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Fortuna Düsseldorf
Schäfer: "Ich bin kein Söldner"

Fortuna Düsseldorf – Robert Schäfer: "Ich bin kein Söldner"
Robert Schäfer wird Fortunas Vorstandsvorsitzender. FOTO: dpa, te nic
Exklusiv | Dresden. Fortuna Düsseldorfs designierter Vorstandsvorsitzender Robert Schäfer hat mit unserer Redaktion über seinen Wechsel, seine Ziele und die Einbindung von Fans gesprochen. Von Gianni Costa

Robert Schäfer ist ein paar Minuten vor der vereinbarten Uhrzeit am Treffpunkt in Dresden. Man merkt ihm seine Anspannung an. Er will erklären, warum er sich für das Angebot bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf als Vorstandsvorsitzender mit Vertrag bis 2019 entschieden hat – obwohl der 39-Jährige gerade erst im vergangenen Jahr bei Drittligist Dynamo verlängert hatte.

Herr Schäfer, sind Sie ein Söldner?

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Robert Schäfer Alles was ich mache, mache ich mit absoluter Leidenschaft. Es geht in meinem Job auch darum, einen persönlichen Weg zu verfolgen. Das ist dann auch mit Wechseln verbunden. Ich glaube, ich bin kein Söldner, weil es mir immer vor allem darum geht, Aufgaben anzugehen und mich zu entwickeln.

Der Eindruck ist entstanden, weil Sie bei Dynamo Dresden erst im vergangenen Herbst Ihren Vertrag bis 2018 verlängert und sich nun für ein Engagement bei Fortuna entschieden haben. Verstehen Sie die Aufregung?

Schäfer Meine Verlängerung bei Dynamo war viel früher, als es schließlich bekanntgegeben wurde – nämlich bereits im Spätsommer. Beide Partien haben sich auf eine Verlängerung geeinigt und auch eine Ausstiegsklausel vereinbart. Das war der Wunsch von beiden Seiten. Wir haben uns auf eine einvernehmliche Lösung verständigt.

Sie wurden als Lügner bezeichnet, weil Sie nicht ehrlich gewesen sein sollen, als Sie noch Anfang Januar auf Ihre Zukunft bei Dynamo angesprochen wurden und Wechselabsichten verneinten. Haben Sie also falsch gespielt?

Schäfer Nein, absolut nicht. Als ich zu meiner Zukunft gefragt worden bin, hatte ich noch kein Angebot von Fortuna Düsseldorf vorliegen. Was hätte ich da sagen sollen? Wie verhält man sich korrekt? Vielleicht hätte ich anders reagieren können. Ich habe daraus einiges gelernt. Aber noch einmal: Ich habe mich sehr klar gegenüber den Verantwortlichen von Dresden geäußert, und da gab es zu keinem Zeitpunkt Irritationen zwischen uns.

Haben Sie in Düsseldorf auch eine Ausstiegsklausel ?

Schäfer Nein.

Was hat Düsseldorf, was Dresden nicht hat?

Schäfer Das kann man nicht so einfach gegeneinander aufwiegen. Die Aufgabe in Düsseldorf bedeutet für mich die richtige Entwicklung. Der neue Job beinhaltet einfach noch einmal mehr Verantwortung.

Was konkret hat Sie gereizt?

Schäfer Wie gesagt, es geht um ein Gesamtpaket. Ich kann in Düsseldorf noch mehr meine Ideen einbringen und gestalten.

Sie verlassen Dresden zu einem Zeitpunkt, in dem sich der Verein sportlich und wirtschaftlich im Aufschwung befindet. Sie verpassen, dafür gefeiert zu werden.

Schäfer Dazu müsste ich mich dafür feiern lassen wollen. Ich übergebe in Dresden mehr, als ich bekommen habe. Das lässt sich an unseren realisierten Projekten bewerten. Ich lasse niemanden im Stich oder flüchte. Ich gehe zu einem Zeitpunkt, an dem ein großer Teil der Aufgaben getan ist. Dynamo steht auf sicheren und stabilen Füßen. Daran arbeite ich auch weiter bis zu meinem letzten Tag in Dresden.

