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| 09.03 Uhr

Fortunas Aufsichtsrat im Interview
"Wir sind für höhere Aufgaben vorbereitet"

Fortuna Düsseldorf: Aufsichtsratsbosse sprechen über die Lage des Zweitligisten
Die Aufsichtsräte von Fortuna Düsseldorf im Gespräch mit unserer Redaktion: Vorsitzender Reinhold Ernst (r.) und sein Stellvertreter Carsten Knobel. FOTO: Andreas Krebs
Düsseldorf. Zweitliga-Tabellenführer Fortuna Düsseldorf will in die Bundesliga zurückkehren. Das erklärten Aufsichtsratschef Reinhold Ernst und sein Stellvertreter Carsten Knobel im Interview.

Fortuna Düsseldorf führt die Tabelle der 2. Bundesliga an. Die führenden Köpfe des Fortuna-Aufsichtsrats haben dem Konferenzzentrum der Rheinische Post Mediengruppe jetzt einen Besuch abgestattet: Reinhold Ernst, Vorsitzender des Kontrollgremiums, und sein Stellvertreter Carsten Knobel. Erstmals gab die Doppelspitze des Klubs ein gemeinsames Interview.

Fortuna an der Tabellenspitze – hatten Sie das vor der Saison erwartet?

Ernst Wir hatten uns ein ehrgeiziges Saisonziel gesetzt: Platz eins bis sechs. Ich denke, der bisherige Saisonverlauf hat gezeigt, dass wir oben mitspielen können.

Ab wann darf man finanziell für die Erste Liga planen?

Ernst Man muss immer in alle Richtungen planen. Wir sind somit auf alles vorbereitet. Erst einmal finalisieren wir jetzt aber – nach den Transfergeschäften – die Planung für die aktuelle Saison.

Knobel Gerade aus Sicht des Aufsichtsrats muss man sicherstellen, dass man auf alle Themen vorbereitet ist. Die Unterschiede zwischen Erster, Zweiter und Dritter Liga sind in finanzieller Hinsicht enorm, nicht nur beim Fernsehgeld.

Was tun Sie denn, um richtig aufgestellt zu sein?

Ernst Schauen Sie doch mal, wann wir beide unsere Arbeit begonnen haben, im Dezember 2015. Wir standen damals ganz tief im Abstiegskampf und hatten mehrere Herausforderungen. Da haben wir gesagt: Wir müssen jetzt Gas geben und den Umbruch vorantreiben.

Wie sollte das vonstatten gehen?

Ernst Wir brauchten strukturelle Veränderungen und mussten im sportlichen Bereich nach vorne kommen. Beides erforderte auch personelle Maßnahmen, so haben wir uns vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Dirk Kall und von Sportvorstand Helmut Schulte getrennt. Wir haben das Ganze neu aufgestellt, mit dem Vorsitzenden Robert Schäfer und Sportvorstand Erich Rutemöller.

"Ausgliederung wird es bei Fortuna nicht geben"

Aber muss man denn jetzt schon Geld beiseite legen für die Bundesliga, falls der Sprung gelingt?

Knobel Man muss ja zunächst sehen, von wo wir gekommen sind. Da ging ja der sportliche Niedergang mit dem wirtschaftlichen einher. Wir befanden uns nicht nur sportlich in einer schwierigen Situation, auch wirtschaftlich mussten wir uns mit hohen Verlusten auseinandersetzen.

Wie ist denn die aktuelle Lage?

Ernst Wir haben den Verlust in der vergangenen Saison gegenüber dem im Jahr davor mehr als halbiert.

Was heißt das in Zahlen?

Knobel In der Saison 2015/16 waren es rund 1,8 Millionen, zuletzt rund 800.000 Euro minus.

Und wie wird es in der aktuellen Saison aussehen?

Knobel Die Planung macht der Vorstand, nicht wir. Aber unabhängig von Transfererlösen ist die klare Zielsetzung, eine schwarze Null zu erzielen. Jetzt gibt es durch die Transfers von Ihlas Bebou und Peter Hermann natürlich zusätzliche Erlöse, die wir in den Verein investieren können. Das bringt zusätzliche Liquidität, die uns weitere Handlungsspielräume eröffnet.

Gerade was Fernsehgelder anbelangt, wird die Diskrepanz zwischen Erster und Zweiter Liga immer größer. Wie zwingend ist es für Sie, den Sprung zu schaffen?

Ernst Wir haben keinen kurzfristigen Zwang. Aber durch die Neuordnung der TV-Gelder sind wir als Zweitligist nicht gerade bevorteilt worden. Doch wir halten uns damit nicht lange auf, wir wollen so oder so aus eigenem Antrieb nach vorne kommen.

