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Fortuna Düsseldorf
Funkel ist bei Fortuna angekommen

Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss
Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss FOTO: dpa, Rolf Vennenbernd
Düsseldorf. Friedhelm Funkel ist als Trainer die optimale Lebensversicherung. Denn er ist noch nie mit einer Mannschaft aus der zweiten Bundesliga abgestiegen. Auch nicht mit Fortuna Düsseldorf, obwohl die Aufgabe in der vergangenen Saison überaus knifflig war. Von Thomas Schulze

Als vierter Trainer übernahm er Mitte März die Mannschaft – nach Frank Kramer, Interimstrainer Peter Hermann und Marco Kurz. Eigentlich hätte Funkel die Position schon im November nach der Trennung von Kramer übernehmen sollen. "Ich bin bereit", hatte er damals gesagt. Doch der damalige Manager Rachid Azzouzi gab Kurz den Vorzug.

Es ist Ausdruck von Funkels Souveränität und Stärke, dass er sich nicht gekränkt zurückzog oder gar triumphal den Moment genoss, als Fortuna im März dann auf ihn zukam, sondern dass er die Aufgabe dann trotzdem übernahm. Der 62-Jährige, der seit über 40 Jahren im Profi-Fußball tätig ist, hat schon vieles erlebt, auch eine ähnliche Situation. "Bei Eintracht Frankfurt bin ich auch erst Trainer geworden, nachdem Ralf Rangnick abgesagt hatte, den die Eintracht eigentlich haben wollte. Das haben wir alle gewusst, und dann folgten die erfolgreichsten fünfeinhalb Jahre meiner Trainerlaufbahn."

Die Bilanz der Fortuna-Trainer seit 2003 FOTO: dpa, bt gfh

In Düsseldorf ist zumindest der Auftakt der gemeinsamen Zeit geglückt. Funkel hatte in den vergangenen Jahrzehnten schon oft Kontakt zur Fortuna, doch erst jetzt, da sich die Karriere des gebürtigen Neussers dem Ende neigt, hat es geklappt. "Ich hatte immer eine Beziehung zur Fortuna, zu Dieter Brei, Egon Köhnen, Klaus Allofs. Fortuna war immer in meinem Kopf, aber es kam nie zur Zusammenarbeit. Jetzt darf ich mal, jetzt will ich Erfolg mit Fortuna haben." Dabei wird er von vielen aus seinem engsten Umfeld unterstützt: "Eine meiner Töchter ist Fortuna-Fan, ich habe viele Freunde und Bekannte, deren Herz für Fortuna schlägt. Das spornt mich an."

Den Klassenerhalt hat Funkel mit der Mannschaft erreicht – was nun? Es ist eine reizvolle, herausfordernde Aufgabe, die er vor sich hat. Der Verein und die Mannschaft werden gerade umgebaut. Das Führungsduo, der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Ernst (52 Jahre) und der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer (40), ist neu und erfolgshungrig. Die sportliche Führung mit Friedhelm Funkel, Peter Hermann (64) und Vorstand Erich Rutemöller (71) ist erfahren. Im Kader stehen elf Spieler, die in dieser Saison erstmals Zweitliga-Luft schnuppern. Funkel setzt auf die Führung. "Dass ich Peter Hermann an meiner Seite habe, ist ein unschätzbarer Vorteil" sagt er. "Peter ist nicht mein Co-Trainer, sondern er ist Trainer, ein anerkannter Fachmann."

Funkel setzt auf Erfahrung. Fortuna ist sein elfter Verein in 27 Jahren, 762 Mal hat er bei Spielen in der ersten und zweiten Liga auf der Bank gesessen, fünf Mal hat er eine Mannschaft aus der zweiten in die erste Liga geführt. "Das große Plus der Älteren ist ihr Erfahrungsschatz. Wir wissen genau, wie es geht."

Das Team hinter dem Team FOTO: Falk Janning

Funkel setzt auf Hierarchie. Er weiß, dass eine Mannschaft geführt werden muss, auch von Spielern auf dem Feld. Deshalb hat er die erfahrenen Spieler in die Pflicht genommen und Oliver Fink zum Kapitän und Adam Bodzek zu seinem Stellvertreter ernannt. Auch zwischen den Pfosten bevorzugt er Klarheit und kein Wechselspiel, weshalb er Michael Rensing zu seiner Nummer eins gemacht hat. Funkel weiß, dass Spieler und Torhüter Sicherheit und Vertrauen benötigen, um eine möglichst gute Leistung abzurufen.

Funkel setzt auf Teamgeist. "Wir müssen eine Einheit sein und respektvoll miteinander umgehen", sagt er. Daran hat er in den beiden Trainingslagern in Maria Alm und Wiesensee mit der Mannschaft gearbeitet. "Hinzu kommen müssen ganz normale Tugenden, ohne die es im Fußball nicht geht: Leidenschaft, Laufbereitschaft, Einsatzfreude, Kampfgeist. Wenn diese einfachen Dinge da sind, haben die Spieler meine hundertprozentige Unterstützung." All das wird Fortuna benötigen, damit es mit der Lebensversicherung Funkel auch in dieser Saison klappt.

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