| 14.37 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Zu viele Stürmer für den erhofften Offensivfußball

Reaktionen: "Dieser Spielverlauf ist natürlich extrem bitter"
Reaktionen: "Dieser Spielverlauf ist natürlich extrem bitter"
Düsseldorf. Beim 0:1 gegen Heidenheim im ersten Pflichtspiel des Jahres 2016 offenbart Fortuna Düsseldorf die gleichen Schwächen wie in der Hinrunde. Marco Kurz entscheidet sich für zwei Spitzen – und das geht schief. Von Bernd Jolitz

Gerade einmal 90 Minuten ist das Fußballjahr 2016 für Fortuna Düsseldorf alt, doch die Stimmung ist bereits tief im Keller. Natürlich konnte niemand erwarten, dass ein neuer Trainer (Marco Kurz) und zwei neue Leihspieler (Nikola Djurdjic und Charis Mavrias) sogleich einen Aufbruch zu neuen Ufern bringen würden, womöglich sogar triumphalen Hurra-Fußball. Was Fortuna ihren Anhängern beim 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim anbot, war dann allerdings ein bisschen arg wenig. Die Kurz-Truppe erspielte sich nicht eine einzige wirkliche Torchance. Ihr Gegner zwar auch nicht, aber der bekam wenigstens durch Julian Kochs kapitalen Fehler eine Einschussmöglichkeit auf dem Silbertablett serviert, die Robert Leipertz eiskalt zur Entscheidung nutzte.

Es war schon quälend, was Düsseldorfer und Heidenheimer da auf dem Rasen anrichteten. "Beide Mannschaften wollten nicht zu viel riskieren", beschrieb das Fortunas Rechtsverteidiger Julian Schauerte. "So ist es irgendwie bei einem gegenseitigen Abtasten geblieben." Schwer verdauliche Kost zumindest für diejenigen unter den 24.267 Zuschauern, die es mit der Heimelf hielten. Das Häuflein Heidenheimer in der Nordkurve hatte seinen Spaß, wäre mit einem 0:0 ebenso zufrieden gewesen wie ihre Kicker, zumal den Fans von der Schwäbischen Alb ja noch die Aussicht auf einen karnevalistischen Bummel durch die Altstadt blieb.

Die Mehrzahl der zahlenden Besucher tat ihr Bestes, Fortuna irgendwie in die Spur zu singen. Vereinzelte Pfiffe brüllten die Ultras sofort mit Anfeuerungsrufen nieder, nach dem 0:1 packte der rot-weiße Anhang sogar das allseits kompatible "You'll never walk alone" aus. Alles vergebens. Fortuna agierte wie erstarrt, einfach nichts gelang im Spiel nach vorn. Auch deshalb, weil das 4-4-2-System, für das sich Marco Kurz entschieden hatte, nicht funktionierte. Joel Pohjanpalo, als zweite Spitze neben Djurdjic aufgeboten, hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. So sehr sich Djurdjic auch mühte und viele Kilometer abspulte, die beiden Angreifer wirkten wie abgeschnitten vom übrigen Spiel, und Regisseur Kerem Demirbay war als einziger gestalterisch tätiger Profi überfordert.

"Ich denke nicht, dass das eine Systemfrage war", meinte Kurz, auf dieses Problem angesprochen. "Wir haben einfach unsere Spielfortsetzung nicht gefunden. Wenn wir einen Mittelfeldspieler mehr aufgeboten hätten, heißt das nicht, dass wir besser den Weg in die Spitze gefunden hätten." Beweisen lässt sich weder das eine noch das andere. Demirbay allein schaffte es jedenfalls trotz seines enormen Fleißes nicht, die beiden Spitzen oder die offensiven Außen Mavrias und Ihlas Bebou in Szene zu setzen.

Trotz all dieser Probleme wäre Fortuna ein 0:0 fast sicher gewesen, das zwar niemand begeistert, angesichts der Niederlagen der Konkurrenz aus Paderborn und München aber ein wenig weitergeholfen hätte. Dann jedoch leistete sich Vizekapitän Koch nur drei Minuten nach seiner Einwechslung jenen hanebüchenen Bock, der die Partie entschied. "Julian hat sich eben in der Kabine vor der gesamten Gruppe entschuldigt", berichtete Kurz, und noch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff kämpfte der 25-Jährige in der Interviewzone mit den Tränen.

Die Selbstkritik ist also da, doch dafür kann sich Fortuna unterm Strich nichts kaufen. Ebenso wenig dafür, dass die in der Hinrunde manches Mal völlig aus den Fugen geratene Defensive deutlich stabiler wirkte. "Wir waren hinten gut organisiert", befand Kapitän Karim Haggui zu Recht. "Letztlich reicht das aber nicht. Wir sind sehr enttäuscht, denn wir wollten unbedingt zeigen, dass wir für die Rückrunde gerüstet sind." Stattdessen steckt Fortuna noch tiefer im Sumpf - und muss nun zum Tabellenzweiten Freiburg.

Quelle: RP
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