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Fortuna Düsseldorf
Funkel und seine Elf-Punkte-Mission

Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss
Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss FOTO: dpa, Rolf Vennenbernd
Düsseldorf. Friedhelm Funkel soll Fortuna Düsseldorf vor dem Abstieg retten. Acht Spiele hat er dafür Zeit, elf Punkte sollte die Fortuna in dieser Zeit einfahren – das zeigt die jüngere Liga-Historie. Und auch, dass Funkel eben das schaffen kann.  Von Christoffer Kleindienst

Funkel ist ist ein echter Routinier. "Es geht darum, Engagement und Willen zu zeigen und nicht beim ersten Fehler den Kopf hängen zu lassen. Ich stehe hinter der Mannschaft, auch wenn mal etwas schiefgeht. Angst ist ein ganz schlechter Begleiter", sagte der 62-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion, nur wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass er der neue Coach bei der Fortuna sein wird. Funkel trifft dabei die richtigen Worte und alle Fortuna-Fans wollen ihm glauben. 

Warum auch nicht?, dürften sich die meisten fragen. Er ist Rekord-Aufstiegstrainer, fünf Mal stieg er in die höchster deutsche Spielklasse auf, mit vier verschiedenen Teams gelang ihm der Coup. Überraschungserfolge waren das sicherlich nicht, Funkel hat Erfahrung mit Traditionsvereinen. Bayer Uerdingen (1992, 1994), der MSV Duisburg (1996), der 1. FC Köln (2003) und Eintracht Frankfurt (2005) wurden unter seiner Regie Erstligisten. Abstiege hat er zwar ebenso viele verzeichnet, die Fortuna sollte das aber zunächst einmal nicht stören – in der 2. Bundesliga hat Funkel noch eine weiße Weste. 

Dort machte er zwar mit der Alemannia Aachen schlechte Erfahrungen und wurde mitten im Abstiegskampf gefeuert, ansonsten können sich seine Werte sehen lassen: 217 Spiele weist er in der 2. Bundesliga auf, 101 Erfolge stehen auf seinem Konto, lediglich 63 Niederlagen mussten seine Teams hinnehmen. Das macht einen Schnitt von 1,64 Punkten pro Spiel. Frank Kramer kam bei seiner Zeit am Rhein auf 0,94, bei Marco Kurz waren es nur 0,57.

So gut die Werte Funkels auch sind, durchweg optimistisch können sie die Düsseldorfer nicht stimmen. Die Krux: Selbst wenn der Coach seinen Punkteschnitt bei den kriselnden Fortunen wider Erwarten halten sollte, dürfte der Abstieg nur gerade so abzuwenden sein. Das zeigt die jüngere Zweitliga-Historie: Während der Tabellenletzte seit Einführung der Relegation zur Saison 2008/09 durchschnittlich 24 Punkte holte, sammelte der Vorletzte 31 Zähler im Schnitt. Für den Relegationsplatz muss ein Team 35 Punkte einfahren, den Klassenerhalt hat man durchschnittlich ab 37 Zählern geschafft – so die Erfahrung aus den vergangenen sieben Spielzeiten. Falls Funkel in den verbleibenden acht Pflichtspielen seinem Punkteschnitt treu bleiben sollte, käme er auf 13 Punkte und somit hätte sein Team die 37 Zähler, die im Normalfall für den 15. Tabellenplatz reichen sollten. Eine Garantie ist das aber nicht. 

Zumal man bei einem Blick auf Funkels Startbilanz dann doch wieder skeptisch wird. Die ersten acht Ligaspiele bei seinen Vereinen setzte er zwar nur selten in den Sand – lediglich bei Hertha BSC feierte er keinen Sieg in dieser Zeit – wirklich überragend sind seine Werte diesbezüglich aber ebenso selten. Beim VfL Bochum in der Saison 2010/11 verzeichnete er seinen persönlichen Startrekord: Vier Siege sprangen damals in den acht Partien heraus, zwölf von 24 Punkten holte er. Besser war er nie. Damit könnte sich die Fortuna dann immerhin in die Relegation retten. 

So wirklich Hoffnung macht das nicht, allerdings stirbt die ja bekanntlich zum Schluss. "Wir sind ganz offen miteinander umgegangen, mein Vertrag gilt nur bis zum Saisonende. Ich brauche keine Sicherheit, keine langfristigen Verträge. Mir geht es nur darum, Fortuna zu helfen, denn ich habe viele Freunde, die Fans des Vereins sind, und die schrecklich leiden. Und ich leide mit, denn ich habe Fortuna immer gemocht. Jetzt geht es mit Herzblut ans Werk, und wenn wir gemeinsam den erwünschten Erfolg haben – dann werden wir alles Weitere in Ruhe besprechen", sagte Funkel unserer Redaktion. Und schon will man alle Fakten einfach wieder vergessen. 

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