| 13.32 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Streitgespräch: Duell zweier Kellerkinder

Fortuna Düsseldorf - MSV Duisburg: Kellerduell der Zweiten Liga
Leidgeprüft und unverdrossen: die RP-Redakteure Martin Röse (links) und Lothar Schröder stehen trotz prekärer Tabellenlage zu ihren Klubs. Nur das Spielgerät ist in neutralen Farben gehalten. FOTO: andreas Krebs
Düsseldorf. Seinen Verein sucht man sich nicht aus. Und so kommt es manchmal zu den absonderlichen Lebenssituationen, dass man Fan der Fortuna oder des MSV sein muss. Zwei RP-Redakteure teilen – ungetrübt von Fachkenntnis, dafür mit umso mehr Herzblut –, genau dieses Schicksal.

Zum Kellerduell der Zweiten Liga zwischen dem Drittletzten und dem Schlusslicht (Freitag, 18.30 Uhr/Live-Ticker) trafen sich die Fanatiker Martin Röse (Fortune) und Lothar Schröder (Zebra) zum ultimativen Rededuell – natürlich im Keller.

Schröder Ziemlich finster hier.

Röse Beschweren Sie sich nicht. Sie haben doch die rote Laterne!

Schröder (lacht und beginnt dann leise zu singen) ... unter der Laterne, vor dem großen Scheunentor ... - womit ich bei der Fortuna angekommen wäre. Oder wie sonst, lieber Röse, sollte Ihr letzter Spielbericht aus St. Pauli lauten?

Röse Erstmal danke, dass Sie mit dem Gesang aufgehört haben! Da war Lale Andersen besser. Tja, was soll ich es Ihnen verheimlichen: Ich hatte schlechte Laune. Ich bin wie ein Irrer an dem Montagabend nach Hause gesaust, um mir die Partie anzusehen, musste jedes Gegentor live und in Farbe miterleiden. Irgendwann in der 89. Minute beim Stand von 4:0 war mir dann klar, dass es unserer Mannschaft nicht mehr gelingen würde, das Spiel zu drehen. Und irgendwie ist das auch so mein Gefühl mit dieser ganzen Saison. Selbst wenn Fortuna jetzt jedes Spiel gewinnt, wovon wir als absolute Realisten ja ausgehen müssen, wird das mit dem Aufstieg verdammt eng. Ich hatte offen gestanden durchaus erwartet, dass Sie sich nach dem 14. Spieltag hier tief unten im Tabellenkeller aufhalten würden. Etwas überrascht bin ich allerdings schon, mich selbst hier wiederzufinden.

Schröder Röse, Röse. Sie sind hier nicht zur Therapie! Im Keller hat jeder Feinsinn sein Ende. Der Keller ist ein Charaktertest. Im Keller wird Fußball gearbeitet, nicht pomadig zelebriert. Auch darum halte ich Duisburg – zumal mit neuem Trainer – für die nächsten dreieinhalb Jahre für unschlagbar. Und dabei muss ich nicht einmal an unseren kürzlich errungenen Sieg gegen Bayern München erinnern, 6:3! Und mit vier Toren von Bernard Dietz!

Röse Wahnsinn! Sie robben tatsächlich 28 Jahre in der Geschichte zurück, um sich Mut zuzusprechen? Aber meinen Segen haben Sie: Den Dietz darf Ihr neuer Trainer gern wieder aufstellen.

Schröder Ihr Spott gegenüber dem früheren Kapitän der Nationalmannschaft beweist einmal mehr Ihren vollständigen Werteverlust. Ohne Scheiß, Dietz wird mit uns auflaufen, auch wenn Sie ihn nicht sehen. Das ist ein klitzekleines Rätsel, mit dem Sie wahrscheinlich bis zum Untergang der Sonne zu tun haben werden. Wobei hier im Keller die Sonne natürlich erst einmal aufgehen müsste...

Röse Alles in Ordnung mit Ihnen unter Ihrer fiesen Mütze? Wollen Sie die vielleicht lieber mal abnehmen? Leihweise würde ich Ihnen sogar meine heilige Fortuna-Kopfbedeckung überlassen. Da musste eine alte Frau lang' für stricken!

Schröder ...und an dem langen Bart der Düsseldorfer Erfolglosen-Geschichte auch. Im Ernst: Ich habe ein gutes Gefühl – wir haben uns sinnvoll verstärkt, stehen hinten sicher, verteilen im Mittelfeld übersichtlich und sind im Sturm überraschend. Hab' ich jedenfalls irgendwo gelesen, vielleicht im Fan-Magazin. MSV-Spiele zu sehen, ist entspannend. Ich kann mich gut an den Saisonauftakt in unserer Arena erinnern: Nach 30 Minuten stand es 3:0 für die Gäste. Das hat was; man kann danach seelenruhig sein Bier holen, ein bisschen quatschen, nach dem Wetter schauen und so.

Röse Ach Schröder, da galoppieren Ihre Zebras endlich nach langen Jahren wieder in der zweiten Liga – und Sie reagieren noch leidenschaftsloser als Mr. Spock. Verstecken Sie Vulkanier-Ohren unter Ihrer Mütze? Und nicht vergessen, Freitag ist ein Sechs-Punkte-Spiel. Da will ich Tränen sehen!

Schröder Tränen? Oh Mann, Röse, die wird es geben! So oder so oder so. Schlage also vor, dass wir zwei einfach mal hingehen am Freitag. Mal schauen. Im Familienblock.

Röse Ich bewundere Sie für Ihren Mut und Ihre Tapferkeit, dass Sie sich die Niederlage Ihres Vereins im Stadion anschauen wollen. Sie sind herzlich eingeladen – auch auf eine, verzeihen Sie das unterirdische Wortspiel, Zebratwurst in der Pause. Aber da gucken Sie ja wahrscheinlich schon Wetter.

Schröder Es gehört reichlich Mut dazu, "Zebratwurst" die höheren Weihen eines Wortspiels geben zu wollen. Na ja, lassen wir das. Also dann bis zum 13. Mai '67 – ups: verschrieben. Ich meine natürlich bis morgen, mein lieber, lieber Röse.

Röse Schröööööödeeeeer, wachen Sie auf! Die 60er Jahre sind ein paar Jahrzehnte vorbei. Mittlerweile war die Menschheit auf dem Mond. Ein Wunder, dass Neil Armstrong Sie da nicht entdeckt hat. Wegen dieses lächerlichen 1:5 gegen den MSV damals haben wir das Rheinstadion bereits abgerissen. Was Sie Freitag im Düsseldorfer Fußballtempel erwartet: ein packendes Derby. Weil's für Fortuna nicht nur um die Ehre, sondern auch um den Trainer geht. Wenn wir das vergeigen, ist Kramer weg. Und was noch schlimmer wäre: Dann sitzen wir nächste Woche wieder hier im Keller.

Quelle: RP
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