Gehört dazu der Bau eines Nachwuchsleistungszentrums?

Ernst Unbedingt. Wir stehen kurz vor dem Baubeginn, und wir haben den Fokus auf der Nachwuchsarbeit mit der Einstellung von Fachleuten wie Erich Rutemöller und Frank Schaefer untermauert. Wir werden das solide finanzieren.

Aber hätte man damit nicht früher beginnen müssen, um gar nicht erst gegenüber anderen Vereinen derart in Rückstand zu geraten?

Ernst Sagen wir einmal so: Wir haben uns ganz klar vorgenommen, wir wollen auf jeden Fall nicht wieder zehn weitere Jahre zu warten und zu diskutieren.

Knobel Das betrifft aber nicht nur Ernst und Knobel, da herrscht absolute Einigkeit im Aufsichtsrat: Der Verein muss sich weiterentwickeln, von der Jugend bis in die Spitze.

Wie steht es um die bessere Vermarktung der Arena?

Knobel Es ist klar, dass Fortuna sich da als Verein mehr einbringen musste, und das tun wir auch. Gleichzeitig haben wir, mit Unterstützung von Thomas Geisel, wichtige Weichen für die bessere Vermarktung stellen können. Das ist für den Betreiber und auch für den Verein eine Win-win-Situation.

Ernst Als Robert Schäfer als Vorstandsvorsitzender anfing, haben wir ihm große Freiheiten gegeben, aber auch unsere Erwartungen geäußert. Dazu gehörte neben den Stadionrechten auch ein klarer Zeitplan für das Nachwuchsleistungszentrum.

Unabhängig von Transfererlösen, die man da hineinstecken könnte?

Ernst Völlig unabhängig davon. Auch der Vertrag mit der Arena: Wir haben dem Vorstand gesagt, dass wir da mehr Rechte brauchen. Das hat der Vorstand um Robert Schäfer sehr gut umgesetzt. Die Transfererlöse werden wir nur in die Mannschaft stecken. Wir haben einen guten Mix, aber wir müssen jetzt auch häufiger in der Lage sein, einen Spieler mit allen Rechten zu verpflichten, an dem wir Interesse haben.

Wie interpretieren Sie eigentlich Ihre Rolle als Aufsichtsrat?

Ernst Zunächst einmal üben wir die klassische Aufsichtsfunktion eines solchen Gremiums aus. Wir sind aber auch dafür da, Denkanstöße zu geben für strategische Themen, immer in Zusammenarbeit mit dem Vorstand. Und wir haben natürlich die Verantwortung für den Vorstand, dessen Mitglieder wir einsetzen.

Aber was heißt das jetzt – Kontrolle und Strategie?

Knobel Wir kommen ja beide aus professionellen, international geführten Unternehmen. Daher ist uns die Abgrenzung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat bestens bekannt.

Ist es denn sinnvoll, einen Fußballverein genauso zu führen wie einen internationalen Konzern?

Knobel Natürlich gibt es da auch klare Unterschiede. Aber da, wo es Gemeinsamkeiten gibt, macht es auch Sinn, auf unsere Managementerfahrung zurückzugreifen.

Zum Beispiel?

Knobel Von den Grundregeln und von den Aufgabengebieten her ist es durchaus ähnlich: Der Aufsichtsrat setzt den Vorstand ein und kontrolliert ihn. Was man jetzt an Positivem im sportlichen Bereich sieht, ist das Verdienst des Vorstands, des Trainer- und Funktionsteams.

Aber wenn Sie nun feststellen, dass Fortuna eine gute Mischung aus Leih- und Kaufspielern hat, geht das nicht über diese Rolle hinaus?

Ernst Das ist jetzt nicht ganz fair, Sie haben die Frage gestellt, dann sollen Sie auch eine Antwort bekommen. Aber es ist der Vorstand, der diese Richtlinien vorgibt, da mischen wir uns nicht ein. Nicht in die Aufstellung und nicht in Spielverpflichtungen. Aber wir prüfen Konzepte darauf, ob sie plausibel sind.

Wie schwierig ist es, so viele Alphatiere in einem Aufsichtsrat zu bündeln? Beneiden Sie Trainer Friedhelm Funkel um die läppische Aufgabe, aus 24 Spielern ein Team zu formen?

Ernst Herr Funkel hat ganz klar die deutlich schwierigere Aufgabe, um das einmal ganz klar zu sagen.

In der Vergangenheit hatte man allerdings häufig das Gefühl, der Aufsichtsrat sei schwieriger zu führen als die Mannschaft.

Knobel Als sich der Aufsichtsrat vor gut drei Jahren neu aufgestellt hat, gab es auch signifikante personelle Veränderungen. Da gab es sicher erstmal ein Rütteln, es hat eine gewisse Zeit gebraucht, weil auch andere Strukturen im Verein verändert wurden.

