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Fortuna Düsseldorf
Bellinghausens gebrauchter Tag

Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer
Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer FOTO: dpa, Jonas Güttler
Düsseldorf . Der Routinier ist Vorkämpfer der abstiegsbedrohten Fortuna. In Fürth gelang ihm allerdings so gut wie gar nichts. Von Jan Dobrick

Axel Bellinghausen ist ein Typ, der alle mitreißen kann. Ein Kämpfer, der sich in den 90 Minuten eines Spiels immer ein bisschen dreckiger macht als alle anderen, die neben ihm auf dem Platz stehen. Bei der 1:3-Niederlage im Sportpark von Greuther Fürth musste der Außenverteidiger am Sonntag aber schon in der Halbzeitpause raus. Trainer Friedhelm Funkel brachte Lukas Schmitz. 

Bellinghausen hatte zuvor gekämpft, mit hochrotem Kopf, wie immer, den Kampf aber schon nach 23 Minuten haushoch verloren: Veton Berisha spielte den Routinier schwindelig, erzielte zwei frühe Tore für die Hausherren und sorgte dafür, dass sich der Linksfuß die Partie in der zweiten Halbzeit vom Spielfeldrand ansehen musste. Wobei: Zu sehen gab es für den 32-Jährigen ohnehin nicht viel. Tore fielen keine mehr. Zum Leidwesen der etwa 1000 Düsseldorfer Anhänger im Stadion.

"Bello", wie sie ihn rufen, erinnerte sich dafür noch ziemlich gut an die Gegentreffer aus der ersten Halbzeit. Vor dem 0:1 verlor er die Kugel leichtfertig in der Vorwärtsbewegung. Berisha, der sonst oft so schludrig mit seinen Tormöglichkeiten umgeht und damit die Fürther Anhänger in dieser Saison reihenweise zur Weißglut trieb, bestrafte den Aussetzer des Düsseldorfer Publikumslieblings mit einem ansehnlichen Linksschuss. Das zweite Tor durch den Norweger mit albanischen Wurzeln war ein weiterer Nackenschlag für Bellinghausen, den Vorarbeiter, der sich in der Regel pro Partie eine stattlich Anzahl an Fleißkärtchen verdient, am Sonntag aber leer ausging.

Routiner nimmt Niederlage auf seine Kappe

Darum wurmte ihn die verdiente Pleite auch besonders. "Ich nehme die Niederlage zu hundert Prozent auf meine Schultern", sagte Bellinghausen nach dem Schlusspfiff zerknirscht. Von der Aufbruchsstimmung, die Trainer Friedhelm Funkel mit einem 4:3-Antrittssieg gegen Kaiserslautern im März auslöste, war in diesem Moment nichts zu spüren. Allerdings war es der erfahrene Trainer, der die Aussage seines Leistungsträgers nicht so stehen lassen wollte. Bellinghausen sei manchmal sogar "zu selbskritisch", betonte Funkel. "Natürlich war es ein gebrauchter Tag für ihn, aber so etwas kann immer mal passieren. Den werden wir in den nächsten Tagen schon wieder aufbauen." Aus dem Coach spricht der Glaube an die Aufgabe. 

Wenn Bellinghausen zurück auf den Platz kommt, möglicherweise am Freitag gegen St. Pauli, wird er, das Gegenstück zu einem Künstler, wieder nicht besonders feinfüßig die Außenbahn beackern. Aber das ist auch nicht gefragt. Die Fortuna, die ist "sein Verein", betont er wieder und wieder. Kaum einer hat so viel Heimatliebe wie er. Bellinghausen – in der elften Saison als Spieler in Düsseldorf – ist Identifikationsfigur des Klubs. Im März verlängerte der Verteidiger seinen Vertag, um ein "positives Signal" an alle Fortunen zu senden. Die Entscheidung sollte den Rot-Weißen im Kampf um den Klassenerhalt Schwung geben.

Gegen Fürth fehlte er, dieser Schwung auf dem Platz, der unbedingte Wille, die Leidenschaft. Auf den Rängen aber, da gab es die nötige Energie - und die Fans gaben etwas davon ab. Als die Mannschaft nach Spielende in die Gästekurve kam, hoben die Fortuna-Anhänger die Fäuste. Dann hoben die Spieler die Fäuste. Und alle zusammen schworen sich auf den Abstiegskampf ein, den der nimmermüde Vorkämpfer bald wieder anführen wird. Da darf man sich sicher sein.  

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