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Fortuna Düsseldorf
Der Kapitalist mit Familiensinn

Fortuna Düsseldorf: Der Kapitalist mit Familiensinn
80ß. Geburtstag: Albrecht Woeste FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Albrecht Woeste, einstiges Oberhaupt der Industriellenfamilie Henkel, wird am Freitag 80 Jahre alt. Er führte den Konzern wie ein Patriarch, aber mit modernen Methoden. Von Martin Kessler

Anders als Berlin gehört Düsseldorf zu den deutschen Metropolen, die über eine intakte, bürgerlich geprägte und einflussreiche Geschäftselite verfügen. Ein, wenn nicht sogar das Aushängeschild dieses exklusiven Kreises dürfte Albrecht Woeste sein. Der Wirtschaftsingenieur hat über Jahrzehnte die Geschicke des Düsseldorfer Konsumgüter- und Klebstoffherstellers Henkel maßgeblich bestimmt. Von 1990 bis 2009 leitete er sowohl den Aufsichtsrat wie auch den Gesellschafterausschuss des neben Eon einzigen Dax-Konzerns der Landeshauptstadt. Und obwohl er die einflussreichen Ämter längst an die 46-jährige Mikrobiologin Simone Bagel-Trah abgetreten hat, wird er im Kreise des Henkel-Clans weiter gern um Rat gefragt. Das einstige Oberhaupt der Industriellenfamilie wird am Freitag 80 Jahre alt.

Der Urenkel des Firmengründers Fritz Henkel verstand es, die 120 Mitglieder des Industrieclans so zusammenzuhalten, dass die Erben - anders als bei anderen deutschen Familienunternehmen - dem Konzern überwiegend nutzten. Er war einfach der Chef, obwohl ausgerechnet sein Stamm die wenigsten Anteile am Familienerbe besaß. Und er war der Stratege. Sein "Familienbindungsvertrag" aus dem Jahre 1996 tariert die Interessen der Erben so geschickt aus, dass keiner sich auf Kosten der anderen durchsetzen kann. Es spricht für sich, dass dieses Grundgesetz des Familienkonzerns vor Kurzem bis 2033 verlängert wurde. Wie der vom Unternehmen hergestellte Alleskleber Pattex hat er die Familienstämme zusammengefügt.

Woeste begründete eine Tradition, die bei Henkel bis heute gültig ist: "Firma geht vor Familie." Und nicht das reichste, sondern das geeignetste Familienmitglied bekommt den zentralen Posten. Klingt einfach, ist aber schwierig umzusetzen. "Ich musste Künstler, Schauspieler, Rechtsanwälte, Ärzte unter einen Hut bekommen", bekannte Woeste. Sein Pfund lag in seiner wirtschaftlichen und technischen Kompetenz. Hier konnte ihm keiner etwas vormachen. Wenn er Maschinen inspizierte oder sich Produktionsabläufe anschaute, kam manch altgedienter Ingenieur ins Schwitzen. Oft nahm er seine Frau Renate, ebenfalls Diplomingenieurin, mit. Das Duo war gefürchtet wegen seiner präzisen Nachfragen, die unangenehme Folgen haben konnten.

Frank Kramer bei Fortuna Düsseldorf vorgestellt FOTO: dpa, mb nic

Den Konzern führte Woeste wie ein Patriarch alter Schule - aber mit hochmodernen Methoden. Seine Manager - Personen vom Schlage eines Helmut Sihler, eines Hans-Dietrich Winkhaus oder eines Ulrich Lehner - mussten seinen Primat anerkennen, durften aber selbstständig agieren. Solange die Rendite stimmte. Woeste hatte große Achtung vor der Belegschaft, aber auch eine Liebe zu guten Zahlen. Im internen Kreis soll er geäußert haben, er werde die Produktion dahin verlagern, wo sie am billigsten ist: "Wenn Polen zu teuer ist, gehe ich nach Rumänien oder noch weiter in den Osten." Tatsächlich sank unter seiner Ägide die Beschäftigung am Stammsitz in Düsseldorf-Holthausen von 14.000 auf unter 6000 Mitarbeiter. Zugleich aber ist Henkel heute einer der erfolgreichsten deutschen Markenartikler und Weltmarktführer bei Klebstoffen.

Düsseldorf ist Henkel, und Henkel ist Düsseldorf. Am gesellschaftlichen Engagement hat es Woeste nie fehlen lassen. Mischte sich sein Vorgänger Konrad Henkel noch massiv in die Bundespolitik ein, verlegte sich der Nachfolger mehr auf Kommunalpolitik und Sport. Ob im vornehmen Rochus-Club (Tennis), auf der Pferderennbahn in Grafenberg oder bei der Fortuna - Woeste mischt hier kräftig mit. Von 1991 bis 1999 war Woeste zudem Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf und ist heute Ehrenbürger der Landeshauptstadt.

Aber Woeste ist nicht nur Großbürger, Industrieller und Geschäftsmann. Er hat auch Sinn für die eigene Familie, seine vier Kinder und seine Enkel. Die dürfen ihn übrigens nicht "Opa" nennen, sondern "Großvater". So viel Respekt muss sein - im Hause Henkel.

Quelle: RP
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