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Fortuna Düsseldorf
Fortuna-Ikone Gerd Zewe wird 65

Die Rekordspieler von Fortuna Düsseldorf
Die Rekordspieler von Fortuna Düsseldorf FOTO: RPO
Düsseldorf. Der Techniker prägte als Kapitän und Libero die erfolgreichste Ära in Fortunas Vereinsgeschichte. Morgen erreicht der Rekordspieler die Marke, die als klassischer Eintritt ins Rentenalter gilt, hat sich aber stets fitgehalten. Von Friedhelm Körner

Mit 440 Einsätzen ist Gerd Zewe Rekordspieler Fortunas in der Bundesliga. Dank seiner überragenden Technik und Übersicht hat er ihr Spiel anderthalb Jahrzehnte lang entscheidend mitgeprägt. Morgen feiert der langjährige Kapitän seinen 65. Geburtstag. Der Sport hat ihn fitgehalten. "Durch 20 Jahre Profifußball bin ich Gott sei Dank so durchgekommen, dass ich mich auch heute noch einigermaßen normal bewegen kann", sagt er. So spielt er immer noch im "Montagsclub", einem Kreis von älteren Fußballern im Umfeld der Fortuna. Mit seinem Rennrad fährt er 20 bis 40 Kilometer am Tag, und im Golf hat er das beachtliche Handicap von 9,5 (in seiner besten Zeit 4,8). Morgens 18 Bahnen Golf in Korschenbroich, am Abend 75 Minuten Fußball in Flingern: kein Problem für den drahtigen Mann.

Aufgewachsen ist der Bergmannssohn in dem kleinen saarländischen Ort Stennweiler, über Borussia Neunkirchen kam er 1972 zur Fortuna. "Mein Vater arbeitete 42 Jahre lang in der Grube", erzählt Gerd Zewe. "Wir waren vier Kinder. Da war natürlich kein Geld da, um in Urlaub fahren zu können. Aber so war ich dann mehr auf dem Sportplatz, vor allem in den großen Ferien." Vielleicht hat er sich dadurch - neben seinem außergewöhnlichen Talent - die brillante Technik angeeignet. Franz Beckenbauer war sein großes Vorbild: "Wenn wir gegen ihn spielten, habe ich ihn schon beim Warmlaufen beobachtet und gesehen, mit welcher Leichtfüßigkeit er den Ball annahm und dann Pässe mit dem Außenrist schlug."

Als Mittelfeldspieler und Libero war Gerd Zewe, der in der höchsten deutschen Klasse 42 Tore erzielte, an allen bedeutenden Erfolgen Fortunas der Nachkriegszeit beteiligt.

1972 und 1973 gewinnt er mit Fortuna zweimal hintereinander das Niederrheinderby in Mönchengladbach - und das in den goldenen Jahren der Borussia.

1973 und 1974 beendet Zewe mit seiner Mannschaft die Saison als Tabellendritter. Es sind Fortunas beste Platzierungen aller Zeiten in der Bundesliga.

1978 Fortuna erreicht das Pokalfinale und unterliegt dem 1. FC Köln in Gelsenkirchen 0:2. Trost: Da die Kölner auch Meister werden, dürfen die Düsseldorfer in der folgenden Saison am Europacup der Pokalsieger teilnehmen. Im Dezember spielt sich Fortuna gegen Bayern München in einen Spielrausch. Sie deklassiert die Gäste um Karl-Heinz Rummenigge sowie die Weltmeister Sepp Maier, Paul Breitner und Georg Schwarzenbeck mit 7:1.

1979 Im Finale des Europacups liefert Fortuna dem Favoriten FC Barcelona in Basel einen großen Kampf und verliert erst nach Verlängerung mit 3:4. Wenige Wochen nach dem Fest von Basel gewinnt Zewe mit Fortuna durch einen 1:0-Erfolg gegen Hertha BSC in Hannover erstmals den DFB-Pokal.

1980 Mit dem 2:1-Endspielsieg gegen Köln, erneut in Gelsenkirchen, glückt den Düsseldorfern die Revanche für die Pokalfinal-Niederlage von 1978.

"Dietrich Weise war mit seiner Art zu trainieren, die Mannschaft zusammenzustellen und Menschen zu führen, überragend", sagt Gerd Zewe. "Er war mein bester Trainer." Weise legte von 1976 bis 1978 den Grundstein für die große Pokal-Ära, bevor er als Nachwuchstrainer zum DFB wechselte. So hatte auch der Fußballlehrer maßgeblichen Anteil daran, dass Zewe nach der WM 1978 der Sprung in die Nationalelf gelang und er unter Bundestrainer Jupp Derwall vier Länderspiele bestritt. Obwohl er bei der WM in Argentinien nicht zum Einsatz kam, war das Turnier aus seiner Sicht keine herbe Enttäuschung. "Für mich war es das Größte, dass ich auf den letzten Drücker in den Kader rutschte. Ich hatte ja vorher noch kein Länderspiel bestritten."

Die Jahre von 1976 bis 1980 bezeichnet Zewe im Rückblick als seine schönste Zeit bei Fortuna. Mit Vorstopper Gerd Zimmermann bildete er als Libero ein exzellentes Abwehrzentrum. "Besonders mit Klaus Allofs habe ich gern zusammengespielt", sagt Zewe. "Ich habe genau gewusst, wie Klaus sich bewegte und wie man mit ihm spielen konnte." Wie gut für Fortuna, dass er 1979 nicht zum HSV wechselte. "Günter Netzer war damals Manager des HSV", erwähnt Zewe. "Ich hatte ein Angebot des HSV. Letztendlich habe ich mich für Fortuna entschieden." Und für Düsseldorf, das der gebürtige Saarländer heute seine Heimat nennt. "Düsseldorf ist einfach eine super Stadt", betont er.

Zewe besucht jedes Heimspiel der Fortuna in der Zweiten Liga. Während der Ferien arbeitet er in der Fußballschule von Klaus Fischer und trainiert Talente von sechs bis 13 Jahren. Gemeinsam mit den Ex-Fortuna-Kollegen Wilfried Woyke, Egon Köhnen und Günter Thiele ist er auch für die Bürgerstiftung tätig. Dabei leiten die vier ehemaligen Profis Trainingseinheiten; Zewe: "In sozialen Brennpunkten mit Kindern, die finanziell keine Möglichkeit haben, in einem Verein zu sein."

Quelle: RP
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