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Fortuna Düsseldorf
Kramer: "Mund abputzen, weitermachen"

FC St. Pauli - Fortuna
FC St. Pauli - Fortuna FOTO: dpa, dbo hpl
Düsseldorf. Fortuna-Trainer Frank Kramer gab sich unmittelbar nach dem 0:4 beim FC St. Pauli durchaus überzeugt, auch nach der Länderspielpause noch die sportliche Verantwortung zu tragen. Ob er fürchtet, am 20. November gegen den MSV Duisburg nicht mehr Trainer des Fußball-Zweitligisten zu sein? "Direkt nach dem Spiel habe ich andere Dinge im Kopf und werde mich um die Aufarbeitung mit der Mannschaft kümmern", sagte Kramer nach der desolaten Vorstellung des Drittletzten im Duell beim vorherigen Tabellendritten. Von Matthias Goergens

In dieser Aufarbeitung war daher indes Zeit für Kraftausdrücke am Millerntor. "Wir haben einfach brutal schlecht verteidigt", sagte Kramer. Während Manager Rachid Azzouzi offen von einer "Packung" und einem "Debakel" sprach, wurde Mittelfeldspieler Julian Koch noch deutlicher: "Das war von uns einfach Scheiße heute." Mannschaftskollege Kerem Demirbay langte ebenfalls tief in die Kiste mit den unappetitlichen Ausdrücken: "Wir stecken ganz tief in der Scheiße. Das wird nicht einfach in den nächsten Wochen."

Am schwierigsten wird es wohl für den Trainer, zumal der Haussegen im Klub auch insgesamt ziemlich schief hängt. Torwart Michael Rensing, der mit etlichen starken Paraden ein schlimmeres Desaster noch verhindert hatte, stürmte nach dem Schlusspfiff wort- und grußlos in die Kabine. Seine Mannschaftskollegen näherten sich der Ecke mit den rund 2000 zornigen Fortuna-Fans nur zögerlich, um lediglich im Sicherheitsabstand entschuldigend zu grüßen.

Zumindest scheint die Fähigkeit zur selbstkritischen Aufarbeitung vorhanden zu sein, so wurde Mannschaftskapitän Karim Haggui deutlich: "Das hatte bei uns mit Fußball, Leidenschaft und Engagement nichts zu tun. Wenn du so spielst, bekommst du auf den Sack." Logisch, dass die Diskussion um die Arbeit von Trainer Frank Kramer nun neu entfacht ist. Die "Mechanismen des Fußballgeschäfts" werden bemüht, nach der ein Trainerwechsel neuen Schwung bringen kann. Auch wenn Manager Azzouzi deutlich machte, von ihm aus werde es "keine Diskussion" um den Trainer geben.

Aber wer soll so eine tiefgreifende Entscheidung treffen bei der Fortuna? Der Vorstand wurde nach der Trennung von Präsident Dirk Kall noch nicht neu formiert, der Aufsichtsrat sucht aktuell mit Unterstützung einer externen Agentur nach geeigneten Kräften. Mindestens ein neues, wenn nicht gar drei neue Vorstandsmitglieder sollen zu den verbliebenen Paul Jäger und Sven Mühlenbeck stoßen.

Wie und welche Entscheidungen auch immer getroffen werden, was Trainer und Vorstand angeht: Die Begegnung gegen den Tabellenletzten MSV Duisburg am Freitag in einer Woche wird zum Schicksalsspiel. Zumindest das Ergebnis sollte wieder stimmen, über die Leistung ließe sich wohl hinwegsehen in der aktuellen Situation. "Mund abputzen, weitermachen", sagte Kramer nach dem Spiel bei St. Pauli. Fragt sich nur, wie lange noch?

(goe)
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