Sind Vorstand und Aufsichtsrat jetzt bundesligareif aufgestellt?

Ernst In der Aufstellung, in der wir jetzt sind, sind wir auch auf höhere Aufgaben vorbereitet. Wir sind mit der Arbeit des Vorstands sehr zufrieden.

Wobei sich die Zusammensetzung des Aufsichtsrats durch die Wahlen auf der Mitgliederversammlung am 12. November wieder ändern wird.

Ernst Wir vertrauen darauf, dass die Mitglieder gute Entscheidungen treffen, dann werden wir im Aufsichtsrat auch in geänderter Zusammensetzung gut zusammenarbeiten. Wir sind so oder so gut vorbereitet. Ich möchte nie wieder den Satz hören: "Der Aufstieg kommt zu früh." Dafür arbeiten wir hart.

Knobel Wir ruhen uns nicht auf dem aktuellen Erfolg aus und sagen: Jetzt läuft ja alles vernünftig. Das wäre sicherlich der falsche Ansatz.

Was sagen Sie zu den immer wieder auftauchenden Gerüchten, Robert Schäfer bereite angeblich vor, eine Profigesellschaft auszugliedern?

Ernst Das wird es bei Fortuna nicht geben. Das gehörte zu den Themen, die wir mit Robert Schäfer von Anfang an besprochen haben. Er hat gleich gesagt: Das sehe ich genauso.

Knobel Das sehen bei uns alle so. Das ist eine Grundvoraussetzung.

Woher kommt es dann, dass das Thema immer wieder hochkocht?

Ernst Das ist wahrscheinlich ein Reflex, weil so etwas bei anderen Vereinen gesehen wird. Häufig bei Vereinen, die finanziell nicht erfolgreich gearbeitet haben und nun die Hilfe eines Investors suchen. Wir glauben fest daran, den Verein aus eigener Kraft voranzubringen.

Wo sehen Sie Fortuna in Zukunft?

Knobel Mittelfristig auf jeden Fall in der ersten Bundesliga.

Aber Sie haben sieben Punkte Vorsprung. Müssen Sie sich da nicht jetzt schon mit dem Thema beschäftigen?

Knobel Wir hatten in der Vorsaison neun Punkte auf die Abstiegszone, und die sind innerhalb einer einzigen Englischen Woche fast weggeschmolzen. Deshalb ändert sich jetzt nichts an unserer Zielsetzung.

Würden Sie denn unterschreiben, wenn Ihnen jetzt jemand Platz sechs in der Abschlusstabelle anböte?

Ernst Nein, und das müssen wir ja auch nicht.

Aber sagen Sie doch bitte mal ganz konkret, was sich noch ändern muss.

Ernst Natürlich müssen wir die Einnahmenseite noch verbessern. Beim Stadion müssen wir zudem auch optisch präsenter sein. Wir sind der Stadt sehr dankbar, dass sie sich in diesen Themen sehr offen gezeigt hat. Aber auch Sponsoring-Einnahmen, Merchandising und Transfererlöse. Da sind wir auf dem Weg.

Die Suche nach einem Trikotsponsor hat lange gedauert. Warum ist Orthomol nur für ein Jahr eingestiegen?

Knobel Orthomol ist auf diesem Sektor völlig neu eingestiegen. Die Firma wollte erst einmal sehen, ob das Thema Sport insgesamt passt.Beide Seiten sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden.

Gibt es jetzt, wo Fortuna erfolgreicher spielt, schon neue Interessenten?

Knobel Ein konkretes Beispiel ist die Verpflichtung von Takashi Usami, bei der sich ein Sponsor intensiv eingebracht hat.

Ernst Das Ganze geht nicht von heute auf morgen, wir müssen Vertrauen ja erst wieder aufbauen.

Kommt denn Bewegung in das Thema Namenssponsor für die Arena?

Knobel Das ist nicht unser Thema, das liegt bei der Stadt.

Fänden Sie es denn charmant, wenn Ihre Spielstätte wieder Rheinstadion hieße? Das ist keine Fangfrage.

Ernst Doch.

Damit unsere Leser mal eine konkrete Vorstellung von Ihrer Arbeit bekommen: Wie oft telefoniert Reinhold Ernst mit Robert Schäfer?

Ernst Täglich.

Das ist aber mehr als bei einem Wirtschaftskonzern, oder?

Knobel Das kommt immer auf das Unternehmen an. Ich kenne Aufsichtsratsvorsitzende, die täglich in ihren Unternehmen sind. Bei uns gibt es einen Personal- und einen Finanzausschuss, damit wir gezielt und effizient arbeiten können.

