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Fortuna Düsseldorf
Bellinghausen: "Kein Mensch hat Bock auf die dritte Liga"

Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer
Porträt : Axel Bellinghausen: Fortuna Düsseldorfs Rückkehrer FOTO: dpa, Jonas Güttler
Düsseldorf. Fortunas Mittelfeldspieler (32) über das richtungweisende Zweitligaspiel am Freitag (18.30 Uhr/Live-Ticker) beim MSV Duisburg, die Rolle der Fans im Kampf um den Klassenerhalt und die Qualitäten von Trainer Friedhelm Funkel.

Wir treffen uns im äußersten Norden Düsseldorfs, an der Stadtgrenze zu Duisburg. Fortunas kämpferischer Anführer Axel Bellinghausen hat den Ort selbst vorgeschlagen – zur Einstimmung.  Am Freitagabend spielt der 32-Jährige mit den Düsseldorfern beim Zweitliga-Schlusslicht MSV Duisburg um drei ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.

Ein paar Kilometer weiter da vorn geht es am Freitag rund. Sind Sie schon aufgeregt?

Axel Bellinghausen Ich empfinde eher Vorfreude, eine große Vorfreude. Die Hütte wird voll sein, vor allem mit Tausenden von Düsseldorfern, es ist ein Flutlichtspiel, es geht um sehr viel. Der Tisch ist gedeckt.

Manch einer würde angesichts der Ausgangslage von Druck sprechen. Sie nicht?

Bellinghausen Wir fühlen uns nicht mehr unter Druck als sonst auch, das wäre auch fehl am Platz. Natürlich sind wir uns der Bedeutung des Spiels bewusst, aber man darf das nicht in den Rucksack packen und mitschleppen. Dann wird das nichts.

Im Gegensatz zum MSV hat Fortuna es noch absolut selbst in der Hand, die Klasse zu halten. Welche Bedeutung hat dieser Faktor?

Bellinghausen Eine enorm große. Egal, wie schlecht die Saison insgesamt für uns gelaufen sein mag: Diese Position, alles in der eigenen Hand zu haben, haben wir uns immerhin erarbeitet. Und wir werden sie mit Haut und Haaren verteidigen. Es macht die Sache schließlich nicht einfacher für den MSV, dass er gegen uns nach einem Strohhalm greifen muss.

Die jüngsten Heimspiele waren gegen die Spitzenklubs Leipzig und Pauli. Ist die Umstellung auf zwei abstiegsgefährdete Gegner schwierig?

Bellinghausen Die Gegner dürfen für uns gar keine Rolle spielen! Interessant daran ist für Freitag nur, dass wir uns absolut im Klaren darüber sind, dass wir einen starken Gegner haben werden. Stark allein schon deshalb, weil er restlos alles in die Waagschale werfen wird. Deshalb müssen wir mindestens genauso konzentriert sein wie gegen Pauli.

Sie haben es angesprochen: Es werden rund 7000 Fortuna-Fans in Duisburg sein. Hilft Ihnen das?

Bellinghausen Sie glauben gar nicht, wie sehr das hilft. Was hier rund um die Fortuna abgeht, ist einfach phänomenal. Die Fans honorieren, dass wir sportlich wieder besser in der Spur sind - auch wenn sich das ergebnismäßig noch nicht zufriedenstellend ausdrückt.

Wie in Fürth, zum Beispiel?

Bellinghausen Genau. Als wir nach dem Spiel mit einer 1:3-Niederlage im Gepäck zum Gästeblock gingen, reckten unsere Anhänger die Fäuste nach oben. Nicht um uns zu drohen, nein, sie forderten uns auf, es ihnen nachzutun, als Zeichen des Kampfgeists. Dann haben alle gesungen: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber die Fortuna nicht." Das war einer dieser Gänsehaut-Momente, auf die man sich noch Jahre später zurückbesinnt.

Fans haben also echten Einfluss?

Bellinghausen Auf jeden Fall. Ich behaupte, wir hätten gegen Kaiserslautern nicht 4:3 gewonnen, wenn die Zuschauer nach unserer verspielten 3:1-Führung gepfiffen hätten. Stattdessen sind fast alle im Stadion nach dem Ausgleich der Lauterer aufgestanden und haben uns nach vorn gepeitscht. Wahnsinn.

Das war nicht immer so bei Fortuna.

Bellinghausen Nein, und es gab ja nun auch wirklich Spiele, in denen man uns zu Recht ausgepfiffen hat. Aber jetzt gibt eben jeder alles, wir auf dem Rasen und die Fans auf den Rängen. Ganz ehrlich: Kein Mensch hat Bock auf die dritte Liga.

Ihr Trainer Friedhelm Funkel ganz sicher auch nicht. Was hat er bislang richtig gemacht?

Bellinghausen Eine ganze Menge. Zum Beispiel hat er die Fähigkeit, die richtigen Knöpfe zu drücken. Erst bei der Mannschaft als Ganzes, dann bei der Mobilisierung des Umfelds, dann bei einzelnen Spielern.

Und er hat ein paar erfahrene Spieler zurück ins Team geholt.

Bellinghausen Ja, aber nicht nur das. Klar haben Oliver Fink und Adam Bodzek uns gut getan. Aber als beide gegen St. Pauli fehlten, haben Christian Gartner und Marcel Sobottka ihre Sache super gemacht - und die sind beide erst 22. Egal, wem der Trainer Verantwortung überträgt, derjenige nimmt sie auch an. Dadurch haben wir zum ersten Mal in dieser Saison eine gewisse Konstanz. Noch nicht in den Ergebnissen, aber vom Auftreten her. Das ist schon mal eine beruhigende Erkenntnis.

Sie sind nun auch schon ein paar Tage im Geschäft. Haben Sie eine so schwierige Lage schon erlebt?

Bellinghausen In Kaiserslautern 2008 war es noch viel brenzliger. Da hatten wir acht Punkte Rückstand aufs rettende Ufer und retteten uns am letzten Spieltag. Diesmal wollen wir das früher erledigen.

BERND JOLITZ FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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