Wann wird Ihr erster Arbeitstag in Düsseldorf sein? Offiziell steht der 1. Mai im Raum. Hinter den Kulissen soll man sich um einen früheren Einstieg bemühen. Wann sind Sie bereit?

Schäfer Wir haben alles kommuniziert, was es dazu zu sagen gibt.

Können Sie sich vorstellen, schon vor Mai anzufangen?

Schäfer Sehen Sie es mir nach, darüber möchte ich jetzt nicht spekulieren.

In Düsseldorf ist es mal wieder nicht besonders gut um die Stimmung bestellt. Die Angst geht um, der Verein könne in die Drittklassigkeit abstürzen. Unterschrift schon bereut?

Schäfer Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt für Schwarzmalerei. Es geht darum, dass alle Kräfte bei Fortuna Düsseldorf gebündelt werden. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft das mit viel Leidenschaft und Energie auf dem Platz auch realisieren wird. Ich werde keine großen Analysen machen, solange ich nicht tatsächlich in Düsseldorf in der Verantwortung stehe.

Düsseldorf schafft also den Klassenerhalt?

Schäfer Ich bin sicher, dass das gelingt.

Ihr Vertrag gilt aber auch für die Dritte Liga?

Schäfer Ja.

Was macht eigentlich ein Vorstandsvorsitzender eines Fußball-Zweitligisten?

Schäfer Ich kann nur sagen, was mich dazu bewogen, diese Stelle interessant zu finden. Es geht um eine Gesamtverantwortung für die Entwicklung eines faszinierenden Vereins. Ich möchte versuchen, im Team mit den Gremien, mit Fans, mit Mitarbeitern, mit Vorstandskollegen eine bestmögliche Entwicklung hinzubekommen.

1860 München, Dynamo Dresden und nun Fortuna Düsseldorf - was reizt Sie an solchen Pflegefällen des deutschen Fußballs?

Schäfer (lacht) Mich hat da niemand zu etwas gezwungen. Ich bin dankbar für die Chancen, die ich bekommen habe, bei diesen Vereinen mitgestalten zu dürfen.

Sie haben sich in Dresden einen Ruf als Reformer erarbeitet und Projekte realisiert, an denen einige gescheitert sind. Dazu zählt zum Beispiel, einen Kredit von Investor Michael Kölmel abzulösen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Schäfer Es geht darum, ehrliche Arbeit abzuliefern und möglichst viele dabei mitzunehmen. Es geht um Transparenz und Glaubwürdigkeit. Es ist schön, wenn die Arbeit funktioniert und man belohnt wird.

Sie haben alle Geschäftsmodelle, die es im Fußball gibt, hautnah miterlebt. Wie sehen Sie die Zukunft?

Schäfer Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir im Fußball Mitbestimmung ermöglichen, wie auch immer die aussehen mag. Es wird für Menschen immer wichtiger, Meinungen zu äußern und an Entwicklungen mitarbeiten zu können. Wir müssen organisieren, dass dieses Engagement auch möglich ist. Bei Dynamo Dresden haben wir die Fans oft ins Boot geholt und uns zusammen eine Strategie überlegt. Ein Verein muss wirtschaftlich geführt werden, natürlich. Ich glaube, dass ein Fußballklub als eingetragener Verein sich nicht nur weiterhin behaupten kann, sondern gerade durch das Miteinander sogar einen viel besseren Rückhalt hat. Es ist kein entfremdetes Produkt. Wir dürfen die Menschen nicht verlieren.

Sie sind in Braunschweig geboren. . .

Schäfer (lacht) Falsch. Diese Nummer hat sich irgendwann mal verselbstständigt, und ich habe es nie korrigiert. Ich bin eigentlich in Darmstadt geboren, aber in Braunschweig aufgewachsen.

Wäre das für die Nachwelt auch geklärt. Was bedeutet Heimat für Sie?

Schäfer Eine sehr spannende Frage. Heimat ist für mich, wo meine Familie ist. Ich will jetzt aber auch mal ankommen. Man soll im Leben möglichst viel ausprobieren, aber es ist auch gut, Wurzeln zu schlagen. Vielleicht wird Heimat auch irgendwann für mich ein Ort.

Quelle: RP
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