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Fortuna Düsseldorf
Ein Düsseldorfer schießt Berlin nach oben

Fortuna Düsseldorf: Ein Düsseldorfer schießt Berlin nach oben
Im Sommer 2010 verließ Collin Quaner (li.) Düsseldorf. Jetzt schießt er in Berlin Tor um Tor. FOTO: afp
Düsseldorf. Ein Rheinländer sorgt in der Hauptstadt für Furore: Collin Quaner hat in der 2. Bundesliga bisher acht Tore für Union Berlin erzielt und fünf vorbereitet. Gegen Fortuna ist sein Einsatz aber gefährdet. Von Jan Dobrick

Es passierte am Mittwochabend, im Pokalspiel bei Borussia Dortmund, dem Spiel des Jahres für alle Eisernen. Quaner griff sich schon nach 36 Minuten an den rechten Oberschenkel, zeigte an, dass er ausgewechselt werden muss.

Drei Minuten später kam Philipp Hosiner für den Stürmer in die Partie. Jener Hosiner, der am bitteren Ende, nach 120 aufreibenden Minuten, den enscheidenen Elfmeter ans Aluminium nageln sollte. Der Hosiner, der im Angriff eigentlich als Stammkraft vorgesehen war, sich aber nach dem ersten Spieltag verletzte, so dass Quaner seine Chance bekam – und sie nutzte.

"Langsam wird es ein bisschen unheimlich"

Die Kicker aus Köpenick verabschiedeten sich erhobenen Hauptes aus dem Pokal. Etwa 12.000 Anhänger, eine rote Wand gegenüber der gelben, feierten ihre Fans im fremden Stadion für den aufopfernden Kampf. Trainer Jens Keller war pfauenstolz auf seine Truppe. Was Quaner anging, konnte er kein Licht ins Dunkel bringen. Man müsse eben sehen und abwarten, wie sich die Verletzung entwickeln würde.

Momentan ist immer noch nicht klar, ob es am Samstag für einen Einsatz gegen die Fortuna reicht (13 Uhr/Live-Ticker). Schon gegen St. Pauli und Nürnberg hatte der Mittelstürmer Ende September mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel gefehlt. Auch jetzt sieht es schlecht aus.

Dabei würde es dem gebürtigen Düsseldorfer sicherlich Genugtuung bereiten, seine bemerkenswerte Tor-Serie ausgerechnet gegen die Flingerner auszubauen. Im Sommer 2010 sah er unter dem damaligen Coach Norbert Meier keine Perspektive bei den Rheinländern. Der talentierte U19-Spieler verließ die Heimat und schloss sich Arminia Bielefeld an.

Es folgte eine Odyssee: Über den FC Ingolstadt, Hansa Rostock und den VfR Aalen führte der Weg des 1,91-Meter-Mannes nach Berlin. In der ersten Saison 2015/16 kam er auf magere 16 Spiele und zwei Tore. Darum überrascht die wundersame Wandlung zur Torfabrik derzeit auch ganz Fußball-Deutschland. Quaner ist plötzlich kalt wie eine Hundeschnauze. Begreifen kann er das selbst nicht so richtig.

Vier Torbeteiligungen beim Sieg gegen den Karlsruher SC

Zum 4:0 gegen den Karlsruher SC steuerte er am 4. Spieltag zwei Treffer und zwei Vorlagen bei. Das sei ein "bisschen unheimlich", befand der Angreifer in der "Berliner Zeitung", aber er genieße es einfach. Er werde nicht nur anhand seiner Tore bewertet, betonte Keller damals. Für den Coach zähle, wie Quaner "sich reinhaut und immer wieder in die Tiefe geht".

Die Verletzungspause im September brachte den 25-Jährigen nicht aus dem Rhythmus. Er verteidigte die Festung "Alte Försterei" bei seiner Rückkehr am 9. Spieltag mit einem Tor und einem Assist gegen Hannover 96. Der Mittelstürmer war erst in der 73. Minute eingewechselt worden, 120 Sekunden später klingelte es auch schon. Keller bewies ein glückliches Händchen, Quaner ein feines Füßchen.

Union Berlin ist zu Hause eine Macht

Doch Union hat noch andere gefährliche Knipser in seinen Reihen. Der Tabellenzweite hat in zehn Spielen schon 21 Tore erzielt, mehr als alle anderen Klubs im Unterhaus. Einer der Goalgetter neben Quaner hört auf den Namen Steven Skrzybski und hat bereits sechs Treffer und drei Vorlagen auf dem Konto. Skrzybski brachte die Hauptstädter beim BVB in die Verlängerung. Und der Berliner ist auch dabei, wenn es gegen Fortuna geht.

Übrigens hat nicht nur Quaner eine beeindruckende Erfolgsserie zu verteidigen, sondern auch sein Klub: Zuletzt verloren die Eisernen ein Heimspiel gegen den SC Paderborn. Das 0:2 gab es vor mehr als einem Jahr, am 24. Oktober 2015. Seitdem feierte Union elf Siege und drei Unentschieden in der "Alten Försterei", dem legendären Stadion, von Fan-Hand saniert. 2000 Mann renovierten die Arena von 2008 bis 2009 in mehr als 140.000 freiwilligen Arbeitsstunden. Kein Wunder, dass immer eine besondere, über die Landesgrenzen hinaus berühmte Stimmung herrscht, wenn die Berliner auflaufen.

Fortuna braucht Geschick und im Vergleich zum 1:6 in Hannover eine funktionierende Abwehr, um die Festung zu knacken. Im vergangenen Jahr gab es zum Saison-Auftakt ein 1:1 in der Hauptstadt. Didier Ya Konan traf damals kurz vor Schluss zum Ausgleich. Quaner blieb torlos.

 
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