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Interview mit Kalli Hoffmann
"Mein Gegenspieler war di Stefano"

Fortuna Düsseldorf: "Mein Gegenspieler war Alfredo di Stefano"
"Kalli" Hoffmann (zweiter von rechts) mit Fortuna 1962 vor dem Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg (1:2). FOTO: imago
Düsseldorf. Fortuna-Spieler "Kalli" Hoffmann, der vor 60 Jahren an den Olympischen Sommerspielen in Melbourne teilnahm, erinnert sich gerne an viele nationale und internationale Höhepunkte – auch ohne Titel.

Bei den Olympischen Spielen wurden Erinnerungen bei Karl-Heinz Hoffmann wach, den in Düsseldorf alle nur "Kalli" riefen. Denn vor 60 Jahren nahm der ehemalige Fortunaspieler in Melbourne an den Sommerspielen teil. Im Interview mit "Fortuna Aktuell" in seinem Haus in Langenfeld blickte der 80-Jährige aber auch auf elf wunderbare Jahre in Flingern zurück.

Herr Hoffmann, Sie erinnern sich noch gut an 1956 in Melbourne?

Hoffmann Ja, bereits die Anreise war ein Erlebnis. Wegen der Suez-Krise in Ägypten konnten wir nicht über Afrika fliegen. Also ging es mit dem Flugzeug über den Nordpol bis nach Anchorage in Alaska. Von dort flogen wir über San Francisco weiter Richtung Süden bis nach Hawaii. Am Waikiki-Beach war unser Trainingslager - herrlich.

Das Turnier war nach Deutschlands Viertelfinal-Niederlage gegen den späteren Olympiasieger Sowjetunion (1:2) schnell vorbei. Lieber erinnern Sie sich vielleicht an das Highlight am 8. August 1956 in Essen?

Hoffmann In der Tat, denn in Essen haben wir das erste Flutlichtspiel an der Hafenstraße ausgetragen. Heute sind wir ja gewohnt: Wenn es dunkel wird, dann wird das Licht angemacht. Aber das war damals etwas ganz Besonderes und Aufregendes.

Fortuna hat damals viele Freundschaftsspiele absolviert. Wieso?

Hoffmann Fortuna hatte einen guten Ruf. Wir waren für die Stadt Düsseldorf ein Aushängeschild. Es wurde daher immer viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild gelegt. Bei Spielen im Ruhrpott hieß es: Da kommen die Beamten, die wollen ihre neuen Anzüge zeigen.

Auch international war Fortuna gefragt, wie das Freundschaftsspiel am 14. Januar 1959 gegen eine gemeinsame Auswahl von Atletico und Real Madrid beweist.

Hoffmann Das war für uns eine ganz tolle Sache. Fortuna hatte ja auch im Ausland einen guten Namen. Mein Gegenspieler war Alfredo di Stefano. Das war schon ein außergewöhnlicher Fußballer. Es waren über 80.000 Zuschauer im Stadion. Das war einfach unvergesslich, auch wenn wir 1:4 verloren haben.

Wenig später folgte die legendäre Ghana-Reise.

Hoffmann Ghana war ja erst kurz zuvor (am 6. März 1957, Anm. d. Red.) von Großbritannien unabhängig geworden. Wieder war es Fortuna, die für dieses Freundschaftsspiel angefragt wurde - als Botschafter des deutschen Fußballs. Danach spielten wir noch in Nigeria, wobei wir direkt nach dem Spiel nach Ghana flogen, weil wir vor Einbruch der Dunkelheit landen mussten. Mit dem Auto ging es weiter nach Togo, wo wir ein paar Tage blieben.

Sie sind mit 19 Jahren vom VfL Benrath nach zur Fortuna gewechselt.

Hoffmann Ja, mein Ziehvater war Matthes Mauritz. An ihm haben wir jungen Spieler uns ausgerichtet. Bei uns hieß es immer nur: Der Matthias weiß alles und kann alles.

Sie sind mit der Fortuna 1966 aufgestiegen, aber dann gegangen.

Hoffmann Der Kuno (Trainer Kuno Klötzer, Anm. d. Red.) hat mich da ein wenig hängen lassen - und das nach zehn Jahren. Er hätte mir ruhig etwas früher mitteilen können, dass er nicht mehr mit mir plant.

Drei Mal standen Sie mit Fortuna im DFB-Pokalendspiel.

Hoffmann Wir waren immer ganz nah dran am Pokal, aber letzten Endes erging es uns genauso wie in den letzten beiden Jahren Borussia Dortmund.

Bedauern Sie, dass sie keinen Titel in Ihrer Karriere gewonnen haben?

Hoffmann Das würde ich gar nicht einmal sagen. Es gibt in einem Endspiel immer einen Sieger und einen Verlierer. Entscheidend ist, dass wir überhaupt solch ein Finale erreicht und erlebt haben. Wir hatten leider zweimal in der Verlängerung das schlechtere Ende auf unserer Seite.

Quelle: RP
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