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Lokalsport
Die großen Lumpi-Momente

Düsseldorf. Fortuna verliert ihre Identifikationsfigur. Andreas Lambertz wird seine aktive Karriere nicht bei dem Verein beenden, den er wie kein Zweiter seiner Generation prägte. Seine Rückennummer 17 soll nie mehr vergeben werden. Von Bernd Jolitz

Fast 13 Jahre ist es her, dass Andreas Lambertz für einen anderen Verein um Punkte spielte. Für die A-Junioren des VfR Neuss war das - lange bevor der gebürtige Dormagener zu "Lumpi" und zu der Identifikationsfigur des Düsseldorfer Fußballs schlechthin wurde. "Seit ich bei Fortuna bin, und das ist nun auch schon mehr als ein Jahrzehnt, hat es nie eine Fortuna ohne Lumpi gegeben", sagt der Vorstandsvorsitzende Dirk Kall. Und doch geschieht nun das Undenkbare: Der 30-Jährige wird ab dem Sommer das Trikot eines anderen Profiklubs tragen, bevor er nach Abschluss seiner aktiven Laufbahn als Nachwuchstrainer zu Fortuna zurückkehrt.

Es fällt immer wieder das Wort "Enttäuschung" an diesem Tag. Er sei schon enttäuscht, dass es nicht mehr für Fortunas Startelf gereicht habe, sagt Lambertz. Eine Enttäuschung sei es auch gewesen, dass er trotz vieler personeller Engpässe so selten zum Zuge gekommen sei. Aber Groll, Verbitterung gar - solche Wesenszüge passen nicht zu Fortunas Urgestein. "Jeder sollte die Entscheidungen eines Trainers akzeptieren und respektieren", erklärt Lambertz, und ihm nimmt man das sogar ab. "Die gesamte Situation ist nicht einfach für mich. Aber wenn man wie ich schon ein ganzes Jahr damit konfrontiert wird, dann lernt man, damit umzugehen."

"Lumpi" hat Geschichte geschrieben bei Fortuna. Er ist der erste deutsche Profi, der mit demselben Verein von der Vierten bis in die Erste Liga aufgestiegen ist. Und er hat in jeder dieser Ligen mindestens ein Tor erzielt. Im deutschen Oberhaus hat er sich dafür gleich das Stadion und den Torhüter ausgesucht, wo dieses Unterfangen besonders schwierig ist: Am 9. März 2013 schoss er in der Münchner Arena gegen Bayerns Manuel Neuer den Treffer zum 2:1 für Fortuna. Spätestens mit dieser Szene erlangte der langjährige Kapitän in Düsseldorf sportliche Unsterblichkeit.

"Ich bin sehr traurig über Lumpis Entschluss", sagt Fortunas Sportvorstand Helmut Schulte. "Als Trainer habe ich diese Typen geliebt, die alles aus sich und ihren Möglichkeiten herausholen." Auch Kall betont, dass es ein "trauriger Moment" sei - allerdings offenbar doch nicht traurig genug, um Lambertz mit einem erhöhten Angebot auch als Aktiven weiter an den Verein zu binden.

Lambertz sei kein Spieler für die Bank, ergänzte Schulte, und das sieht auch Fortunas "ewige 17" (Lambertz' Nummer soll ja voraussichtlich nie mehr vergeben werden) so und sucht deshalb eine neue Herausforderung. "Es wäre schön, noch einmal in dieser Arena aufzulaufen", gibt der Mittelfeldspieler zu - dann als Gegner Fortunas. Vielleicht sorgt er dann ja für einen weiteren großen Lumpi-Moment.

Quelle: RP
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