| 17.55 Uhr

Fortuna Düsseldorf
"Endlich so ein Drecksding gewonnen"

Einzelkritik: Fortunen überzeugen im Kollektiv
Einzelkritik: Fortunen überzeugen im Kollektiv FOTO: dpa, pse jai
Düsseldorf. Das hätten vor der Partie nur ganz wenige für möglich gehalten: Fortuna Düsseldorf gewinnt beim Aufstiegsaspiranten SC Freiburg 2:1. Axel Bellinghausen spricht nach der Partie den  Fans aus der Seele.   Von Christoffer Kleindienst

Wer wissen wollte, wie wichtig dieser Dreier gegen den Zweitplatzierten war, musste sich beim Schlusspfiff nur Fortuna-Trainer Marco Kurz anschauen: Den Oberkörper bis zum Maximum überdehnt, auf den Zehenspitzen stehend, bejubelte er ausgelassen den unverhofften Auswärtserfolg seiner Mannschaft. Kurz, der sich in der Öffentlichkeit sehr ruhig präsentiert, fiel in dieser Sekunde ein gigantischer Stein vom Herzen. 

Vor der Partie hatte der Coach selbstbewusst gesagt, dass er auf seine Mannschaft setzen würde, wenn die Quote denn gut sei. Im Anschluss an das Spiel gab er sich euphorisch: "Die Jungs haben alles reingehauen und ein tolles Auswärtsspiel gezeigt. Natürlich ist es auch so, dass man in Freiburg gewisse Momente überstehen muss. Aber unterm Strich war es von uns ein toller Auftritt. Auch gegen eine spielstarke Mannschaft wie Freiburg kann man sich seine Chancen erarbeiten."

 

Auch der meist kritische Rachid Azzouzi war durchweg zufrieden. "Die Mannschaft war nach dem Elfmeter kurz vor der Pause sauer, aber sie hat es in Aggressivität umgewandelt und einfach weiter gemacht. Das war ein extrem wichtiger Sieg, auch für das Selbstvertrauen. Jetzt können wir das heute kurz genießen", sagte der Sportdirektor – fügte aber sofort an, dass "das Spiel gegen Nürnberg schon auf uns wartet." Selbst der kommissarische Vorstandsvorsitzende Paul Jäger meldete sich zu Wort: "Ich freue mich, dass der Abstand nach hinten wächst – gleichwohl, diese Mannschaft hat das Zeug, am Ende der Saison einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen."

Den Spielern war anzumerken, dass sie in den 90 Minuten viel Aufwand betrieben hatten. "Ich bin einfach nur glücklich, dass wir gegen so eine starke Mannschaft bestanden haben. Wir haben auswärts gegen den Tabellenzweiten gewonnen, ich denke, das spricht für uns. Das ist für die Zukunft die Messlatte, was Kampfgeist und Leidenschaft angeht", sagte ein erschöpfter Kerem Demirbay, während Torschütze Nikola Djurdjic ganz nüchtern analysierte: "Wir haben alle hart gearbeitet – so müssen wir weitermachen."

Am besten fing wohl Axel Bellinghausen die Emotionen der Fans ein. "Endlich ist es uns gelungen, so ein Spiel, so ein Drecksding, auch einmal zu gewinnen", sagte der Routinier, der den Handelfmeter kurz vor der Halbzeit verschuldet hatte: "Es war ganz wichtig, dass wir uns endlich auch einmal belohnt haben. Ich weiß nicht, wie viele Tore wir in der Hinserie saudämlich gefressen haben – heute war das scheißegal, als Sercis Bombe auf das Tor zuflog." Sercan Sararer war es nämlich, der letztlich für den entscheidenden 2:1-Treffer sorgte – sein Schuss aus 25 Metern Mitte der zweiten Halbzeit wurde unhaltbar abgefälscht. Zuvor hatten Djurdjic für die Fortuna und Vincenzo Grifo für die Gastgeber getroffen.

Euphorie auf der einen Seite, Enttäuschung auf der anderen: Freiburgs Trainer Christian Streich wirkte nach dem Spiel angefressen. Es seien einige Spieler auf dem Platz gewesen, die einen schwachen Tag hatten, sagte der Coach. "Das ist schade und dann bekommt man auch als Mannschaft nicht mehr hin. Im Passspiel waren wir nicht genau genug und haben zu viele schlechte Bälle gespielt. Einige Spieler, die eigentlich bessere Leistungen bringen, waren dadurch auch verunsichert. Dabei fand ich nicht, dass es uns besonders schwer gemacht wurde." 

Besonders frustriert war er über die Chancenverwertung seines Teams: "Außerdem hatten wir auch unsere Chancen. Wenn wir davon eine nutzen, gehen wir in Führung. So bekommen wir durch einen abgefälschten Schuss das 1:2 und verlieren das Spiel." Die gute Stimmung bei den Fortunen konnten diese Aussagen nicht trüben – in der bisherigen Saison waren sie es, die solche Statements geprägt haben.

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+++ Lesen Sie hier die Reaktionen zum Spiel.

+++ Sehen Sie hier Nikola Djurdjics Treffer zum 1:0.

+++ Sehen Sie hier Sercan Sararers Treffer zum 2:1.

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