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Fortuna beim Aufsteiger
Die Stärken und Schwächen der Würzburger Kickers

Fortuna Düsseldorf: Die Stärken und Schwächen der Würzburger Kickers
Aufsteiger Würzburger Kickers mischt die 2. Bundesliga auf. FOTO: dpa, dka
Düsseldorf. Fortuna Düsseldorf spielt am Sonntag (13.30 Uhr/Live-Ticker) bei den Würzburger Kickers. Der Aufsteiger sorgt in der 2. Bundesliga fernab des Tabellenkellers für Furore. Doch in Unterfranken läuft auch nicht alles glatt. Wir haben genau hingeguckt. Von Jan Dobrick

Die Kickers mischen die 2. Bundesliga auf. Platz acht, 22 Punkte – selbst ausgesprochene Optimisten hätten vor der Saison nicht gelaubt, dass das mit dem Emporkömmling möglich ist. Die Hauptdarsteller um Chefcoach Bernd "Holleraxt" Hollerbach scheinen ihr Saisonziel, den Klassenerhalt, nach oben hin zu verfehlen. Aber warum?

  • Stärken

Der Trainer und die Variabilität Bernd Hollerbach, gelernter Metzger und ehmaliger Bundesliga-Kicker, ist der Architekt des Fußballwunders. Seit der gebürtige Würzburger im Sommer 2014 das Ruder übernommen hat, führt er mit der Mannschaft einen erstaunlichen Weg fort: Von 2011 an ging es von der Landesliga in die 2. Bundesliga. Hollerbach ist bodenständig, leidenschaftlich und hat von Mentor Felix Magath anscheinend gelernt, wie man mit Medizinbällen umgeht.

Die Erfolgsformel: Einsatz, Fleiß, unbedingter Wille und eine Finanzspritze ergeben einen mehr als passablen Zweitligisten, der gar nicht mehr sein will. Noch nicht. Die Würzburger sind als Mannschaft erfolgreich, keine nimmt sich zu wichtig, die Kompetenzen sind klar verteilt. Hollerbach hat bisher sieben Systeme spielen lassen, war zuletzt dreimal mit einer Dreierkette in der Abwehr nicht zu schlagen. Wenn es der Klub nicht schaffen sollte, der Trainer wird wohl definitiv irgendwann aufsteigen.

Der Linksaußen Nejmeddin Daghfous zählt mit Marc Schnatterer (Heidenheim) und Kevin Möhwald (Nürnberg) zu den besten Vorlagengebern der 2. Bundesliga. Sieben Assists hat der 30-Jährige bislang gesammelt, einmal traf er selbst – per Schlenzer in den Bielefelder Winkel. Lohn für die starken Leistungen: eine Nominierung für das tunesische Nationalteam. Daghfous, der 2011 sogar mal für einige Monate vereinslos war, ist das personifizierte Fußball-Märchen. Würzburgs Nummer 10 ist im Dribbling gut und schießt gefährliche Standards. Er darf für seine Kabinettstückchen keinen Millimeter Platz bekommen.

Die Abwehr Die Kickers verteidigen ihr Tor mit Klauen und Zähnen. Vor Torwart Robert Wulnikowski bauen sich David Pisot, Sebastian Neumann und Junior Diaz auf. 15 Gegentore nach 14 Spieltagen bedeuten den fünftbesten Wert der Liga. Allerdings: Die Fortunen (14) stehen in der Defensive noch etwas sicherer. Bei fünf von sechs Siegen haben die Kickers zu Null gespielt.

  • Schwächen

Der Sturm 19 Tore aus 14 Partien sind eine ganz ordentliche Quote. Immerhin neun Mannschaften durften jedoch häufiger jubeln. In sieben Heimspielen fielen sieben Treffer, das ist mau. Einen Angreifer sollten die Düsseldorfer allerdings im Auge behalten: Elia Soriano war bislang fünfmal erfolgreich, zuletzt beim 2:2 im Derby beim 1. FC Nürnberg (13. Spieltag). Bei den Würzburgern verteilen sich die Treffer auf Sturm (5), Mittelfeld (6) und Abwehr (6), dazu kommen zwei Eigentore.

Die fehlende Power von der Bank Bei den Kickers haben nur 14 Spieler acht oder mehr Einsätze auf dem Konto. Bisher gelang dem Liga-Neuling ein einziger Joker-Treffer durch Felix Müller. Zum Vergleich: Bei Fortuna trafen in Arianit Ferati, Axel Bellinghausen, Robin Bormuth und Jerome Kiesewetter gleich vier Einwechselspieler. 41 Wechsel von Würzburg-Trainer Hollerbach haben gerade einmal zu fünf Torbeteiligungen geführt. Dem Kader fehlt es an Tiefe, was bei einem Aufsteiger nicht verwunderlich ist. Nach einem Rückstand gelang übrigens in dieser Saison kein einziger Sieg: dreimal reichte es noch zu einem Unentschieden, dreimal nicht. Ein Spiel verloren die Unterfranken trotz Führung.

Die Abhängigkeit von Einzelspielern Es gibt bei den Hausherren nur zwei Spieler, die offensiv für Alarm sorgen: Daghfous und Soriano. Kann Fortuna die beiden Leistungsträger kalt stellen, sollte das die halbe Miete sein. Bei Standards müssen die Flingerner aufpassen: Acht Tore erzielte Würzburg nach ruhendem Ball.

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