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Fortuna Düsseldorf
Fans nehmen die neue Fortuna an

Fortuna ist bereit für den KSC
Fortuna ist bereit für den KSC FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC (13 Uhr/Live-Ticker) steht Fortuna im Mittelfeld der 2. Bundesliga. Früher hätte das zu Unmuts-Bekundungen auf den Rängen und im Umfeld geführt, jetzt wird das Team voll unterstützt. Die Gründe für den Wandel. Von Bernd Jolitz

Abpfiff im Eintracht-Stadion von Braunschweig. Fortuna Düsseldorf hat das Zweitligaspiel 1:2 verloren, nach dem 0:2 in Heidenheim eine Woche zuvor ist es die zweite Auswärtsniederlage in Folge. Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel bleibt damit als Tabellenachter im Mittelfeld der Zweiten Liga.

Bei den traditionell gehobenen Ansprüchen in der Landeshauptstadt hätten beide Faktoren früher zumindest ein Murren hervorgerufen – in Braunschweig jedoch fordern die 1000 mitgereisten Fans ihre Mannschaft lautstark auf, zu ihnen in die Kurve zu kommen. Dort ernten sie großen Beifall und tröstende Gesänge, was sich später in den sozialen Medien fortsetzt. Statt Häme, Bitterkeit oder Untergangs-Szenarien findet man dort große Zustimmung zum Kurs des Vereins, aufmunternde und zuversichtliche Worte. Kritiker bleiben klar in der Unterzahl und beziehen sich dann zumeist auf Details.

Natürlich war ein Anlass für die positive Reaktion, dass Fortuna in Heidenheim eine ordentliche, in Braunschweig sogar eine starke Leistung geboten hatte. Doch es hat sich noch mehr geändert in Düsseldorf, Grundlegendes. Die Landeshauptstadt steht zu ihrem Verein – und das hat Gründe.

Identifikation Vorstand und Aufsichtsrat Fortunas hatten sich auf die Fahne geschrieben, eine junge und identifikationsstarke Mannschaft aufzubauen. Diesen Auftrag haben sportliche Leitung und Scouting-Team erfüllt. Zugänge wie Kaan Ayhan (22) oder Arianit Ferati (19) haben zusammen mit klubeigenem Nachwuchs wie Emmanuel Iyoha (18) nicht nur den Altersschnitt gesenkt, sondern auch die Einstellung der Fans zu den Profis geändert: Engagierten jungen Spielern werden mehr Fehler verziehen als anscheinend satten Altstars. Wichtig ist aber auch, dass Routiniers wie Alex Madlung oder Oliver Fink (beide 34) kämpferisch auftreten und dem Nachwuchs Halt geben. "Wir haben die richtigen Alten behalten", erklärt Funkel schmunzelnd.

Erwartungshaltung Den Verantwortlichen ist es gelungen, den zwingend nötigen Sparkurs in der Öffentlichkeit gut zu verkaufen. Die Mannschaft ist zwei Millionen Euro billiger als die des Vorjahres, die um ein Haar abgestiegen wäre. Das hat die Erwartungshaltung deutlich gesenkt, was die Führung auch klar signalisierte: Endlich wurde in Düsseldorf mal nicht von Aufstieg gefaselt, sondern zur Konsolidierung aufgerufen. Ein bis zwei sorgenfreie Jahre sind das Ziel, die die Basis zu einer möglicherweise erfolgreicheren Zukunft werden sollen. Die Botschaft ist angekommen.

Trainer Friedhelm Funkel (62) kam in einer Phase, als mehrere weit jüngere Kollegen mit ihren Konzepten gescheitert waren und der Klub am Abgrund zur Drittklassigkeit stand. Funkel schaffte die Rettung und gewann mit seiner offenen Art die Fans für sich. Zudem sorgte er dafür, dass Co-Trainer Peter Hermann aus dem von ihm so ungeliebten Rampenlicht verschwinden und sich seiner Stärke, der Arbeit mit den Spielern, widmen konnte. Funkel sieht den fachlich hoch qualifizierten Hermann als gleichwertigen Partner, wie es einst Jupp Heynckes bei Bayern tat. So holen beide bislang das Beste aus dem Kader heraus.

Spielweise Alles Genannte ist keine Garantie für Erfolg, wobei Erfolg für Fortuna schon eine Saison ohne Abstiegssorgen wäre. Die mutige, erfrischende Spielweise mit mehr technischen Akzenten als früher, kombiniert mit dem kompakten Defensivverhalten, für das Funkel seit langem steht, kommt auch im Falle einer Niederlage generell gut an. Und sie hat bislang dafür gesorgt, dass Fortuna zu Hause sieben von neun möglichen Punkten holte. Heute soll die Bilanz zweistellig werden.

Quelle: RP
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