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| 06.54 Uhr

Friedhelm Funkel im Interview
"Ich würde gern meinen sechsten Aufstieg schaffen"

Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss
Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss FOTO: dpa, Rolf Vennenbernd
Friedhelm Funkel wirkt tiefenentspannt. Der 63-jährige Fußballlehrer weilt mit dem Zweitligisten Fortuna Düsseldorf im Trainingslager im Salzburger Land. Mit den Bedingungen dort ist er hochzufrieden und geht zuversichtlich in die neue Saison. Von Bernd Jolitz, Maria Alm

Herr Funkel, in der Vorsaison war Fortuna bis kurz vor dem Ende vom Abstieg bedroht. Jetzt hat die Vereinsführung einen Platz unter den ersten sechs als Ziel ausgegeben – ist das nicht sehr mutig?

Friedhelm Funkel Nein, ich habe ja selbst gesagt, dass wir uns stabilisieren und ein Stück weiter nach oben kommen wollen. Und wir hätten schon in der vergangenen Saison aufgrund unserer Chancen zehn Tore mehr schießen müssen – dann wären wir da schon Sechster gewesen. Wir müssen jedoch effizienter werden.

Sie haben nach Saisonende Verstärkungen gefordert, die mehr Tempo ins Spiel bringen. Ist das bereits gelungen?

Funkel Sicher ist Niko Gießelmann, den wir aus Fürth geholt haben, ein sehr schneller Spieler, und der kroatische U19-Nationalspieler Davor Lovren auch. Aber Davor ist eben auch noch sehr jung und braucht Zeit. Wir müssen und werden sicher noch drei weitere Spieler verpflichten.

Noch hier im Trainingslager in Maria Alm?

Funkel Das hoffe und wünsche ich mir, aber das gelingt im Fußball nicht immer.

Welche Spielertypen suchen Sie noch?

Funkel Junge Leute haben wir jetzt genug. Im Kader stehen zehn Spieler, die 21 Jahre und jünger sind, insgesamt 15, die 23 und jünger sind. Das ist enorm. Ich wage zu behaupten, so viele hat kein anderer Verein im Profifußball. Wer jetzt noch kommt, sollte im Idealfall ein bisschen Erfahrung mitbringen und das entsprechende Alter haben.

Und Offensivspieler?

Funkel Wir brauchen mindestens noch einen Stürmer, gerne auch zwei. Dann wird auch die Konkurrenz für Rouwen Hennings größer, und ich kann ihn mal draußen lassen, wenn Form und Fitness mal nicht so stimmen sollten bei ihm.

Aber Sie wollen es beim Ein-Stürmer-System belassen?

Funkel Nein, mein System ist variabel. Wenn ich zwei gute Stürmer habe, die beide in Form sind – warum soll ich dann nicht mit zwei Spitzen spielen?

Manch einer wirft Ihnen vor, nicht offensiv genug agieren zu lassen.

Funkel Kritiker wird es immer geben. Aber wir wollen in der neuen Saison ja auch das Tempo erhöhen, schneller umschalten und nach vorn spielen, auch mit mehr Risiko. Aber es muss ein kalkuliertes Risiko bleiben.

Sie haben vieles erlebt in Ihrer langen Karriere. Was reizt Sie jetzt an Fortuna besonders?

Funkel Eine spannende Aufgabe ist zum Beispiel, durch unsere jungen Leute für mehr Konkurrenzdruck zu sorgen. Einige von ihnen sind dazu schon in der Lage. Und es macht sehr viel Spaß, Spieler weiterzuentwickeln, die vor einiger Zeit sehr jung zu uns gekommen sind.

Wie Marcel Sobottka?

Funkel Wie er, oder wie Kaan Ayhan und Ihlas Bebou, von dem ich inständig hoffe, dass er bei uns bleibt. Von Marcel Sobottka glaube ich, dass er einen großen Schritt machen kann. Weil er im Kopf vollkommen klar ist und tatsächlich Verantwortung übernimmt statt wie andere nur davon zu reden. Marcel ist ein Charakterspieler. Ich erwarte sehr viel von ihm, und er kann diese Erwartungen erfüllen.

Was halten Sie von Florian Neuhaus, den Gladbach für ein Jahr an Fortuna ausgeliehen hat?

Funkel Er ist noch sehr jung und wird bestimmt keine 34 Spiele machen. Aber er erinnert mich an Julian Weigl, den ich bei 1860 München aus der Jugend hochgeholt hatte. Manchmal nenne ich Florian im Training sogar "Julian", und er grinst dann immer und sagt: "Ist schon okay, Trainer." Er macht einen guten Eindruck, ist aggressiv, geht vorn rein. Er wird mal ein guter Bundesligaspieler.

Welche Ziele haben Sie selbst noch?

Funkel Ich würde gern meinen sechsten Aufstieg in die Bundesliga schaffen – dann ist auch sicherer, dass da kein anderer Trainer mehr dran kommt. Das heißt aber nicht, dass das im nächsten Jahr gelingt! Für so etwas gibt es keine Garantien.

Am Ende der vergangenen Saison gab es Leute, die Ihre Position in Frage gestellt haben. Belastet Sie so etwas noch?

Funkel Wissen Sie, wenn ich nicht souverän bin, wer soll es denn sonst sein? Mir geht es unglaublich gut, ich habe eine wunderbare Frau, wunderbare Kinder und sehr gute Freunde. Das alles und meine Erfahrung geben mir einen Schuss Gelassenheit, den ich auf meine Mannschaft übertragen kann. Ganz ehrlich: Was soll mir schon noch passieren?

Quelle: RP
 
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