmagazins "Kicker" nur etwas mehr als 56 Minuten.

Marco van Basten begrüßt Vorschläge

Innerhalb der Fifa weiß man um die Brisanz hinter den Vorschlägen der Gralshüter der Regeln. Der Vorstoß der IFAB ist bewusst gewählt, um auszutesten, zu wie viel Veränderung der Fußball aktuell bereit ist. "Die Rückmeldungen aller Beteiligten in der Fußball-Gemeinschaft sind bislang sehr positiv", verkündet David Elleray, Direktor bei der IFAB und früher Schiedsrichter in der englischen Premier League. Alle seien sich einig, dass die Verbesserung der Rahmenbedingungen "die absolute Priorität besitzt".

Marco van Basten, bei der Fifa Technischer Direktor, ist jedenfalls begeistert. "Die Zuschauer wollen Fußball sehen – und nicht darauf warten. Am Ende sollen alle Spiele mehr oder weniger die gleiche Netto-Spielzeit haben", findet der einstige niederländische Weltklassestürmer. "Die großen Änderungen, die Nettospielzeit auf 60 Minuten auszudehnen in etwa, entspricht aus meiner Sicht nicht dem Geist der Regeln", sagt Taktik-Experte Tobias Escher, Gründer des Portals Spielverlagerung". "Doch viele der kleineren Änderungen scheinen mir sehr sinnvoll. Damit würde die Fifa das aus meiner Sicht größte Problem angehen, das der Fußball heutzutage hat: Zeitspiel."

Beim Confed Cup in Russland wird aktuell ein radikaler Einschnitt in das Spiel geprobt: Erstmals bei einem großen internationalen Turnier wird der Videobeweis eingesetzt. Es wird nicht die letzte Regeländerung bleiben.

 
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