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| 10.47 Uhr

Bochum - Fortuna 0:0
Fünf Erkenntnisse aus dem Westderby

Pressestimmen: "Fortuna ohne Fortune"
Pressestimmen: "Fortuna ohne Fortune" FOTO: dpa, gki fdt
Bochum. Sechs Tage nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal war für Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum wieder Liga-Alltag angesagt. Das 0:0 klingt unspektakulär, könnte aber richtungsweisend sein. Von Jessica Balleer

Taktik und Startelf

Die Ruhe und Übersicht von Kapitän Oliver Fink fehlte. Er stand wegen Adduktoren- und Achillessehnenproblemen nicht im Kader. Adam Bodzek machte seine Sache auf der Sechs zumindest defensiv dennoch gut. Und Friedhelm Funkel wechselte im Vergleich zum Pokalspiel gegen Borussia Mönchengladbach (0:1) noch auf zwei weiteren Positionen. Takashi Usami rückte für Benito Raman in die Startelf. Außerdem spielte Robin Bormuth in der Verteidigung für André Hoffmann. Das 4-1-4-1 mit nur einer Sturmspitze erwies sich nach einer starken Druckphase der Bochumer gleich zu Beginn als richtig. Immerhin hatten die Fortunen allerhand damit zu tun, den frühen Gegentreffer zu verhindern. Florian Neuhaus etwa gelang das in höchster Not auf der Torlinie (4.). Fortuna fand besser in das Spiel hinein, kreierte aber zu wenig Torgefahr. Hennings bekam kaum Zuspiele. Erst die Einwechslung von Raman nach gut einer Stunde belebte das Angriffsspiel, gemeinsam mit Jean Zimmer, der über links kam, setzte er Impulse. Raman gab eine aussagekräftige Bewerbung für eine Rückkehr in die Startelf im kommenden Spiel gegen Heidenheim (So., 13.30 Uhr) ab.

Sicherheit statt letztem Siegeswillen

Die Düsseldorfer hatten einen starken Gegner erwartet – und ihn bekommen. Obwohl der VfL Bochum von Beginn auf Sieg spielte, war das Team von Interimstrainer Jens Rasiejewski am Montagabend alles andere als übermächtig. Sechs Tage nach der besonders intensiven Pokalpartie gegen die Borussia schien den Fortunen jedoch die Frische zu fehlen und ein Punkt durchaus zu genügen. In der Schlussphase hätte es mit der Einwechslung von Raman die Chance auf drei Punkte ja durchaus gegeben. Abwehrspieler Kaan Ayhan, der hinten sicher stand, hatte mehrfach die Wahl, den Risikopass nach vorne zu wagen. Er zog aber meist den sicheren Querpass vor. Funkel dürfte das kaum kritisch sehen, immerhin gab er sich nach dem Abpfiff zufrieden: "Die Bochumer haben uns das Leben schwer gemacht, waren laufstark, aggressiv und standen defensiv gut. Deswegen hatten wir nicht so viele Möglichkeiten und sind mit dem Remis zu 100 Prozent zufrieden", sagte Funkel. Dass das Spiel zunehmend abflachte, war ihm dabei nicht entgangen. "Fußballerisch haben wir einiges vermissen lassen, aber das ist im Laufe einer Saison immer wieder so."

Ein bärenstarker Wolf

Fortuna hat zwei richtig gute Torhüter. In Bochum wehrte Raphael Wolf neun Torschüsse ab. Und Wolf, der den verletzten Stammtorwart Michael Rensing nach wie vor vertritt, zeigte vor allem in der 55. Minute sein Können. Während vorne ein Flachschuss von Rouwen Hennings haarscharf das Tor verfehlte, setzte Bochums Stürmer Hinterseer zum Gegenangriff an. Er verwertete eine Flanke zur Großchance, und eigentlich hätte der Ball nach seiner sehenswerten Direktabnahme das 1:0 für Bochum bedeuten müssen. Doch Wolf riss die Arme hoch und wehrte den Ball mit einem bärenstarken Reflex ab. Auch in den Schlussminuten verhinderte er Bochums spätes Glück, als er gut mitspielte und einen Ball abfing, den sich Hinterseer zu weit vorgelegt hatte. In neun Ligaspielen hat Wolf vier Mal das "zu Null" gehalten. Nur ein Mal verlor die Fortuna, wenn er im Kasten stand. Sein Engagement im Training und die Top-Leistungen in der Liga werfen die Frage auf, ob der 29-Jährige auch langfristig den Vorzug vor Rensing (33) bekommen könnte. Rensing hat sich in Düsseldorf verdient gemacht, laboriert aber seit Wochen an einer gebrochenen Rippe. Die Argumente für sich liefert Wolf regelmäßig ab.

Sobottka läuft und läuft und läuft

Trotz aller Rotationen in personeller und taktischer Hinsicht ist und bleibt Marcel Sobottka die Konstante bei der Fortuna. 14 Einsätze waren es bislang in Liga und Pokal. Auch beim VfL Bochum zeigte er über 90 Minuten vollen Einsatz und legte mit zwölf Kilometern die weiteste Strecke aller Düsseldorfer zurück. Sobottka gewann dabei 88 Prozent seiner Zweikämpfe. Das ist nicht der beste Wert (Ayhan lag bei 90 Prozent), doch hatte er oftmals entscheidend den Fuß dazwischen, bevor Bochum richtig gefährlich werden konnte. "Die Defensive ist das A und O", lautet bekanntermaßen die Funkelsche Marschroute, und dabei ist Sobottka weiterhin kaum ersetzbar. Der ehemalige Schalker kommt mit wenigen Fouls aus – gegen Bochum war es ein einziges. Mit drei Gelben Karten ist er derzeit vorbelastet, für einen defensiven Mittelfeldspieler ist das ein guter Wert. Auf lange Sicht könnte das für eine gute Platzierung am Saisonende wichtig werden.

Der Vorsprung wächst

"Es war insgesamt ein schwieriges Auswärtsspiel. Bochum hat uns alles abverlangt", sagte Florian Neuhaus, der mit seiner Rettungstat den frühen Gegentreffer verhinderte. "Am Ende können wir mit dem Punkt gut leben." Auch Trainer Funkel betonte das: "Wir haben gepunktet – das ist sehr wichtig für uns." Und diese Einschätzung kann man nach dem Verlauf des Spiels und der vergangenen Tage durchaus teilen. Immerhin ist das befürchtete Leistungsloch, das nach der Pokalniederlage gegen Gladbach hätte kommen können, ausgeblieben. Pechvogel Gießelmann hat mit seinem verschossenen Elfmeter im Pokalspiel abgeschlossen und führte wieder Fortunas Standardsituationen aus. Prekär ist die Lage also bei weitem nicht. Zumal auch die Konkurrenz in der 2. Bundesliga Punkte liegen lässt.

Holstein Kiel spielte in Darmstadt und Union Berlin beim MSV Duisburg, beide kamen über ein 1:1 nicht hinaus. Einen Sieben-Punkte-Vorsprung hat sich Spitzenreiter Düsseldorf nun auf Rang vier erarbeitet. Es bleibt die Frage, wie wegweisend das Bochum-Spiel wird, ob die Fortunen im nächsten Spiel am Sonntag gegen Heidenheim wieder den Vorwärtsgang einlegen können, ob die gute Stimmung im Team hält. Die Devise, Ruhe zu bewahren und nicht überheblich zu werden, ging bisher bestens auf.

 
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