| 07.11 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Theoretisch gut

Fortuna Düsseldorf ist nur theoretisch gut
Was soll er nur machen? Vieles hat Trainer Frank Kramer richtig angepackt, doch nur wenig hat gefruchtet. FOTO: Christof Wolff
Düsseldorf. Wäre Frank Kramer nicht so intelligent und sympathisch, wäre er wahrscheinlich schon nicht mehr Trainer des Zweitligisten Fortuna. Was er erklärt, hat Hand und Fuß, doch zu vieles funktioniert so einfach nicht. Von Thomas Schulze

Fortuna und Frank Kramer haben fast alles richtig gemacht und stehen doch vor einem Scherbenhaufen. Zwölf Punkte von 42 möglichen, Drittletzter, nur elf Tore in 14 Spielen erzielt, ebenfalls die drittschlechteste Quote der Liga - das ist deutlich zu wenig für einen Verein, der behauptet, mit Frank Kramer und Peter Hermann das beste Trainergespann der Liga zu beschäftigen und (vom Papier her) einen der besten Spielerkader. Dabei hat Trainer Kramer vieles richtig gemacht.

  • Torhüter

Kramer hat sich ganz klar für eine Nummer eins entschieden und Michael Rensing das Vertrauen geschenkt. Die richtige Entscheidung. Der Torhüter hat ihm dies mit guten Leistungen zurückgezahlt.

  • Abwehr

Kramer wollte die Defensivzentrale, die Achillesferse der vergangenen Saison, stabilisieren. Dabei setzte er auf den international erfahrenen Karim Haggui und den in Paderborn soliden Christian Strohdiek. Letzterer verblüffte mit hoher Fehlerquote. Aber auch die Außenpositionen waren anfällig, wobei Axel Bellinghausen zwar spielerische Defizite aufweist, aber zumindest kämpferisch ein Vorbild ist und die Mannschaft seine Emotionalität dringend benötigt.

  • Mittelfeld

Der eigentliche Schwachpunkt der Mannschaft, weil es in diesem Bereich auf der einen Seite nicht gelingt, für die nötige Stabilität zu sorgen, auf der anderen Seite von dort zu wenig kreative Impulse für die Offensive ausgehen. Hier gibt es eine Fülle von Spielern, doch auch nach einem Saisondrittel noch keine Stammformation. Die wird aber - siehe Torhüterfrage - dringend benötigt, um Sicherheit zu erlangen.

  • Sturm

Die Angreifer verhungern, denn sie werden nicht mit den Bällen gefüttert, die sie für einen erfolgreichen Abschluss benötigen. Didier Ya Konan ist mit vier Toren der Hoffnungsträger, Joel Pohjanpalo zu wenig gallig; ob Mike van Duinen sich durchsetzen kann, erscheint fraglich. Der Strafraumspieler ist in der jetzigen Situation, in der Fortuna eher auf Konter denn auf Dominanz setzen muss, wahrscheinlich nicht der Richtige. Vielleicht wäre ein laufstarkes, schnelles, unbekümmertes Talent derzeit eher effektiv.

  • Führung

Trainer Kramer hat vor der Saison ein Zeichen gesetzt. Nachdem Fortuna die schlechteste Mannschaft der Rückrunde war, hat er durchaus nachvollziehbar Haggui zum Kapitän und Julian Koch zu dessen Stellvertreter ernannt. Letzterer hat vor dem Heimspiel gegen Fürth spontan eine beeindruckende Rede gehalten, kann aber sein Leistungspotenzial bislang ebenso wenig ausschöpfen wie seine Mitspieler.

  • Die Neuen

Fortuna hat viele Spieler geholt, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie über Potenzial verfügen - Haggui, Koch, Kevin Akpoguma, Marcel Sobottka, Sercan Sararer oder Didier Ya Konan. Die meisten hatten jedoch bei ihren Vereinen zuletzt keine Rolle mehr gespielt und auf der Bank gesessen. Ihnen fehlte daher nicht nur Spielpraxis, sondern auch das notwendige Selbstvertrauen. Sararer hingegen hat davon manchmal zu viel, weshalb er sich zu oft verzettelt. Seinen Aktionen mangelt es an Klarheit. Kramer glaubte, ihn in den Griff zu bekommen.

  • Taktik

Frank Kramer wollte den Fans attraktiven Offensivfußball bieten, den Gegner durch Dominanz und Ballbesitz kontrollieren. Doch das ist auch in der zweiten Liga sehr schwierig, weil solch ein Konzept von den fußballerisch nicht einmal überlegenen Gegnern durch Laufstärke und Einsatzfreude durchkreuzt wird.

  • Konsequenzen

Will Kramer seine letzte Chance nutzen, muss er seine Philosophie über den Haufen werfen. Gefragt ist in dieser Situation kein attraktiver, sondern einzig erfolgreicher Fußball, kein schönes Spiel, sondern Punkte. Und da Fortuna keine Tormaschine ist, was sich bereits in der Vorbereitung gezeigt hat, muss das Augenmerk auf die Defensive gerichtet werden. Die Null muss stehen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die Mannschaft sicherer und so wieder Selbstvertrauen aufgebaut wird. Diese notwendige Flexibilität ist dem ehemaligen Hochschuldozenten Kramer durchaus zuzutrauen. Bislang scheiterten viele seiner durchaus richtigen Ideen an der Umsetzung. Das jedoch, ist das entscheidende Kriterium.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Fortuna Düsseldorf ist nur theoretisch gut


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.