| 16.07 Uhr

Fortuna Düsseldorf
48 Jahre zwischen zwei Derbysiegen

Einzelkritik: Fortuna enttäuscht bis auf Unnerstall
Einzelkritik: Fortuna enttäuscht bis auf Unnerstall FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Rot-Weiss Essen gegen Fortuna Düsseldorf - das hat die Fans schon immer elektrisiert. In der Bundesliga 1967 wie im Pokal 2015. Unser Autor war damals wie Sonntag dabei und sah zwei Erfolge, wenn auch diesmal im Elfmeterschießen. Von Thomas Schulze

4. März 1967, bedeckt, zehn Grad. Mittags fährt ein Sonderzug von Düsseldorf nach Essen, wo an der Hafenstraße das Duell der beiden Aufsteiger ansteht, die sich in ihrer ersten Bundesligasaison natürlich im Abstiegskampf befinden. Das Georg-Melches-Stadion ist mit 35.000 Zuschauern proppenvoll. Die Essener Fans stehen in der Kurve, die Anhänger der Fortuna - wie damals meist - auf der Höhe der Mittellinie. Auf der alten Tribüne sitzen die Düsseldorfer am Rand. Die Bratwurst schmeckt, mein Vater nippt am Pils - alkoholfreies Bier gibt es noch nicht.

Es ist ein Spiel so ganz nach dem Geschmack der Gäste aus der Landeshauptstadt. Die beiden Mittelfeldspieler Reinhold Straus (13.) und Waldi Gerhardt (37.) stellen vor der Pause die Weichen zum Sieg bei RWE, das so unvergessene Spieler wie Willi "Ente" Lippens, Willi Koslowski oder Fred Bockholt in seinen Reihen hat. Nach dem Wechsel machen Torjäger Peter Meyer (52.) und Rechtsaußen Hilmar Hoffer (57.) den 4:0-Auswärtssieg perfekt.

Ausgelassener Jubel der Düsseldorfer Anhänger, die damals auch als Schlachtenbummler bezeichnet werden, aber nie eine Schlacht schlagen. Es geht friedlich zu zwischen den Besuchern aus beiden Lagern. Es wird gefrotzelt, ohne Handgreiflichkeiten. "Wat Krupp in Essen, sind wir im Trinken", behauptet ein Düsseldorfer provozierend und selbstbewusst - Gelächter auf beiden Seiten. Kein Problem, die Fortuna-Fahne stolz nach Hause zu tragen. Der Sonderzug erreicht Düsseldorf. "Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen, Fortunas Düsseldorf wird niemals untergehen", schallt es durch den Bahnhof.

9. August 2015, bedeckt, 24 Grad. Diesmal dauert die Anreise wesentlich länger, und sie ist unbequemer. Der Zug benötigt fast eineinhalb Stunden, dann geht es in Shuttlebusse gepfercht in Richtung Stadion - eskortiert von der Polizei. Oben kreist der Hubschrauber, der die Lage von oben beobachtet, um unerwünschte Wege der Fans frühzeitig zu erkennen.

Das neu errichtete Stadion an der Hafenstraße wird von den Essenern liebevoll beschrieben: "Neue Bude an alter Stätte". Alle vier Tribünen sind überdacht. Neben der Bratwurst (und anderen Leckereien) gibt es natürlich auch Pils - diesmal allerdings nur alkoholfreies, weil die Begegnung als Hochrisikospiel eingestuft worden ist. Entsprechend umfangreich sind die getroffenen Maßnahmen. Die Polizei ist mit mehreren Hundertschaften vor Ort. So verhindern Absperrungen zum Beispiel, dass man um das Stadion gehen kann. Die Stimmung auf den Rängen ist lautstärker, aber auch deutlich hitziger. Nur das "La Cucaracha" auf Essener Seite erinnert an längst vergangene Zeiten.

Unmittelbar vor dem Anpfiff beweisen dann beide Fanlager eindrucksvoll, warum die Partie als so riskant galt. Dicke Rauchschwaden, Pyrotechnik und zwei Dutzend Böller verhindern, dass das Spiel pünktlich angepfiffen wird. Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident und früherer Vorstandsvorsitzender der Fortuna, verfolgt alles mit sorgenvollem Blick. "Ich hoffe, dass alles ruhig bleibt", sagt er. "Gestern war ich in Duisburg gegen Schalke, da ist es auch gut gegangen."

Diesmal hat die Fortuna nicht so leichtes Spiel wie vor knapp 50 Jahren. Sie erkämpft in dem Pokal-Krimi, in dem beide Mannschaften jeweils weitaus mehr als ein halbes Dutzend hochkarätige Chancen haben am Ende in Unterzahl ein torloses Remis und gewinnt das Elfmeterschießen. Damals wie heute geht es mit einem Sieg zurück. Eine wichtige Parallele mehr.

Quelle: RP
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