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Fortuna Düsseldorf
Druck auf Fortunas Führung steigt

Das ist Rachid Azzouzi
Das ist Rachid Azzouzi FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Der erneute Trainerwechsel hat besonders die Position von Sportdirektor Rachid Azzouzi geschwächt. Das missglückte Experiment mit Marco Kurz kann ihn das Aufrücken in den Vorstand kosten. Von Bernd Jolitz

Am Montag gab Fortuna endlich bekannt, was seit Sonntagmittag klar ist: Friedhelm Funkel ist, zunächst nur bis zum Saisonende, neuer Cheftrainer des Zweitligisten. Mal wieder ein Neuanfang beim krisengeschüttelten Zweitligisten, der achte bereits in Sachen Trainer, seit Norbert Meier im Frühsommer 2013 nach fünfeinhalb überwiegend erfolgreichen Jahren als Coach entlassen wurde. Acht Neuanfänge sind mehr als nur einer zu viel in nicht einmal drei Jahren. Diese Politik musste zwangsläufig dazu führen, dass sich nach dem Abstieg aus der Bundesliga keine Kontinuität entwickeln konnte, geschweige denn der konsequente, erfolgversprechende Aufbau einer echten Mannschaft.

Fortuna hat in nur einer Woche einen Neun-Punkte-Vorsprung auf den Relegationsrang verspielt und ist inzwischen sogar vom direkten Abstieg in die Drittklassigkeit bedroht. Dass der am Sonntag beurlaubte Cheftrainer Marco Kurz nicht der Hauptschuldige an diesem Niedergang ist, weiß jeder, der sich in den vergangenen Jahren näher mit dem Verein beschäftigt hat. Der 46-Jährige musste den Mangel verwalten, den ihm seine sechs Vorgänger (Oliver Reck war ja zweimal als Interims- und Chefcoach tätig) und drei Manager hinterlassen hatten, und ist daran gescheitert.

Deshalb steigt nun der Druck auf Fortunas Führung, vor allem auf Sportdirektor Rachid Azzouzi und den kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Paul Jäger. Zweiterer könnte das ganz gelassen sehen, kehrt er doch in wenigen Wochen ohnehin ins zweite Glied zurück: Sobald der neue Boss Robert Schäfer sein Amt antritt, kann Jäger sich wieder dem Ressort widmen, in dem er unumstrittener Fachmann ist – den Finanzen.

Azzouzi dagegen steht voll im Wind, und das zu einem für ihn höchst unpassenden Zeitpunkt. In Kürze will der Aufsichtsrat entscheiden, ob der Vorstand – wie noch bei seinen Vorgängern Wolf Werner und Helmut Schulte üblich – um den sportlichen Manager erweitert wird. Der 45-Jährige ist ein Kandidat, allerdings nur, wenn Fortuna den Klassenerhalt schafft. Falls der Aufsichtsrat einen Manager von außen zum Sportvorstand beruft, sind Azzouzis Tage bei Fortuna gezählt.

"Ich stelle mich meiner Verantwortung", sagt der frühere Profi, "allerdings bitte ich auch um eine faire Beurteilung." Ins Detail geht er dabei nicht - Tatsache ist jedoch, dass Azzouzi lediglich die Verpflichtungen von Kerem Demirbay, Marcel Sobottka, Mike van Duinen, Nikola Djurdjic, Charis Mavrias und Alex Madlung zu verantworten hat. Mit Ausnahme van Duinens sicher nicht die Schlechtesten in diesem Flickenteppich, den Fortunas Kader darstellt. Alle übrigen Transfers waren bereits perfekt oder von Schulte und Ex-Trainer Frank Kramer – der ebenfalls vor Azzouzi in Düsseldorf war – unterschriftsreif eingestielt. Den Vorwurf, er habe es versäumt, stärkere Spieler zu holen, kontert er: "Glauben die Leute, ich hätte nicht mit Florian Niederlechner gesprochen? Oder mit Mark Uth, Elias Kachunga, Zoltan Stieber oder gar Claudio Pizarro? Habe ich getan, aber leider möchte nicht jeder kommen, dem man ein Angebot macht."

Bleibt der Fehlgriff mit Kurz, dem sich Azzouzi fraglos stellen muss. "Wir alle waren nach Gesprächen mit vielen Trainern davon überzeugt, dass Marco der Richtige ist", berichtet der Sportdirektor. "Es war damals keine Entscheidung gegen Friedhelm Funkel, den ich lange kenne und mit dem wir sehr gute Gespräche hatten, sondern für Marco Kurz." Geklappt hat es nicht, und deshalb ist Funkel jetzt nicht nur Fortunas, sondern auch Azzouzis letzte Chance.

Quelle: RP
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