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Fortuna Düsseldorf
Der lustige Herr Reitmaier

Fortuna Düsseldorf: Der lustige Claus Reitmaier
Fortunas neuer Torwarttrainer Claus Reitmaier. FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Der langjährige Bundesligaprofi ist neuer Torwarttrainer bei der Fortuna. Bei dem Zweitligisten sollen die Torhüter von der Erfahrung des 52-Jährigen profitieren. Von Matthias Goergens

Claus Reitmaier sieht von weitem immer irgendwie traurig aus. Ist er aber gar nicht. "Ich freue mich total, das ist für mich eine Riesensache", sagt der neue Torwarttrainer Fortunas beim Näherkommen. Begleitet von einem strahlenden Lachen, mit dem man allein Spiele gewinnen könnte. Da wirkt er ganz anders als bei der Trainingsarbeit, wenn den 52-Jährigen die Zeichen der Zeit im Gesicht manchmal ein bisschen trauriger wirken lassen - und viel ernster, als er ist.

Diese Freude über den neuen Arbeitsplatz hatte sein jetziger Chef Friedhelm Funkel mit einem Anruf und einem persönlichen Gespräch ausgelöst: "Friedhelm hat mich gefragt, ob ich mir den Job zutrauen würde. Für mich gab es da keinen Zweifel: Wenn Friedhelm auch Ja sagt, wollte ich hier sein. Und da stehe ich jetzt."

Im Tor meistens – oder besser gesagt daneben. Als ständiger Begleiter, Förderer und Forderer von Michael Rensing und Lars Unnerstall. "Beide sind Klasse-Torhüter, beide können noch viel dazu lernen." Wie bitte, beide? Rensing bringt als 32-Jähriger schon einiges an Klasse und Erfahrung mit. "Na und?", fragt Reitmaier zurück und grinst, "damit ist er doch noch ein junger Spund."

Mit 49 noch in der Oberliga

Der Mann mit dem etwas zotteligen schwarzen Haar hat gut Lachen. Fußball und Alter haben bei ihm funktioniert. Als 40-Jähriger stand er noch für Bundesligist Borussia Mönchengladbach im Tor und war damit drittältester bisher im Oberhaus eingesetzter Torhüter nach Uli Stein und Toni Schumacher. Dass er noch mit 42 in der norwegischen Liga und mit 49 bei einem deutschen Oberligisten spielte, war die Bonusrunde einer wünschenswert klassischen Profikarriere.

Dass der Neu-Fortune zuvor Fan von Borussia Mönchengladbach war, mag ihm der Düsseldorfer sicher glatt verzeihen. Denn: "Mit der Fortuna habe ich auch immer sympathisiert." Er sagt es und scheint sich selbst damit zu überraschen. "Warum auch immer, ich weiß es nicht." Da waren "die Allofs-Brüder, Jörg Daniel im Tor, Fortuna war damals erfolgreich, da habe ich immer auch drauf geschaut". Als er im Herbst seiner Karriere für die Borussia spielte und in Mönchengladbach wohnte, habe er sich am Rhein immer am wohlsten gefühlt. "Ich habe in sämtlichen Himmelsrichtungen Deutschlands gewohnt, und am besten hat es mir hier gefallen."

Claus Reitmaier hat es nie bis ganz nach oben geschafft, auch wenn er im Europapokal oder DFB-Pokal zum Einsatz kam. Beim VfL Wolfsburg (163 Spiele) oder Karlsruher SC (130) war eben nicht mehr drin als "Grauer-Maus"-Fußball, solides Handwerk zwischen Alustangen. Darauf verstand sich Reitmaier stets. Schließlich kann seine Karriere auch ohne große Titel als erfolgreich bezeichnet werden. Was seine entspannte Freundlichkeit ebenso unterstreicht wie sein Lebensansatz nach der Zeit als Aktiver. Zuletzt war er als Torwarttrainer beim SC Paderborn aufgetaucht. Das war vor zwei Jahren. Was er seitdem gemacht hat? "Nichts."

Papa seit acht Monaten

Naja, das so stehen zu lassen, wäre etwas unfair. In Paderborn hat er sich immerhin um seine Familie gekümmert, vor acht Monaten ist er zum zweiten Mal Vater geworden. "So ein kleines Kind, da haste schon einiges zu tun." Mit über 50 hatte er sich ein zweites Mal die Vaterrolle zugetraut, und sie scheint ihn noch erfahrener gemacht zu haben als manche Glanzparade. Von diesem Gesamtpaket an Wissen und Weisheit sollen nun Rensing und auch Unnerstall profitieren – wenn sich Letzterer zum Bleiben entscheidet. "Wenn er bleibt, freue ich mich riesig."

Das nimmt man ihm ab. Nicht nur, weil er dabei sein gewinnendes Lächeln aufsetzt. Sondern weil er gleichzeitig den Willen ausstrahlt, "seine" Torhüter besser machen zu wollen. Unnerstall könnte davon profitieren: "Wer sagt, er ist fertig und will auf dem Stand bleiben, macht Schritte rückwärts." Man merkt Reitmaier an, dass er richtig Bock hat. Die vermeintliche Traurigkeit täuscht – und wird schnell von einem strahlenden Lächeln weggewischt.

Quelle: RP
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