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| 19.01 Uhr

Fortuna-Torwart Wolf
Eigentlich zu schade für die Bank

Das ist Raphael Wolf
Das ist Raphael Wolf FOTO: dpa, tim fdt
Düsseldorf. Torwart Raphael Wolf ist aktuell der beste Fortune. Beim 2:1 auf St. Pauli sorgte er dafür, dass seine Mannschaft die Heimfahrt mit drei Punkten antreten konnte. Trotzdem muss der 29-Jährige bald ins zweite Glied zurück. Von Jan Dobrick

Im Sommer wechselte Wolf aus Bremen nach Düsseldorf, um seiner Karriere neuen Schwung zu verleihen. Seit dem 12. April 2015 hatte der Torhüter für Werder kein Bundesliga-Spiel mehr gemacht. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch im Rheinland kaum spielen würde. Michael Rensing ist die unumstrittene Nummer eins, der Schlussmann war in der vergangenen Spielzeit mit Abstand der stärkste Akteur.

Und Rensing ist nicht bekannt dafür, seinen Kasten freiwillig zu räumen. Die Geschichte um den Torwart-Zoff bei Fortuna, als Fabian Giefer 2013 dem früheren Bayern-Keeper vorgezogen wurde, ist legendär. Mike Büskens hatte Rensing kurz vor dem Auftaktspiel gegen Energie Cottbus mitgeteilt, dass er auf der Bank sitzen werde. Der Torhüter verließ daraufhin wutentbrannt die Teambesprechung, wurde zur Strafe aus dem Kader gestrichen.

"Da war unglaublich viel los"

Viele dachten, das Kapitel Rensing bei Fortuna sei ratzfatz vorbei – sie irrten sich. Der Keeper biss sich durch. Und er verlässt eben höchst ungern das Tor. Bei den Erfahrungen, die er gemacht hat, kein Wunder. Lars Unnerstall, der in drei Jahren nur zwölf Spiele für die Profis absolvierte, kann davon ein Lied singen. Der Bankdrücker schloss sich vor der Saison dem niederländischen Erstligisten VVV Venlo an, um wieder Woche für Woche auf dem Rasen zu stehen.

Wolf spielte auf St. Pauli schon zum fünften Mal

Wolf muss also gewusst haben, dass sein Job größtenteils daraus bestehen würde, sich im Training fit zu halten. Immerhin hatte Rensing zuletzt im Januar 2015 mit einem grippalen Infekt gefehlt. Auch in der ersten Runde des DFB-Pokals in Bielefeld (3:1 nach Verlängerung) stand der Stammkeeper zwischen den Pfosten.

Dass die Stunde des Wolfs schlug, hatte schließlich mit einer Verletzung zu tun. Rensing brach sich an der rechten Seite eine Rippe an, spielte mit den Schmerzen sogar noch 90 Minuten gegen Kaiserslautern (2:0). Danach war Pause angesagt. Und mittlerweile hat Wolf schon fünf Saisonspiele auf dem Buckel, eins mehr als Rensing. Mit dem 29-Jährigen im Tor gab's vier Siege und eine Niederlage.

Das sind die Spieler des Spiels von Fortuna FOTO: Falk Janning

"Nervös war ich nicht sonderlich, ich bin da eigentlich ziemlich entspannt. Es ist ja auch wichtig, dass man bei einem Torwartwechsel die Ruhe bewahrt", sagte Wolf nach seinem Debüt in Sandhausen (2:1), als er seine Mannschaft mit einer herausragenden Parade in der Partie hielt. Es folgten weitere starke Auftritte. Eigentlich gäbe es keinen Grund für einen Torwartwechsel. Trainer Friedhelm Funkel hat derzeit nur Luxusprobleme.

Der Torwart ist wieder "Spieler des Spiels"

Wolf wurde von unseren Lesern nach dem 2:1 auf St. Pauli zum zweiten Mal zum "Spieler des Spiels" gewählt – und das mit beeindruckenden 76 Prozent der Stimmen. Marcel Sobottka und Torschütze Rouwen Hennings (jeweils 12 Prozent) landeten dahinter. In unserer Einzelkritik bekam der Torwart eine 2+, weil er am Ende der Partie mit viele guten Aktionen den Erfolg sicherstellte. Wolf reagierte etwa gut gegen Kopfbälle von Sami Allagui und Lasse Sobiech.

Und trotzdem ist er Leistungsträger auf Zeit. "Bei Rensing wird es immer besser, könnte aber noch zwei oder drei Wochen dauern", sagte Funkel in der vergangenen Woche: "Darum schauen wir von Tag zu Tag. Er muss in sich hineinhören. Noch ist er nicht in der Lage, sich auf den Boden zu werfen." Der 33-Jährige arbeitet im Training mittlerweile wieder mit dem Ball. Das "Straßenbahn-Derby" in der Esprit-Arena gegen den MSV Duisburg am Montag, 2. Oktober, kommt aber wohl zu früh.

Ist Rensing fit, wird Wolf auf der Bank Platz nehmen. Er wird ohne zu murren auf seine nächste Chance warten. Aber eigentlich ist sein Talent am Spielfeldrand verschenkt.

 
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