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Fortuna Düsseldorf
Kurz "erpresst" sich den Respekt

2. Liga: Kurz bejubelt Schlusspfiff beim 2:1-Sieg in Freiburg
2. Liga: Kurz bejubelt Schlusspfiff beim 2:1-Sieg in Freiburg FOTO: Christof Wolff
Düsseldorf. Der überraschende Auswärtserfolg von Fortuna Düsseldorf beim SC Freiburg hat nicht nur dem Team gut getan, gleichzeitig hat sich Trainer Marco Kurz damit den Respekt vieler Anhänger erarbeitet. Vor allem das mutige Pressing kam gut an.  Von Christoffer Kleindienst

Der 23. Dezember vergangenen Jahres sollte ein PR-Coup für die kriselnde Fortuna sein. Das Team hatte sich wenige Tage zuvor ein biederes 0:0 gegen den direkten Tabellennachbarn SC Paderborn erkämpft, damit stand fest, dass der ehemalige Aufstiegsaspirant auf dem 15. Tabellenplatz überwintern werde. Am Abend vor Heiligabend sollte dann endlich einmal wieder Positives kommuniziert werden: Während die Frage rund um den neuen Vorstandsvorsitzenden weiterhin vor sich hindümpelte, verkündeten die Düsseldorfer stolz, Kurz als neuen Cheftrainer verpflichtet zu haben. Der Schuss zündete nicht. 

"Einen Trainer zu verpflichten, der bei seinen letzten Stationen nach wenigen Monaten kläglich gescheitert ist , einfach nicht nachvollziehbar!", war nur einer von zahlreichen Kommentaren, die die Personalie kurz nach Bekanntgabe in Frage stellten. Bei unserem Voting "Marco Kurz ist neuer Trainer bei Fortuna: Was halten Sie davon?" stimmten nur 8,1 Prozent für "Gute Entscheidung" ab. "Ich warte erstmal ab" war die beliebteste Antwortmöglichkeit (51,2), knapp dahinter folgte "Er ist der falsche Trainer für die Fortuna" (40,7). Kurz war bei den Fans in Düsseldorf zunächst geduldet, aber nicht willkommen.

Ob Kurz überhaupt eine positive Rückmeldung erwartet hat, ist zumindest fraglich. Der Coach ist rational veranlagt, betrachtet die Dinge nüchtern. Es sei "wichtig, das du dich schon hinterfragst. Das ist als Spieler ähnlich: Du hast schwere Situationen, aber da musst du durch", sagte er hinsichtlich seiner angekratzten Vita bei seiner Vorstellung. Nach erfolgreichen Stationen sowohl beim 1860 München als auch 1. FC Kaiserslautern, legte er eine beängstigende Serie bei der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Ingolstadt hin: Nur 21 Partien durfte er bei seinen beiden letzten Klubs als Trainer absolvieren, drei Liga-Siege waren zu wenig – und so wurde er gleich zwei Mal innerhalb kürzester Zeit entlassen. 

Rund zweieinhalb Jahre hatte er kein Engagement, nun ist er bei der Fortuna. Die Vorbereitung samt den Testspielen lief nicht erfolgreich, aber die Hoffnung der Fans starb noch nicht. Was bedeuten schon Freundschaftsspiele? Der kurze Geduldfaden der Anhänger hatte allerdings ein Ende, als die Düsseldorfer das erste Spiel des neuen Jahres gegen den 1. FC Heidenheim sang- und klanglos 0:1 verloren. In der heimischen Esprit-Arena gab es ein gellendes Pfeiffkonzert, in der Folge wurde bereits über eine Kurz-Entlassung gesprochen.

Aufgrund der Tatsache, dass auf die Fortuna nun die Aufstiegsaspranten Freiburg und Nürnberg warteten, war ein Ende der Tristesse nicht in Sicht. Vor der Partie bei den Breisgauern wirkten Aussagen von Kurz wie "Wir werden auch in diese Partie gehen, um drei Punkte zu holen" oder "Wenn die Quote gut ist, dann würde ich auf uns setzen" geradezu illusorisch. 

Aber der Coach schlug zurück. Mit mutigem Pressing ließ er seine Schützlinge die Freiburger überrumpeln, ebnete damit den Auswärtserfolg und verbuchte zahlreiche Sympathien bei den Fortunen. "Chapeau an Trainer und Mannschaft in dieser Situation", war auf einmal zu lesen. Kurz hat sich Respekt verdient, der Glaube an ihn und an eine bessere sportliche Zukunft lebt plötzlich. 

Dabei lebt Kurz eine andere Trainerphilosophie als sein Vorgänger Frank Kramer. Letzterer stand für taktisch geprägten Fußball, der die Konkurrenz spielerisch bezwingen soll. Der ehemalige Profi Kurz hingegen betont vor allen Dingen die Kompaktheit seines Teams, der Erfolg über Freiburg war ein Arbeitssieg – die Tore ein Resultat dessen. In dieser doch spielerisch limitierten 2. Bundesliga könnte Kurz das bessere Mittel für den Erfolg haben. "Eine Mannschaft hat gespielt – und eine nicht. Die hatten nur lange Bälle", ärgerte sich noch jüngst Freiburg-Coach Christian Streich über den 1. FC Nürnberg.

So schnell der Respekt der Fans aber gekommen ist, kann er aber auch wieder gehen – wir reden nunmal über Fußball. Eben das weiß natürlich auch Kurz. So euphorisch der sonst zurückhaltende Coach nach der Partie im Breisgau war, bei seinen Schlussworten war er schon wieder in den kommenden Wochen: "Dieses Auftreten muss auch die Messlatte für die nächsten Spiele sein."

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