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Fortuna Düsseldorf
Führungskrise trotz Punktgewinn

Fortuna Düsseldorf: Führungskrise trotz Punktgewinn
Die Fans sind nicht gut auf den Vorstand der Fortuna zu sprechen. FOTO: dpa, jgu hpl
Bochum. Fortuna Düsseldorf hat nach dem 1:1 gegen den VfL Bochum Grund zu feiern. Doch die Diskussion um eine Kampagne zur Flüchtlingshilfe ist symptomatisch für die Situation an der Spitze des Zweitligisten. Von Bernd Jolitz

Bei der Fortuna Düsseldorf brennt mal wieder der Baum. Weniger sportlich, weil die Mannschaft von Frank Kramer beim VfL Bochum durch Mike van Duinens Treffer in der Nachspielzeit einen verdienten Punktgewinn feiern konnte. Der Niederländer war kurz zuvor eingewechselt worden. Tim Hoogland hatte die Bochumer in Führung gebracht. Die Düsseldorfer boten über weite Strecken eine starke Leistung und weckten die Hoffnung, den Tabellenkeller - ähnliche Darbietungen auch in den kommenden Partien vorausgesetzt - bald verlassen zu können.

Für mehr Unruhe als der fußballerische Sektor sorgt der administrative. Auslöser war die Aktion "Wir helfen", mit der die Deutsche Fußball-Liga mittels eines Ärmel-Abzeichens, das an diesem Wochenende alle Erst- und Zweitligisten tragen sollten, Stellung für Flüchtlinge beziehen wollte. Nach einem handfesten Krach mit dem Mit-Organisator "Bild"-Zeitung boykottierte der FC St. Pauli die Aktion, und viele Düsseldorfer Anhänger forderten die Fortuna-Führung zur Solidarität mit den Hamburgern auf.

Fortuna klebt "Bild"-Logo auf "Wir helfen"-Aufnäher ab FOTO: dpa, jgu tba

Daran entzündete sich ein Streit, der nun zu einer handfesten Führungskrise zu werden droht. Denn während der Vorstand um den Vorsitzenden Dirk Kall auf der Homepage des Vereins die Entscheidung, bei "Wir helfen" weiterhin mitzumachen, vehement verteidigt, scheren Mitglieder des Aufsichtsrats öffentlich aus. Der Vorsitzende des Gremiums, Marcel Kronenberg, empfiehlt bei Facebook, sich mit St. Pauli zu solidarisieren, wenig später geht Kronenbergs Aufsichtsratskollege Björn Borgerding ebenfalls den Weg über Facebook. "Ich hätte mir eine deutliche Distanzierung unseres Vereins zu dieser Aktion gewünscht", schreibt er und trifft damit den Nerv jenes Teils der Fanszene, der über die Netzwerke aktiv ist: Dort entwickelt sich ein Sturmlauf gegen den Kurs des Vorstandes.

Letztlich erwies sich das Ganze als Sturm im Wasserglas, denn Fortunas Vorstand hatte von vornherein geplant, zwar das Abzeichen tragen zu lassen, darauf aber das "Bild"-Logo abzukleben - aus Protest gegen die Kritik von deren Chefredakteur Kai Diekmann gegen die St. Pauli-Entscheidung. Und so geschah es in Bochum dann auch. "Bei uns steht die Solidarität mit den Flüchtlingen im Vordergrund", erklärt Kall. "Wir wollen die Diskussion über eine Zeitung nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge austragen."

User-Reaktionen zum "Wir helfen"-Aufnäher: "Das ist ja ne Weichei-Lösung"

Doch ganz gleich, was jeder persönlich über die Aktion denkt: Das Image, das Fortuna sich selbst mit dieser öffentlichen Diskussion verleiht, ist verheerend. Die Düsseldorfer vermitteln den Eindruck eines gespaltenen Klubs, dessen Führungsmitglieder in getrennte Richtungen marschieren. Fortuna hätte sich hinter den Kulissen entscheiden und dann diesen Weg gehen müssen. Letztlich ist "Wir helfen" nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Schon lange geht es bei Fortuna viel eher um die Frage, wer die Macht im Verein hat. Es hat sich eine aktive Fanszene entwickelt, die Fortuna gern auf einem alternativen Kurs à la St. Pauli sähe und öffentlich Druck ausübt, dass die Führung entsprechend handelt. Vorstand und Aufsichtsrat stehen vor der schwierigen Frage, in welchem Maße sie der Lenkung von außen nachgeben sollen und können. Wie auch immer sie entscheiden: Entscheiden müssen sie. Und anschließend mit einer Stimme reden.

Quelle: RP
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