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Fortuna Düsseldorf
Nun ist Kurz wirklich die ärmste Sau

Das ist Marco Kurz
Das ist Marco Kurz FOTO: dpa, Fredrik von Erichsen
Düsseldorf. Marco Kurz ist bei Fortuna Düsseldorf Geschichte, der Trainer des Zweitligisten wurde am Sonntagnachmittag entlassen. Alle Beteiligten beteuern, dass den 46-Jährigen eigentlich keine Schuld trifft. Fakt ist aber: Kurz wird es schwer haben, im Profifußball wieder Fuß zu fassen.  Von Christoffer Kleindienst

In der Regionalliga Süd begann Marco Kurz im April 2005 seine zweite Karriere. Der SC Pfullendorf dürfte für den ehemaligen Bundesliga-Spieler ungewohntes Terrain gewesen sein, wählerisch war er aber nicht: Nachdem er 1860 München verlassen hatte, war er vereinslos gewesen – nun hatte er die Chance, als Spielertrainer tätig zu sein. Es war ein Job mit Perspektive. Außerdem lag der baden-württembergische Klub nur zwei Stunden Autofahrzeit von seiner Heimatstadt Stuttgart entfernt. 

Es ist gut möglich, dass Kurz – elf Jahre später – wieder dort unten anfangen muss, dieses Mal aber mit weitaus weniger Perspektive. Der ehemalige Mittelfeldmotor, der mit Borussia Dortmund die Deutsche Meisterschaft und mit dem FC Schalke den Uefa-Cup gewann, hat als Trainer in den vergangenen Jahren eine nahezu beispiellos negative Trainerkarriere hingelegt. Bei drei unterschiedlichen Vereinen blieb er nur durchschnittlich neun Spiele, jedes Mal folgte die Entlassung. 

 

Dabei fing alles so gut an: In Pfullendorf wies er als Spielertrainer einen respektablen Schnitt von 1,44 Punkten auf und sicherte dem Team den Klassenerhalt, nach 23 Spielen klassischem Cheftrainer-Daseins wurde er dann vom Ligakonkurrenten 1860 München II abgeworben. Schneller als gedacht folgte der Aufstieg in die erste Mannschaft, für den etatmäßigen Coach Walter Schachner musste ein Nachfolger gefunden werden. So hatte es Kurz geschafft, innerhalb von zwei Jahren wieder in die Bundesliga zu kommen. 

Erst in seiner dritten Saison wurde er bei den Münchnern entlassen – als Trainer in der 2. Bundesliga darf das als Erfolg gewertet werden. Zur Saison 2009/2010 nahm dann seine Karriere richtig an Fahrt auf, mit dem 1. FC Kaiserslautern eilte er von Sieg zu Sieg: Der Erfolg über Bayer Leverkusen im DFB-Pokal, ein souveräner Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse und ein überragender siebter Tabellenplatz in der Rückehrer-Saison waren dicke Ausrufezeichen in Kurz' Trainer-Vita. Als Fußballtrainer ist ein Engagement bei einem Verein aber aus natürlichen Gründen befristet, sein Rausschmiss folgte am 26. Spieltag der Spielzeit 2011/12, Kurz hatte mit seiner Mannschaft 17 Spiele lang keinen Sieg mehr gefeiert. Der Aufstiegsheld war auf dem Boden der Tatsachen angekommen. 

Ob Kurz noch häufiger an den 22. Oktober 2011 denkt, ist unbekannt. Es kann als Ende seines Aufstiegs interepretiert werden. Damals feierte Kaiserslautern gegen den SC Freiburg den zweiten Ligasieg in Folge, in den kommenden 43 Ligapartien folgten nur drei weitere, innerhalb von 53 Monaten konnte er sich seine Pflichtspielsiege in der Liga wortwörtlich an einer Hand abzählen. Nach dem FCK-Engagement folgte ein Grusel-Triple noch nicht da gewesener Art: Bei der TSG Hoffenheim wurde er mit einem Durchschnitt von 0,80 Punkten binnen zehn Spielen entlassen, Zweitligist FC Ingolstadt gab ihm elf Partien (0,91 Punkte) und bei der Fortuna scheiterte er nach sieben Spielen und nur 0,57 Punkten. 

Diese Statistik lädt zur Häme ein, es ist aber vor allem ein berufliches Waterloo. Bereits vor seiner Zeit in Düsseldorf war er zweieinhalb Jahre vereinslos. "Es bringt einen absolut weiter. Man versucht, die Zeit aufzuarbeiten", sagte der Coach bei seiner Präsentation am Anfang des Jahres diplomatisch: "Man versucht, dann auch einen Haken dahinter zu machen. Ich hatte die Möglichkeit, erste und zweite Liga zu schauen. Auch Jugendfußball. Ich habe mir auch im deutschsprachigen Fußball Spiele angeschaut – also kunterbunt." Wahrscheinlich ist, dass keine passenden Angebote aus lukrativen Ligen kamen. Interessant ist allerdings, warum er sich dann ausgerechnet die Fortuna antat. Zwar wird der Klub gerne als schlafender Riese betitelt, derzeit schlummert aber weitaus weniger Potential als dass Chaos herrscht. 

"Marco Kurz ist für mich die ärmste Sau. Er bringt alles ein, aber die Mannschaft bringt es nicht auf den Platz", sagte Sportdirektor Rachid Azzouzi einen Tag vor der Kurz-Entlassung nach der 0:1-Pleite in Sandhausen. Kein Trainer verspricht demnach derzeit Besserung bei den Fortunen, Kurz war nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Für die Zukunft wird diese Situation auch wieder drohen: Der 46-Jährige wird im Profifußball wohl vorerst keine Angebote mehr bekommen, er wird nehmen müssen, was er bekommt. So brutal es klingen mag: Ein Neustart in der Regionalliga wäre keine schlechte Sache.

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