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Kolumne: Gegenpressing
Fortuna ist der neue FC

Das sind die Spieler des Spiels von Fortuna Düsseldorf
Das sind die Spieler des Spiels von Fortuna Düsseldorf FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Die Situation heute bei Düsseldorf erinnert an die vor vier Jahren in Köln. Der Geißblockklub machte sich damals zum Gespött von Fußball-Deutschland. Von Martin Beils

Schauen wir mal vier Jahre zurück. Ein rheinischer Fußballklub machte sich damals zum Gespött. Aus ganz Deutschland kamen die Krisenreporter und Katastrophentouristen, um atemberaubende Geschichten einzusammeln und zu verbreiten. Beim 1. FC Köln ging es drunter und drüber.

Verteidiger Miso Brecko lieferte den Höhe- oder Tiefpunkt (je nach Betrachtungsweise), als er seinen Wagen nach der vereinseigenen Karnevalssitzung mit 1,7 Promille in die Straßenbahnschienen manövrierte. Der Slowene - das muss man ihm zugutehalten - hatte vermutlich nur Marie-Luise Nikutas Evergreen "Weißte wat, m'r fahre mit d'r Stroßebahn noh Hus" falsch interpretiert. Ein paar Wochen später landete sein Mannschaftskollege Slawomir Peszko in der Ausnüchterungszelle. Die Geschichten von Milivoje Novakovic' Zügen durch die Gemeinde waren ohnehin schon Stadtgespräch.

Der FC schunkelte in Richtung zweite Liga. Zwei Monate später war er tatsächlich abgestiegen. Zum fünften Mal. Der stolze Verein, der einstmals bei Dior Trikots aus Seide schneidern ließ und von dem der gescheiterte Manager Michael Meier mal mit Erfolg "elitäre Arroganz" eingefordert hatte, war nur noch der spöttisch besungene Karnevalsverein.

Seitdem ist reichlich Wasser den Rhein hinunter geflossen - und mit ihm die Krise. Vieles, was gerade bei Fortuna Düsseldorf passiert, erinnert an den FC des Jahres 2012. Eine Nummer kleiner vielleicht, weil die Strahlkraft des landeshauptstädtischen Fußballs dann doch nicht ganz so weit reicht wie die der Kölner.

Die Suspendierung des Diskofreundes Joel Pohjanpalo, das Hausverbot für Fortuna-Profis in einem Nachtklub (gelungene PR-Aktion der Rudas Studios übrigens), das Karnevalsverbot als Zeugnis von mangelndem Vertrauen in die Charakterfestigkeit der Profis - all das kommt einem kölnisch vor. Genau wie die Et-hätt-noch-immer-jot-jejange-Mentalität, die Interims-Vorstandschef Paul Jäger verriet, als er nach dem Sieg in Freiburg von einem einstelligen Tabellenplatz sprach. Jetzt droht die dritte Liga. Der Abstieg könnte teuer werden, auch wenn Fortuna sicher nicht so schnell auf 30 Millionen Euro Miese kommt, wie es dem FC als Spätfolge der unheilvollen Trainer/Manager-Kombination Daum/ Meier gelungen war.

Einen ähnlich hohen Takt, wie ihn die Düsseldorfer bei Trainerwechseln zuletzt anschlugen, verzeichnete damals der FC: Soldo, Schaefer, Finke, Solbakken, Schaefer. Völlig unterschiedliche Typen, alle hinterließen Spuren und Unordnung. Von Kontinuität keine Spur. Und an der Spitze des Klubs herrschte ein Vakuum, nachdem Präsident Wolfgang Overath beleidigt die Brocken hingeworfen hatte.

Der FC hat sich seitdem zu einem erstaunlich soliden Klub gewandelt. Mit einem Präsidenten, der sich mit Äußerungen in der Öffentlichkeit zurückhält, einer Geschäftsführung, die in den Bereichen Finanzen und Sport exzellent arbeitet, und einen Trainer, der das Team seit 1000 Tagen weiterentwickelt. In der Personalpolitik liegt der Schlüssel zum Erfolg. Vor Robert Schäfer, Fortunas künftigem Vorstandschef, liegt viel Arbeit. Auch wenn's schwerfällt: Der Blick nach Süden könnte ihm helfen.

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Quelle: RP
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