Sie sind beim Weltkonzern Henkel im Vorstand. Warum geben Sie sich die Arbeit bei Fortuna noch?

Knobel Weil Fußball meine Leidenschaft ist, seit ich sechs Jahre alt bin. Ich empfinde mein Mandat überhaupt nicht als zusätzliche Belastung.

Aber Sie haben nicht wie Reinhold Ernst die Fortuna schon mit der Muttermilch aufgesogen.

Knobel Das nicht, aber als mein Sohn in Hilden in der Jugend spielte, habe ich auch gern als Betreuer oder Schiedsrichter geholfen. Fortuna ist für mich aber auch schon 22 Jahre präsent, seit ich hier lebe. Da hat sich eine Beziehung aufgebaut, zudem hat Albrecht Woeste (früherer Vorsitzender des Henkel-Gesellschafterausschusses und aktueller Aufsichtsrat bei Fortuna, d. Red.) immer viel Herzblut für den Verein aufgebracht – und mit ihm habe ich mich intensiv ausgetauscht.

Wie viel Zeit investieren Sie beide in Fortuna?

Knobel Wenn ich anfangen würde, das aufzuschreiben, hätte ich mich schon verabschiedet.

Ernst Mir geht es ebenso. Ich wollte nicht zusehen, wie mein Verein sich weiter im Abwärtsstrudel befindet. Es war klar, dass das neben Beruf und Familie eine große Herausforderung ist, aber ich wollte aktiv helfen. Wir sind mit dem Herzen und als Fans voll dabei. Ich weiß noch, wie die Bratwurst in Bocholt in der Oberliga geschmeckt hat. Sehr viel Zeit investieren wir auch in den Austausch mit Fans, wir gehen auf die Leute zu.

Muss ein Aufsichtsratsmitglied Fan-Liebling sein?

Ernst Er sollte einen Draht zu den Fans haben, ein Ohr für sie und ein Gespür für ihre Anliegen.

Muss er sportliche Kompetenz besitzen?

Ernst Sie hilft sicherlich, ist aber keine zwingende Voraussetzung.

Knobel Die sportliche Kompetenz muss im Vorstand sein, und wir haben dafür zu sorgen, dass es sie dort gibt.

Muss man also keinen ehemaligen Sportstar im Gremium haben?

Ernst Das kommt natürlich ganz auf die Person an. Es gibt Vereine, da äußern sich Aufsichtsräte zu Aufstellungen und und beeinflussen den Sportdirektor bei Transfergeschäften. Das aber ist nicht Aufgabe des Aufsichtsrats.

Schmerzt es sie nicht, wenn Sie hart arbeiten, und dann kommt irgendwann jemand mit dem großen Geld und zieht an Ihnen vorbei?

Ernst Nein, wir sehen das als positive Herausforderung. Man kann erfolgreich sein, ohne dem letzten Grad der Kommerzialisierung hinterherzulaufen. Wir brauchen bei Fortuna keine kommerzielle Halbzeitshow oder ein "die letzten 10 Minuten präsentiert Ihnen".

Braucht Fortuna einen Sportdirektor?

Ernst Mit unserer aktuellen sportlichen Aufstellung sind wir erfolgreich, da passt Vieles gut zusammen. Wir werden dazu mit dem Vorstand aber natürlich weiter in enger Abstimmung bleiben.

Ist Jörg Schmadtke ein Kandidat für den Sportdirektor-Posten?

Ernst Noch einmal: Wir fühlen uns im Moment gut aufgestellt. Daher denken wir aktuell auch nicht über bestimmte Personen nach.

Dank des aktuellen Erfolges ist es sehr ruhig im Verein geworden. Erwarten Sie auch eine ruhige Mitgliederversammlung?

Ernst Ich glaube, dass wir selbstbewusst in diese Versammlung gehen können. Wir werden uns dort unserer Verantwortung stellen.

Knobel Das ist ja das Gute an der Demokratie, in der wir leben: Wenn jemand meint, dass wir unseren Job nicht gut genug machen, oder dass sie es besser könnten, dann ist es legitim, dass man sich auf einer solchen Versammlung äußert. So lange das über Fakten und nicht polemisch geschieht, ist das absolut in Ordnung.

Möchten Sie, Herr Knobel, irgendwann die Nummer eins sein?

Knobel Nein. Daran habe ich keinerlei Interesse, denn Reinhold Ernst und ich harmonieren bestens. Für uns beide sind nicht Personen wichtig, sondern das Wohl des Vereins.

Das Gespräch führten JESSICA BALLEER, MICHAEL BRÖCKER, GIANNI COSTA UND BERND JOLITZ.

 
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