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Fortuna Düsseldorf
Kramers Kredit ist fast aufgebraucht

Fortuna Düsseldorf: Frank Kramers Kredit ist fast aufgebraucht
Fortunas Trainer Frank Kramer. FOTO: dpa, bt lre
Nürnberg. Bei Fortuna Düsseldorf hängt mal wieder der Haussegen schief. Nach einem desolaten Auftritt in Nürnberg hat sich das Team aus dem Pokalwettbewerb verabschiedet. Der Trainer steht nun besonders im Blickpunkt und braucht Erfolgserlebnisse. Von Bernd Jolitz

Fortuna Düsseldorf hat sich im DFB-Pokalspiel beim 1. FC Nürnberg nach allen Regeln der Kunst blamiert. Die 1:5-Niederlage und das damit verbundene Ausscheiden in der zweiten Runde wäre für sich genommen noch hinnehmbar. Im Zusammenhang mit der bislang höchst bescheidenen Darbietung in der 2. Bundesliga, in der die Düsseldorfer auf Relegationsplatz 16 liegen, ist sie jedoch ein Alarmsignal – auch für Trainer Frank Kramer, der bislang fest im Sattel saß, dessen Position aber nun auch zu wanken beginnt. Die wichtigsten Fragen.

  • Weshalb ist das 1:5 von Nürnberg anders zu bewerten als die Niederlagen zuvor?

Weil Fortuna sich in einer rundum indiskutablen Verfassung präsentierte. "Da müssen wir gar nicht drumherum reden, das war zum In-die-Tonne-klopfen", fasste Kramer griffig zusammen. "Das Schlimmste war, dass wir keine Anstalten gemacht haben, uns dagegen zu stemmen. Das ist niederschmetternd." Die Analyse des Trainers ist nicht übertrieben: Insider sprachen von der schlechtesten ersten Hälfte seit vielen Jahren. "Ich erinnere mich nicht, so eine schwache Halbzeit schon einmal gesehen zu haben", sagte Interims-Vorsitzender Paul Jäger. Und der ist seit 26 Jahren bei Fortuna.

  • Wie reagieren die Fans?

Zum ersten Mal in dieser Saison waren selbst die Treuesten der Treuen stocksauer. Da auch sie keine Leidenschaft und kein Engagement festgestellt hatten, beschimpften sie die Spieler nach der Partie als "Absteiger", bewarfen sie mit Bierbechern und Fahnenstangen. Das verschärft die Krise bei Fortuna, vor allem für Kramer, der bislang großen Rückhalt beim harten Kern des Anhangs genoss. Viele verstanden auch seine Personalentscheidungen nicht – dass zum Beispiel Zugang Alexander Madlung trotz erkennbar großer Defizite in Sachen Spielpraxis den Vorzug vor Christian Strohdiek erhielt oder dass Mike van Duinen nach seinem schwachen Auftritt in Leipzig erneut in der Startelf stand. Allerdings: "Kramer raus"-Rufe gab es auch in Nürnberg nicht.

  • Wie lange ist Trainer Kramer noch zu halten?

Trotz der schwachen Bilanz in der Liga – nur neun Punkte aus zwölf Spielen – war die Position des Chefcoachs vor dem Anpfiff in Nürnberg gefestigt. Die Vorstandsmitglieder Jäger und Sven Mühlenbeck sowie Azzouzi stehen zu Kramer, aus dem Aufsichtsrat kamen ebenfalls keine Signale für eine Trennung. Offiziell hat sich das auch nach dem 1:5 nicht geändert. "Ich werde eine Trainerdiskussion nicht eröffnen", versicherte Jäger, und Azzouzi ergänzte: "Nürnberg war ein grober Ausreißer, aber grundsätzlich bin ich überzeugt von dem Weg, den wir gemeinsam mit Frank Kramer gehen." Fest steht aber auch, dass es am Freitag im Liga-Heimspiel gegen Fürth (18.30 Uhr), unabhängig vom Ergebnis, keine auch nur ähnlich schlechte Leistung wie im Pokal geben darf.

  • Wie steht die Mannschaft zum Trainer?

Überwiegend sehr positiv. Außenverteidiger Julian Schauerte sagte nach der Pokalpleite: "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Es liegt nur an uns Spielern, was wir da abliefern, es liegt an keinem, der draußen steht." Gegen Fürth müssen die Profis das aber auch beweisen, wenn sie den engagierten und beliebten Trainer stützen wollen.

  • Wo hakt es sportlich besonders?

In Nürnberg überall, wobei besonders die chaotische Abwehrleistung auffiel - vier Tage zuvor beim 1:2 in Leipzig hatte dieser Mannschaftsteil noch überzeugt. Generell ist jedoch der Angriff das Sorgenkind.

  • Gibt es Hoffnung, dass Fortuna sich bald wieder besser präsentiert?

Die Düsseldorfer haben in dieser Saison schon mehrfach überrascht – meist negativ, aber auch schon positiv, als sie beim 3:0 gegen 1860 München und beim 1:1 in Bochum Kramers Spielidee endlich begriffen zu haben schienen. Wer das 1:5 an der Noris sah, kann sich bis zum morgigen Auftritt in Fürth kaum eine einschneidende Besserung vorstellen, aber vielleicht überrascht Fortuna ja erneut. Für Kramers Zukunft wäre das entscheidend wichtig.

Sehen Sie hier die Bilder vom Mittwochstraining.

Quelle: RP
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