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Fortuna Düsseldorf
Atli Edvaldsson: "Die anderen müssen, aber wir wollen"

Fortuna Düsseldorf: Atli Edvaldsson: "Die anderen müssen, aber wir wollen"
Atli Edvaldsson übt sich beim "Sparring" mit Muhammad Ali, der das Bundesligaspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Braunschweig im September 1984 besuchte. FOTO: Horstmüller
Düsseldorf. Ex-Fortune Atli Edvaldsson aus Island glaubt, dass sein Land bei der EM eine weitere Überraschung schaffen kann.

Die isländische Nationalmannschaft verblüfft bei der EM die Fußball-Welt. Das 2:1 der Isländer im Achtelfinale gegen England galt als eine der größten Überraschungen in der EM-Geschichte. Der einstige Profi von Fortuna Düsseldorf, Atli Edvaldsson, äußert sich gegenüber dpa zum wundersamen Erfolg und zu den Chancen für das Viertelfinale gegen Frankreich.

Die Fachwelt bestaunt das isländische Fußball-Wunder. Kommt der Erfolg auch für Sie überraschend?

Atli Edvaldsson Eigentlich nicht. Vor zwei Jahren haben wir die WM-Playoffs gegen Kroatien nur knapp verloren. Danach konnten wir uns in der EM-Qualifikation gegen die Holländer und Türken durchsetzen. Wir profitieren von einem super Jahrgang. Zur Erinnerung: 2010 gewann unsere U 21 mit 4:1 gegen Deutschland.

Aber vor vier Jahren stand Island in der Weltrangliste auf Platz 133 - noch hinter Burundi. Wie konnte sich dieser gute Jahrgang entwickeln?

Edvaldsson Früher war nach der von Anfang Mai bis Mitte September laufenden Saison Schluss. Monatelang konnte nicht gespielt werden, alles war gefroren. Wir haben in dieser Zeit andere Sportarten betrieben. Nun gibt es fünf große Fußball-Hallen und weitere Hallen mit einem halben Spielfeld. Seither kann vier, fünfmal in der Woche unter besten Bedingungen trainiert werden. Das hat uns weit gebracht. Zudem müssen alle Trainer eine Lizenz haben - egal in welcher Altersklasse sie aktiv sind..

Sie waren der erste isländische Profi in der Bundesliga. Werden Profis aus ihrem Land zum Exportschlager?

Edvaldsson Als ich in Deutschland gespielt habe, waren wir vielleicht fünf Profis im Ausland. Mittlerweile verdienen rund 100 ihr Geld in anderen Ligen. Sie haben einen guten Charakter, sind prima ausgebildet. Die laufen, sind organisiert und haben einen großen Willen.

Welchen Anteil hat Nationaltrainer Lars Lagerbäck an dieser Entwicklung?

Edvaldsson Als Lagerbäck 2011 zu uns kam, hatte er klare Vorstellungen. Er hat alle davon überzeugt, dass Island nur als Kollektiv erfolgreich sein kann. Und er hat dann auf ein 4-4-2-System gesetzt. Mittlerweile kennt es jeder und kann es deshalb auch optimal umsetzen..

Dabei galt dieses System schon damals als veraltet ...

Edvaldsson Alle haben gesagt, das ist doch ein uraltes Ding, das kann man im modernen Fußball nicht mehr spielen. Aber Lagerbäck ist hartnäckig geblieben. Der Trainer hat allen erklärt, dass wir als kleine Fußball-Nation keine Chance haben, wenn wir nicht dieses, sondern irgendein anderes System spielen.

Wie wird das Fußball-Wunder in Island aufgenommen?

Edvaldsson Die TV-Quote beim 2:1 gegen England lag fast bei 100 Prozent. Aber derzeit dreht sich fast alles um Fußball. Viele Isländer haben sogar vorgeschlagen, dass Lagerbäck unser Präsident werden soll.

Geht das isländische Fußball-Wunder im Viertelfinale womöglich weiter?

Edvaldsson Die Franzosen werden sich sagen, uns passiert das nicht. Aber das haben sich die Engländer und die Österreicher auch gesagt. Und die Portugiesen zu 100 Prozent. Die haben uns alle vorher analysiert. Genutzt hat es wenig. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Unser 1:1 gegen England war eine Kopie des Treffers zur 1:0-Führung gegen die Österreicher. Das wissen die Engländer noch immer nicht. Wir haben zu dieser kollektiven Einstellung gefunden. Das ist unsere Stärke. Alle anderen müssen, aber wir wollen.

(dpa)
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