| 08.04 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Kein Nachspiel für Rensing

Rensing schiebt Frust nach dem 0:4-Debakel der Fortuna
Rensing schiebt Frust nach dem 0:4-Debakel der Fortuna FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Der Torwart des Zweitligisten geriet mit Mitspielern aneinander. Trainer Frank Kramer hat Verständnis für die Aufregung. Die zwei freien Tage des Teams wurden nach dem 0:4-Desaster beim FC St. Pauli gestrichen. Von Bernd Jolitz

Michael Rensing hatte den Kaffee restlos auf. Nach dem vierten Treffer des FC St. Pauli rastete Fortunas überragender Torwart aus, geriet verbal mit Kapitän Karim Haggui und Regisseur Kerem Demirbay aneinander und verteilte auch einige Schubser. Als dann nach dem Abpfiff die Feldspieler mit Trainer Frank Kramer auf dem Rasen einen Kreis bildeten und anschließend auf Entschuldigungs-Tour zum Gästeblock gingen, stürmte Rensing wutschnaubend allein in die Kabine und knurrte in der Interviewzone nur kurz: "Ich sage heute mal besser gar nichts."

 
FC St. Pauli - Fortuna FOTO: dpa, dbo hpl

Während die übertragenden Fernsehanstalten daraus einen handfesten Skandal inszenieren wollten, hielten die Beteiligten den Ball flach. "Ich habe das mit Michael längst geklärt", sagte Kramer. "Dass er sich aufregt, ist nach dem Spielverlauf nur normal. Und dass er nicht mit zu den Fans gegangen ist, liegt allein daran, dass er ein Handzeichen von mir missverstanden hat." Auch Haggui und Demirbay bemühten sich bereits Minuten nach dem Abpfiff um Deeskalation. "So etwas gehört zum Fußball, es gibt wichtigere Sachen, um die wir uns kümmern müssen", sagte der Kapitän. Demirbay wurde noch deutlicher: "Es ist völlig normal, dass Rense nach vier solchen Gegentoren auch mal verrückt spielt. Ich nehme es überhaupt nicht persönlich, wenn ich mal geschubst werde. Das ist ganz sicher nicht der Anfang vom Auseinanderbrechen unserer Mannschaft."

Beruhigend, denn im Zusammenspiel mit dem sportlichen Auseinanderfallen, das die Truppe bereits nach dem ersten Gegentreffer vollzogen hatte, wäre das die Krönung gewesen. Fortunas Probleme sind auch ohne persönliche Scharmützel schlimm genug. Ein Trainer, der von seiner Mannschaft im Stich gelassen wird und deshalb nur noch auf Abruf arbeitet. Ein Kader, der beim kleinsten Rückschlag – wie etwa einem Gegentor – in sich zusammenbricht. Vermeintliche Führungsspieler, die aufgrund einer abenteuerlichen Fehlerquote so viel mit sich selbst zu tun haben, dass sie ihre Führungsaufgaben nicht erfüllen können. All das führt zu dem Schluss, dass die Düsseldorfer mit dem Rücken zur Wand stehen.

Einzelkritik: Rensing mit der Note "gut", alle anderen weit davon antfernt FOTO: dpa, dbo

Totalausfälle auf den Außenbahnen

"Wir haben es St. Pauli entschieden zu leicht gemacht und komplett schlecht verteidigt", sagte Vizekapitän Julian Koch. In den Spielen zuvor war es – mit Ausnahme des Rundum-Versagens beim 1:5 in Nürnberg – meist die Offensive gewesen, die zu Kritik Anlass gab. Inzwischen haben sich die Sorgen auf alle Mannschaftsteile mit Ausnahme der Torhüterposition ausgeweitet. Tiefpunkte in Hamburg waren dabei die Vorstellungen der Innenverteidigung und mehr noch der Außenspieler Mathis Bolly und Sercan Sararer, für die nur noch der Begriff Totalausfälle anzuwenden blieb. "Das ist frustrierend und enttäuschend", sagte Kramer sichtlich desillusioniert.

Unerklärlich, wie einige seiner Schützlinge es nannten, fand er das Auftreten freilich nicht. "Es gibt klare Ansatzpunkte für harte Arbeit. Zum Beispiel, wie wir das Verteidigen von gegnerischen Standardsituationen verbessern können. Das und noch einiges mehr werden wir in den kommenden Trainingseinheiten angehen." Deshalb strich der Chefcoach in Absprache mit Sportdirektor Rachid Azzouzi sogleich die beiden freien Tage, die er den Profis mit Blick auf die soeben begonnene Länderspielpause geben wollte.

Die wären nun auch wirklich das völlig falsche Signal und in der Öffentlichkeit kaum zu verkaufen gewesen. Wie enttäuscht Trainer Frank Kramer, der sich bislang meist vor die Mannschaft gestellt hatte, inzwischen ist, machte sein Abschlusssatz am Hamburger Millerntor deutlich: "Unerklärlich finde ich schon eher, was in den Köpfen einiger Spieler vorgeht." Da ist er nicht der Einzige.

Quelle: RP
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