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Fortuna Düsseldorf
Fortunas junges Team lässt hoffen

Fortuna Düsseldorf: Junges Team lässt hoffen
Fortunas Torhüter Lars Unnerstall köpft in der Schlussminute im Testspiel gegen Pilsen das 1:1. FOTO: Christof Wolff
Düsseldorf. Im am Mittwoch zu Ende gegangenen Trainingslager von Maria Alm überzeugten die Zweitliga-Fußballer ihre vielen mitgereisten Fans durch Einsatz und Willen. Dennoch bleibt noch viel Arbeit. Von Bernd Jolitz

Die Szene ist ein Sinnbild für die vergangenen sieben Tage. Es ist nur ein Testspiel, und doch versucht Fortuna in dieser Nachspielzeit noch einmal alles, um die Niederlage gegen Viktoria Pilsen zu verhindern. Und als ausgerechnet der für den Eckstoß Taylan Dumans nach vorn geeilte Torhüter Lars Unnerstall den Ball mit dem Kopf zum 1:1 ins Tor wuchtet, jubelt der gesamte Kader samt Trainer- und Funktionsteam, als wären die Düsseldorfer gerade aufgestiegen. "Plötzlich dachte ich mir: Was hast du denn da gemacht? Bist auf den Platz gestürmt? Es ist doch nur ein Testspiel!" - so beschreibt Mediendirektor Kai Niemann später diese Sekunden in der Partie gegen den tschechischen Meister.

Auch die 300 Düsseldorfer Fans, die sich trotz "monsunartigen Regens" (Originalton Radiosender Ö3) im Waldstadion im österreichischen Westendorf eingefunden haben, sind hochzufrieden. Nicht einmal hauptsächlich, weil Fortuna eine Niederlage abgewendet hat: vor allem, weil sie das bestätigt sehen, was sie eine Woche lang im gestern zu Ende gegangenen Trainingslager von Maria Alm beobachtet haben. Es läuft natürlich noch nicht alles rund im neu formierten Team, aber es zeigt einen Willen, eine Entschlossenheit und ein Engagement, wie sie es bei Fortuna schon länger nicht mehr gesehen haben.

Deshalb ist auch der Trainer "sehr zufrieden" mit den Tagen in Österreich. "Klar, wir sind noch längst nicht da, wo wir hinkommen wollen", sagt Friedhelm Funkel, "dafür sind wir an einem noch zu frühen Punkt der Vorbereitung. Aber ich habe ein gutes Gefühl. Weil diese Truppe hart und konzentriert arbeitet und weil sie sich versteht. Das beste Indiz waren für mich die gemeinsamen Mahlzeiten: Obwohl alle restlos kaputt waren, wurde viel gelacht und sehr viel gesprochen. Das habe ich bei anderen Mannschaften schon ganz anders erlebt."

Das Wichtigste sei, so Funkel, dass die vielen jungen Spieler die Ratschläge der Älteren annähmen. Vertrauen sei dafür die Grundlage. "Für mich war sehr schnell klar, wie die Struktur im Team aussehen muss", sagt der Coach. "Deswegen mussten Oliver Fink als Kapitän, Adam Bodzek und Axel Bellinghausen als seine Stellvertreter sowie Kevin Akpoguma als Vertreter der Jungen unbedingt in den Mannschaftsrat." Aber auch Michael Rensing und Alex Madlung (Funkel: "Einer, der total positiv ist") brächten sich immer wieder ein, übernähmen Verantwortung, das junge Team zu führen. Akpoguma ist für Außenstehende dabei die größte Überraschung. Aus dem zaudernden, übernervösen Jungspund, der zu Beginn der vergangenen Saison schnell seinen Stamm- und sogar Kaderplatz verlor, ist beinahe über Nacht ein Führungsspieler geworden, der durch Leistung, Trainingseinsatz und Auftreten überzeugt. "Akpo hat mir das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt habe, in jeder Sekunde zurückgegeben", so Funkel.

Ab Montag, wenn das zweite Trainingslager im Westerwald beginnt, werde er mit allen Spielern ausführliche Vier-Augen-Gespräche führen. "Dabei werde ich jedem klar zeigen, wie ich die ersten Wochen mit ihm gesehen habe und wo er steht", kündigt der Trainer an. Weitere Trennungen stünden indes nicht an. Allerdings müssten sich Ihlas Bebou und Neu-Torjäger Unnerstall dann entscheiden, ob sie Fortuna noch immer verlassen wollen. "Ich hätte bei beiden überhaupt nichts dagegen, wenn sie bleiben möchten", betont Funkel. "Falls aber nicht, werde ich ihnen auch ganz offen sagen, was ich ihnen dann nicht mehr gestatten kann."

Fortuna hat sich bislang überraschend deutlich als verschworene Einheit präsentiert - das gefällt dem Trainer. Er verlangt jedoch auch, dass sich jeder ohne Wenn und Aber zu dieser Einheit bekennt.

Quelle: RP
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