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Fortuna Düsseldorf
Fortuna richtet den Blick nach Vietnam

Porträt: Köln-Trainer, Chef-Ausbilder, "Mach' et Otze!"
Porträt: Köln-Trainer, Chef-Ausbilder, "Mach' et Otze!" FOTO: dpa, hka jai
Düsseldorf. Erich Rutemöller ist weit herumgekommen. Der Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf kennt sich in den Talentschuppen der Welt aus. Jetzt hat er den Fußball in Südostasien im Visier. Ein Nationalspieler aus Vietnam soll noch im November nach Düsseldorf kommen. Von Jan Dobrick

"Vielleicht ist Fortuna Düsseldorf der erste Klub, für den ein Vietnamese in der 2. Bundesliga auflaufen wird", sagt Rutemöller, der vom Fußball des südostasiatischen Küstenstaats schwärmt. Er dürfte damit alleine auf weiter Flur stehen, denn die wenigsten außerhalb von Vietnam kennen überhaupt einen vietnamesischen Kicker.

1993 spielte das Land erstmals in der WM-Qualifikation, konnte sich aber nicht gegen die Konkurrenz aus Nordkorea und Katar durchsetzen. Fünf Jahre später scheiterte Vietnam an China, 2002 an Saudi-Arabien, 2006 an Südkorea und 2010 an den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Nationalteam rangiert in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 136 – noch hinter Guyana, El Salvador oder Madagaskar. 2007 kamen die Vietnamesen bei der Asienmeisterschaft ins Viertelfinale. Immerhin. Der Gewinn der Südostasien-Meisterschaft 2008 war schließlich der größte Erfolg.

"Man könnte etwa über ein Trainingslager in Vietnam nachdenken"

Das Land sei sehr fußballbegeistert, betont Rutemöller, es sei geradezu euphorisch. Die U19-Auswahl hat bei der Asien-Meisterschaft den dritten Platz belegt und sich für die U20-Weltmeisterschaft 2017 in Südkorea qualifiziert. Bislang war Vietnam noch nie bei einer U-WM vertreten. "Das ist schon eine besondere Leistung", sagt der 71-Jährige, der fußballtechnisch auf der ganzen Welt zu Hause ist: Rutemöller trainierte die iranische Nationalmannschaft, war Berater des Teheraner Klubs Esteghlal FC und arbeitete für den asiatischen Fußball-Kontinentalverband in Katar.

Jetzt baut der den Kontakt zwischen der Fortuna und dem vietnamesischen Fußball-Verband (VFF) auf, ein Bekannter aus Düsseldorf helfe dabei. "Man könnte etwa über ein Trainingslager in Vietnam nachdenken, dort muss es fantastische Trainingsbedingungen geben", sagt Rutemöller.

Ein vietnamesischer Nationalspieler soll bei der Regionalliga-Reserve trainieren

Bald schon soll es einen vietnamesischen Nationalspieler ins Rheinland verschlagen, den Namen nennt Rutemöller nicht. "Wir haben einen exzellenten Akteur auf dem Schirm, der im November zum Probetraining kommen wird", kündigt Fortunas Sportvorstand an. Der soll erst einmal bei der U23 von Trainer Taskin Aksoy vorspielen. "Vielleicht schafft er es mit guten Leistungen ja bis zu Friedhelm Funkel", sagt Rutemöller.

Technischer Direktor der vietnamesischen Nationalmannschaft ist übrigens ein alter Bekannter: Hans-Jürgen Gede, der von 1975 bis 1977 mit Schalke 04 Bundesliga und danach für Preußen Münster und Fortuna Köln im Unterhaus spielte. Gede arbeitete wie Rutemöller im Iran, die Fußball-Fachmänner kennen sich gut. Für den Job in Südostasien gab er im Sommer den Job bei Landesligist Hedefspor Hattingen auf.

2012 kooperierte die Fortuna mit einem saudi-arabischen Verein

Rutemöller will Brücken nach Vietnam schlagen. Er denkt über einen Traineraustausch nach, könnte sich vorstellen, die vietnamesische U19-Auswahl zu Testspielen einzuladen. "Ich halte die Zusammenarbeit mit dem Verband für sinnvoll, zielgerichtet und realistisch", sagt der Fortune: "Wir machen sicherlich keinen Fehler, wenn wir die Sache mit Geduld angehen." 

Vietnam ist nicht der einzige mögliche Kooperationspartner im Ausland für Fortuna. Vorstandschef Robert Schäfer reiste Ende Oktober schon in die USA. Es ging um eine Kontaktaufnahme, einige Gesprächstermine und das Ausloten verschiedener Möglichkeiten – zum Beispiel eine eventuelle Kooperation mit einem Verein. Darum ist Schäfer auch nach Santa Barbara geflogen, wo der Vater von Justin vom Steeg, dem dritten Torhüter Fortunas, als Trainer arbeitet.

2012 kooperierten die Düsseldorfer mit einem saudi-arabischen Verein. Sie gaben im Rahmen dieser Partnerschaft Mazin Ahmed Alhuthayfi von Al Ittihad Jeddah einen Lizenzspielervertrag. Der Offensivmann konnte sich allerdings nie durchsetzen, er spielt wieder in seiner Heimat.

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