| 14.23 Uhr

Fortuna Düsseldorf
Özkan, der Unglücksrabe

Yildirim wird verletzt vom Platz getragen
Yildirim wird verletzt vom Platz getragen FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Özkan Yildirim hat sich in Sandhausen schwer am rechten Bein verletzt. Der Offensivspieler von Fortuna Düsseldorf zog sich bei seiner Pflichtspielpremiere eine Oberschenkelfraktur, einen Meniskusriss und einen Teilriss des Außenbandes zu. Ausfallzeit: etwa drei Monate. Von Jan Dobrick

Der frühere englische Nationaltorwart David Seaman hat einmal eine Zerrung erlitten, als er den Videorekorder programmieren wollte. Beim Angeln renkte sich der Schlussmann des FC Arsenal die Schulter aus. Er wollte einen 26 Pfund schweren Fisch aus dem Wasser ziehen. Das ist skurril, goofyartig und in der Fußball-Geschichte wohl nie wieder vorgekommen. Aber irgendwie hat man bei Özkan Yildirim das Gefühl, ihm könne so ein Kunststück jederzeit auch passieren. Vielleicht nicht mit einem Videorekorder, aber mit der Playstation.

Yildirim war schon in Bremen ein Unglücksrabe, ein ständig verletztes Talent, das in der jüngeren Vergangenheit gefühlt häufiger beim Arzt saß, als es auf dem Platz stand. Und das Pech, dieses vermaledeite Pech, lässt sich von dem hochveranlagten Wirbelwind nicht so leicht abschütteln wie der eine oder andere Gegenspieler. Auch nicht auf den Autobahnen zwischen Bremen und Düsseldorf – oder auf den Landstraßen nach Sandhausen.

Dabei hatte die Begegnung, die für Fortuna fürchterlich anfing, für ihn persönlich ganz gut begonnen. Yildirim kam nach 61 Minuten für Axel Bellinghausen, machte Dampf , forderte den Ball und erzwang mit seinen Mitspielern das 2:2, bis er in der Nachspielzeit nach einem Foul liegen blieb. Und von alleine stand der 23-Jährige auch nicht mehr auf. Yildirim musste vom Platz getragen werden. Trainer Friedhelm Funkel fand nach dem Schlusspfiff deutliche Worte, weil der Pfiff des Unparteiischen ausblieb.

"Es ist eigentlich unglaublich, dass ein so erfahrener Schiedsrichter dieses klare Foul an Yildirim nicht gesehen hat. Er wollte noch nicht einmal das Spiel unterbrechen, obwohl sofort zu sehen war, dass etwas Schlimmeres passiert war", sagte Fortunas Trainer: "Es war nicht der beste Tag von Herrn Perl, aber mit ihm habe ich ohnehin nicht die besten Erfahrungen gemacht."

In fünf Spielzeiten für Bremens Profis – von 2011/12 bis 2015/16 – verpasste Yildirim, der mit zehn Jahren zu den Nordlichtern wechselte, wegen Verletzungen und Trainingsrückstand 193 Spiele. Wenn man durch die Krankenakte des Offensivspielers blättert, hat man richtig was zu tun: Wadenbeinbruch, Außenmeniskuseinriss, Halswirbelsäulenverletzung, Leisten-Operation, Schambeinentzündung – alles schon gehabt, alles schon durchgestanden. Die große Karriere, die dem Edeltechniker prophezeit worden ist, wurde immer wieder unsanft gebremst. Jetzt hat sich Yildirim beim ersten Pflichtspiel für die Fortuna verletzt. Der Youngster wünschte sich einen Tapetenwechsel, als er im Sommer von der Weser kam. Er meinte sicher nicht die Krankenhaustapete.

Ein fitter Yildirim kann den Düsseldorfern helfen, definitiv. Aus der Bundesliga und dem Ausland sollen Vereine an dem in Sulingen geborenen Niedersachsen interessiert gewesen sein, der sich für einen Zweijahresvertrag in Düsseldorf bis zum 30. Juni 2018 entschied.

"Ein Umbruch mit vielen jungen Spielern, bei einem Verein, der voll auf mich setzt – das hörte sich einfach gut an", sagte Yildirim vor der Saison. Er betonte auch: "Mir geht es gut, seit vier Monaten bin ich vollkommen fit." Yildirim sollte der neue Chef im Mittelfeld werden, seine Mitspieler in Szene setzen. Funkel hatte im Vorfeld der Begegnung ein längeres Gespräch mit ihm geführt und bei "Sky" gesagt, dass Yildirim im Laufe der Saison noch sehr wichtig für die Fortuna werde. Bis er seine Rolle ausfüllen kann, dürfte es noch dauern.

"Das stimmt mich sehr traurig, aber gleichermaßen wünsche ich mir, dass er schon bald wieder ins Training einsteigen und an seinem Comeback arbeiten kann", sagte Funkel. Die Stressfraktur soll wohl nicht operiert werden.

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