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Fortuna Düsseldorf
Das Phänomen Axel Bellinghausen

Fortuna Düsseldorf: Das Phänomen Axel Bellinghausen
Axel Bellinghausen humpelt gegen Frankfurt vom Feld und fällt mit einem Muskelfaserriss im letzten Saisonspiel bei Eintracht Braunschweig aus. FOTO: Homü
Düsseldorf. Die spielerischen Defizite treiben manch einen Zuschauer zur Verzweiflung, doch die Fans lieben ihn. Er ist der einzige Spieler der Fortuna, dessen Vertrag verlängert wurde. Von Thomas Schulze

Bei der ersten gelungenen Offensivaktion der Fortuna über die linke Angriffsseite landete der Ball im Nirwana. Axel Bellinghausen hatte sich mit großer Wucht durchgesetzt, doch mit der völlig missratenen Hereingabe machte er die Möglichkeit selbst zunichte. Typisch "Bello", wie ihn die Mitspieler nennen.

"Bello" ist ein Beißer. Das Magazin "Elf Freunde" nannte ihn den vielleicht letzten Grasfresser der Liga. Beim 1:0-Sieg humpelte er in der 79. Minute völlig ausgepumpt vom Platz - Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel, das Saisonaus. "Der Einstellung der Truppe ist Respekt zu zollen", sagte Bellinghausen. "Das erlebt man in solch einer schwierigen Situation auch nicht alle Tage, und auch nicht in jeder Mannschaft, dass alle sich dermaßen die Backen zusammenkneifen."

Seine Leistung war eigentlich wie so oft. Für Fußball-Ästheten nur schwer erträgliche Aktionen wechselten sich mit von unbändigem Kampfgeist geprägten Szenen ab. Dass über erstere ohne Unmutsbekundungen großzügig hinweg gesehen wird, letztere aber Jubelstürme auf den Rängen entfachen, verwundert den Blondschopf nicht: "Ich glaube, die Menschen in der Kurve merken, dass ich an jedem Wochenende richtig Bock habe, Fußball zu spielen. Dass ich, wenn es mal schlecht läuft, mir zumindest den Hintern aufreiße. Das habe ich so gelernt."

Sein größter Lehrmeister war sein im vergangenen Jahr verstorbener Vater. Er war sein großes Vorbild, was die Mentalität betrifft. "Er hat mir immer gesagt: Junge, wenn du scheiße spielst, dann kannst du immer noch laufen und kämpfen. Das geht immer. Und da hat er Recht."

Aber sein Vater war nicht nur Vorbild für ihn, sondern auch sein größter Förderer. Jahrelang hat der Konditor, der nachts aufstehen musste, um zu arbeiten, dann nachmittags den Filius vier-, fünfmal pro Woche nach Düsseldorf gefahren - 90 Kilometer hin und 90 zurück. Einsatz hat er so auf eindrucksvolle Weise vorgelebt.

Axel Bellinghausen, der am Dienstag 33 Jahre alt wird, hat weitaus talentiertere Spieler weit hinter sich gelassen und sogar 58 Erstligaspiele absolviert. Die Fans in Düsseldorf lieben ihn aber nicht nur wegen seiner Einstellung, sondern auch, weil er schon 2002 in der Oberliga für die Fortuna gespielt hat und so das letzte sportlich aktive Urgestein der Flingerner ist. Deshalb wurde auch der Vertrag mit der Identifikationsfigur noch einmal verlängert - als einzigem Spieler.

In Braunschweig wird er fehlen, doch die Einstellung lebt er den Kameraden vor: "Dort haben wir beim Anpfiff einen Punkt Vorsprung. Den werden wir mit Zähnen und Klauen verteidigen."

Quelle: RP
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