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| 14.24 Uhr

Fortuna Düsseldorf
König Friedhelm zeigt's seinen Kritikern

Fortuna Düsseldorf: König Friedhelm Funkel
Friedhelm Funkel als König von Düsseldorf. FOTO: Imago / Grafik: Ferl
Düsseldorf. Cheftrainer Funkel ist mit Fortuna Düsseldorf in der Vorsaison fast abgestiegen und hat den Klub nun an die Tabellenspitze der Zweiten Bundesliga geführt. Entgegen aller Vorurteile erfindet sich der 63-Jährige immer wieder neu. Von Bernd Jolitz

Es ist noch gar nicht so lange her, da wollten viele in Düsseldorf Friedhelm Funkel am liebsten vom Hof jagen. Vor allem am 6. Mai war das so: Da hatte Zweitligist Fortuna soeben im Heimspiel gegen den Mitkonkurrenten Würzburger Kickers eine rundum desolate Vorstellung abgeliefert, nur mit viel Glück in der Schlussminute ein 1:1 gerettet und schien dem Abstieg in die Drittklassigkeit sehr nahe. An jenem Abend forderten viele die Entlassung des Trainers - doch der Vorstandsvorsitzende Robert Schäfer blieb hart, stellte sich vor den 63-Jährigen.

Wahrscheinlich haben Schäfer und Funkel auch daran gedacht, als sie sich am Sonntag nach dem 3:2-Erfolg über Union Berlin herzlich in den Arm nahmen. Vier Monate nach dem Desaster gegen Würzburg ist von der Verunsicherung, die die Düsseldorfer lähmend im Griff hielt, nichts mehr zu spüren. Fortuna grüßt von der Tabellenspitze, weist nach fünf Spieltagen bereits drei Punkte Vorsprung auf. Und König Friedhelm hält sein Zepter fester denn je in der Hand.

Weder Alleinherrscher noch Alleinschuldiger

Doch bevor nun jemand denkt, in Düsseldorf seien mal wieder alle komplett durchgedreht: Funkel ist aktuell natürlich ebenso wenig ein Alleinherrscher wie er im Mai der Alleinschuldige an der Misere war. Fortunas Tabellenführung ist kein Zufall, bedeutet aber noch lange nicht, dass der Höhenflug von Dauer und der Klub nun tatsächlich ein ernstzunehmender Aufstiegskandidat ist - dafür ist die Saison noch viel zu jung. Der alte Trainerfuchs hat jedoch unter Beweis gestellt, dass er sich auch mit 63 immer noch jeden Tag neu erfinden kann und keineswegs so in überholten taktischen Mustern erstarrt ist, wie ihm etliche Kritiker vorgeworfen hatten.

Beispiel Sonntag: Da beorderte Funkel ausgerechnet im Duell mit dem Aufstiegsfavoriten Union einen 18-Jährigen (Davor Lovren) und einen 22-Jährigen, der nach seiner Ausleihe von Standard Lüttich erst wenige Tage mit der Mannschaft trainierte (Benito Raman), in die Startelf. Zudem ließ der Coach seine Truppe stürmen, bis die Schwarte kracht. Die Berliner, die nach altem Funkel-Klischee mit einem eher defensiv eingestellten Gegner gerechnet hatten, wirkten lange Zeit völlig überrascht und regelrecht hilflos.

Beispiel Systeme: Seit Saisonbeginn wechselt Funkel munter zwischen Dreier- und Vierer-Abwehrkette, einem, zwei oder drei Stürmern hin und her. Und das keineswegs planlos, wie er schmunzelnd versichert: "Unser Ziel ist es, für den Gegner nicht ausrechenbar zu sein. Niemand darf wissen, welche Fortuna ihn erwartet - selbst während einer Partie wollen wir stets flexibel bleiben und umstellen."

Funkel hält sein Wort

Beispiel Personal: "Keiner kann sicher sein, dass er von Beginn an aufläuft", erklärt der Trainer. Und er macht Ernst damit. So fand sich Torjäger Rouwen Hennings zweimal auf der Ersatzbank wieder, erzielte dann nach seiner Einwechslung mit Wut im Bauch insgesamt drei Treffer. Himmelsstürmer Florian Neuhaus saß bereits mehrfach draußen, und am Sonntag wurde Kapitän Oliver Fink lediglich eingewechselt. In der Startelf standen sechs Spieler, die 23 Jahre oder jünger sind - so viel zum Vorurteil, Funkel setze nur auf erfahrene Kräfte.

Robert Schäfer dürfte sich schon oft gefreut haben, dass er König Friedhelm im Mai den Rücken stärkte, statt ihn ins Exil zu schicken. Der Vorstandsvorsitzende bewies sein Vertrauen auch mit seiner Zielvorgabe, mit der er Trainer und Team "einen Platz unter den ersten sechs" zutraute. Funkels Einschätzung ist durchaus ähnlich, wobei ihm eines wichtig ist: "13 Punkte aus fünf Spielen sind gut, aber ob wir wirklich einen guten Saisonstart erwischt haben, kann man erst nach acht oder neun Spieltagen sagen."

So viel stimmt dann doch vom alten Funkel-Klischee: Den Ball flach zu halten und überbordende Euphorie einzudämmen, versteht der alte Fuchs genauso gut wie früher.

Quelle: RP
 
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