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Fortuna Düsseldorf
Rensing hat sein Glück in Düsseldorf gefunden

Porträt: Michael Rensing: Über Köln und Leverkusen zu Fortuna Düsseldorf
Porträt: Michael Rensing: Über Köln und Leverkusen zu Fortuna Düsseldorf FOTO: rpo, Falk Janning
Belek. Obwohl Fortuna Düsseldorf mitten im Abstiegskampf der 2. Bundesliga steckt, freut sich Torhüter Michael Rensing jeden Tag aufs Training. Nach einer wechselvollen Karriere versichert er glaubhaft: "Alles ist wundervoll." Von Bernd Jolitz

Rensing ruht in sich. Völlig entspannt kommt er im Hotel "Titanic Deluxe" im türkischen Belek die Treppen vom Essenssaal herauf, beginnt das Gespräch mit einem freundlichen Lächeln. "Das Hotel ist so riesig, da könnte sich man glatt verlaufen, was?", fragt der Torhüter, der hier die Vorbereitung auf die 15 verbleibenden Rückrundenspiele in Angriff genommen hat.

Es ist eine heikle Restrückrunde. Fortuna mit ihrem neuen Cheftrainer Marco Kurz beginnt sie auf Tabellenplatz 15, nur drei Punkte vor dem Relegationsrang, nur sechs vor dem ersten direkten Abstiegsplatz. Aber auch nur sechs Zähler hinter Rang sieben – "das zeigt, wie dicht alles noch beieinander liegt", sagt Rensing. "Aber wir sollten schon ehrlich zu uns selbst sein. Wichtig ist zunächst einmal nur, schnell unten rauszukommen." Die Nervosität, die ansonsten schnell aufkomme, brauche niemand.

Avevor kühlt sich im Hotel-Pool ab FOTO: Falk Janning

Er selbst ist keiner, der sich schnell von Unruhe anstecken lässt. "Ich bin inzwischen erfahren genug, dass ich nicht mehr alles an mich heranlasse", sagt der 31-Jährige. "Ganz ehrlich? Wenn es um richtig viel geht, macht es mir viel mehr Spaß." Das ist sicher auch ein Grund dafür, warum Rensing im verkorksten vergangenen Halbjahr der einzige Fortuna-Profi war, der konstant seine Leistung brachte. Während die übrige Mannschaft sich Niveau-Unterschiede leistete, mit der keine Achterbahn durch den TÜV kommen würde, stand "Rense" mit unerschütterlicher Ruhe in seinem Kasten. Das merkte irgendwann auch das Fachmagazin "Kicker", das ihn hinter dem Braunschweiger Rafal Gikiewicz als zweitbesten Keeper der zweiten Liga einstufte.

Eine schöne Bestätigung seiner Arbeit sei das gewesen, berichtet Rensing. "Obwohl ich erst durch meinen Bruder und Freunde davon erfahren habe, die mir das gemailt haben", ergänzt er lächelnd. Noch wichtiger sei es ihm, dass die Arbeit Spaß mache. "Sie können mir wirklich glauben, dass ich mich jeden Morgen, wenn ich aufstehe, schon darauf freue, zum Training fahren zu dürfen", erzählt er. Das liege zum einen am "überragenden Training" von Torwarttrainer Simon Jentzsch, zum anderen am sehr guten Klima innerhalb der Mannschaft.

Trainingslager in Belek: 3. Tag FOTO: Falk Janning

Warum diese dennoch bislang so wenig Erfolg hatte – darüber rätselt auch der erfahrene Torhüter noch. "Ein paar Ideen und Ansätze gibt es", sagt er vorsichtig, "und die haben die Trainer auch angesprochen. So etwas halten wir aber intern." Fest stehe, dass die Mannschaft weit mehr Qualität habe, als der Tabellenplatz zeige. "Das haben wir ja auch immer wieder aufblitzen lassen. Was fehlt, ist die Konstanz." Ein Versäumnis, an dem im Trainingslager in Belek intensiv gearbeitet werden soll.

Michael Rensing will seinen Beitrag dazu leisten, denn nach holprigem Start im Sommer 2013 ist ihm Fortuna ans Herz gewachsen. "Klar, dass ich nicht glücklich war, als ich anfangs nicht die Nummer eins wurde", erinnert er sich. "Aber über diese Zeiten möchte ich gar nicht mehr sprechen. Zum Glück hat alles eine gute Wendung genommen, und ich bin sehr glücklich in Düsseldorf." Irgendwie passt der Klub ja auch bestens in seine Vita: Nach zehn Jahren bei Bayern München, wo er einst der Kronprinz Oliver Kahns werden sollte, kam er über den 1. FC Köln und Bayer Leverkusen zu Fortuna. Alles Vereine, die stets unter besonderer Beachtung stehen, in denen immer etwas los ist. "Und alle rot-weiß", ergänzt Rensing lächelnd. "Bei solch großen Vereinen, das ist schon etwas anderes. Mich reizt die Herausforderung bei solch ambitionierten Klubs."

Sein Blick auf das Fußballgeschäft habe sich natürlich verändert in seinen 13 Profijahren, gibt er zu. "Ich habe sehr viel erlebt, und gerade die negativen Erfahrungen sind es, die einen prägen", betont er. "Sie haben meinen Charakter reifen lassen. Unterm Strich aber ist das meiste positiv. Ich bin viel herumgekommen, habe viel erreicht und viel gesehen." Deshalb könne er sich gut vorstellen, auch über sein Vertragsende im Juni 2017 hinaus bei Fortuna weiterzumachen, sagt Rensing im Fortgehen. "Ich habe hier eine superinteressante Aufgabe, alles ist wundervoll." Man glaubt es ihm sogar.

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