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| 16.25 Uhr

Fortune Genki Haraguchi verletzt
Das Problem Gehirnerschütterung

Haraguchi und Klingmann bei Zusammenprall verletzt
Haraguchi und Klingmann bei Zusammenprall verletzt FOTO: dpa, rwe hak
Düsseldorf. Beim bösen Zusammenprall mit Philipp Klingmann zieht sich Genki Haraguchi eine Gehirnerschütterung zu. Eine Verletzung, die immer noch unterschätzt wird. Von Patrick Scherer und Gianni Costa

Genki Haraguchi läuft mit einem Kühlpack am Kopf vom Rasen. Gerade war er im Kopfballduell böse mit dem Sandhäuser Philipp Klingmann zusammengerasselt. Der Fortune berichtet der medizinischen Abteilung von Schwindelgefühlen und wird ausgewechselt. Es ist die richtige Entscheidung. Am Tag nach dem 1:0-Sieg wird eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Damit ist der japanische Zugang im Vergleich zu Klingmann, der sich einen Schädelbruch zuzog, zwar glimpflich davongekommen. Dennoch ist die Verletzung sehr ernst zu nehmen.

Fußballer und Gehirnerschütterungen. Da ist der Gedanke an Christoph Kramer und das WM-Finale 2014 nicht weit. Der Gladbacher wurde damals in die Schulter des Argentiniers Ezequiel Garay geschubst. Seine anschließende Konversation mit Schiedsrichter Nicola Rizzoli ("Ich muss wissen, ob das hier das WM-Finale ist") hat Kultstatus. Dabei ist Kramer beim Gedanken an die Verletzung gar nicht zum Spaßen zumute. "Ich bin da sehr, sehr sensibel. Nach solchen Kopftreffern lasse ich mich immer durchchecken, beim Neurologen, beim HNO-Arzt. Das ist eine gefährliche Sache, bei der man aufpassen muss", sagte Kramer zuletzt im Gespräch mit unserer Redaktion.

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In der Tat. Bei einer Gehirnerschütterung kommt es als Folge einer äußeren Krafteinwirkung auf den Kopf, wie durch einen Zusammenstoß, Aufprall oder Schlag, zu einer vorübergehenden Störung der Hirnfunktion. Strukturelle Hirnschäden, also eine Schädigung des Hirngewebes, finden sich dabei in der Regel nicht. Typische Symptome, die oft mit Verzögerung von einigen Stunden auftreten können: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen, Verwirrtheit sowie Erinnerungslücken.

"Werden solche Symptome nicht richtig erkannt und vollständig auskuriert, kann es zu bleibenden Schäden kommen. Wie lange ein Spieler aus dem Trainings- und Spielbetrieb genommen werden sollte, hängt stark vom Einzelfall ab", sagt der Düsseldorfer Sportarzt und Neurologe Rafael-Michael Löbbert. "Deshalb schauen wir uns, wenn möglich, Videos des Ereignisses an, um besser nachvollziehen und einschätzen zu können, was genau passiert ist."

Im aktuellen Fall bei Fortuna lautet die offizielle Sprachregelung von Seiten des Vereins: "Haraguchi wird bis auf Weiteres nicht am Trainingsbetrieb teilnehmen können."

Im Fußball, sagt Löbbert, habe man die Gefahr lange nicht ernstgenommen: "Die Branche tut sich mit Veränderungen schwer. Erst langsam beginnt ein Umdenken. Die Regeln zum Schutz von Spielern wurden immerhin verbessert." Im Kopfbereich sind die Spieler bis heute erheblichen Belastungen ausgesetzt – der Ball kommt mit bis zu 100 Stundenkilometern angerauscht, dazu landen Ellbogen häufig Volltreffer. Das Spiel wird immer athletischer, die Knochen aber nicht im gleichen Maße robuster.

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"Bei einem Kopfball etwa wirken G-Kräfte des 30- bis 40-fachen der Erdanziehungskraft auf den Kopf ein", erklärt Löbbert. "Wenn man bedenkt, dass es beim normalen Gehen über die Straße nur etwa ein G ist, wird schnell die Dimension deutlich." In anderen Sportarten ist es noch extremer: Im Boxen sind es bei Wirkungstreffern zwischen 50 und 100, beim Football und Eishockey 80 bis 100 G.

Löbbert fordert deshalb eine Änderung des Fußball-Regelwerks: Ein Spieler, der am Kopf getroffen wurde, müsste für eine bestimmte Zeit und zusätzlich zum bestehenden Kontingent ausgewechselt werden können, um ihn in ruhiger Umgebung zu untersuchen. Für die Gesundheit könnte diese Auszeit durchaus förderlich sein.

 
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