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Fortuna-Boss Schäfer im Interview
"Bei Akpoguma werden wir kreativ sein"

Fortuna stellt Robert Schäfer vor
Fortuna stellt Robert Schäfer vor FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Robert Schäfer ist seit dem 22. März Vorstandsvorsitzender Fortunas, hat das Ruder in schwierigen Zeiten übernommen. Der 40-Jährige hat in dieser Zeit bereits viele Weichen gestellt und strukturelle Veränderungen in Angriff genommen. Von Bernd Jolitz

Herr Schäfer, Fortuna belegt nach dem ersten Saisondrittel der Zweiten Liga Platz sechs. Zufrieden?

Robert Schäfer Ja, sehr. Sowohl mit der sportlichen Ausbeute als auch besonders mit dem Auftreten der Mannschaft.

Viele Experten hatten wegen der vielen personellen Wechsel einen holprigen Start erwartet. Sind Sie überrascht, dass es anders kam?

Schäfer Nicht wirklich überrascht. Nachdem ich die beiden Trainingslager im Sommer verfolgt hatte, bekam ich gleich ein gutes Gefühl.

Worauf gründete sich das?

Schäfer Auf den Eindruck, dass sich dort eine richtige Mannschaft entwickelte. Schon in den Testspielen kam sie nach Rückständen zurück, wirkte wie eine Einheit.

Welche Rolle spielen dabei die älteren Spieler?

Schäfer Eine ganz wichtige. Michael Rensing, Axel Bellinghausen, Oliver Fink, Adam Bodzek – sie alle sehen es als persönlichen Auftrag an, unseren jungen Spieler bei ihrer Entwicklung zu helfen.

Was passiert, wenn es mal mehrere Niederlagen in Folge gibt?

Schäfer Auch damit wird unsere Mannschaft umgehen können. Es ist uns allen klar, dass junge Spieler auch mal in ein Loch fallen können. Dann sind wir alle - auch wir in der Klubführung - gefordert, den Spielern Kraft und Rückhalt zu geben. Niemand von uns wird in einem solchen Fall unruhig werden.

Fotos: Friedhelm Funkel – Rekord-Aufstiegstrainer aus Neuss FOTO: dpa, Rolf Vennenbernd

Ist Trainer Friedhelm Funkel der richtige Mann zur richtigen Zeit?

Schäfer Er war genau der Richtige in der kritischen Lage am Ende der vergangenen Saison, und er ist auch jetzt der Richtige. Er hat mit uns die ehrliche und harte Analyse vorgenommen, die für den Umbau des Kaders nötig und wichtig war.

Worin liegen Funkels Stärken?

Schäfer Er ist ein ausgezeichneter Zuhörer, sieht sehr viel und erkennt Dinge früh. Seine brutale Erfahrung zahlt sich für uns aus. Er war sehr schnell und sehr konsequent, als es darum ging, mit wem wir weiter arbeiten wollen und mit wem nicht.

Diese Entscheidungen hat aber nicht er allein getroffen, oder?

Schäfer Nein, daran waren natürlich auch unsere Scouting- und Kaderplanungs-Abteilung um Uwe Klein, Robert Palikuca und ich beteiligt. Wichtig war auch, dass der Aufsichtsrat um Reinhold Ernst den Weg mitgegangen ist.

Und Erich Rutemöller?

Schäfer Er wurde ja Sportvorstand, als unsere Analyse abgeschlossen war, hat sich aber von Anfang an voll mit unserem Weg identifiziert. Klein und Palikuca leisten großartige Arbeit, sie sind so etwas wie unser Maschinenraum für den sportlichen Bereich. Aber wir sind sehr froh, dass wir Erich Rutemöller haben, er übt eine wichtige Kontrollfunktion aus und hat den Gesamtüberblick.

Porträt: Kevin Akpoguma: Mega-Talent aus Hoffenheim FOTO: Christof Wolff

Die Planung geht aber immer weiter. Gibt es Hoffnung, die Leihspieler Akpoguma und Hennings zu halten?

Schäfer Wir werden Gespräche darüber führen, die Kontakte bestehen schon. Kevin Akpoguma etwa fühlt sich sehr wohl bei uns, er sieht, wie gut ihm das Vertrauen des Trainerteams tut und wie wichtig es für ihn ist, regelmäßig zu spielen. Und bei Rouwen Hennings müssen wir sehen, wie wir mit den Kollegen in England klarkommen. Wie es ausgeht, wissen wir natürlich nicht, aber wir werden da kreativ sein.

Stichwort Vertragsverlängerungen: Ist Funkel auch ein Mann für längerfristige Planungen? Und wie sieht es bei Ihlas Bebou und Rensing aus?

Schäfer Ich glaube, dass Friedhelm Funkel auch über einen längeren Zeitraum sehr gute Arbeit leisten kann. Er versteht die Liga einfach. Mit Rensing und Bebou sprechen wir, beide haben auch schon gesagt, dass sie von Fortunas Weg überzeugt sind. Ganz so eilig ist es bei Ihlas auch nicht, da sich sein Vertrag um ein Jahr verlängert, sobald er eine überschaubare Anzahl an Einsätzen erreicht hat. Wir würden ihn dennoch gern länger binden, aber nicht um jeden Preis.

Wie steht es überhaupt wirtschaftlich um den Verein?

Schäfer Unsere Planung ist solide. So haben wir zum Beispiel mit einem Durchschnittsbesuch von 25.000 kalkuliert, was ambitioniert ist. Darin haben wir aber, wie in allen anderen Bereichen, Sicherheitspuffer eingebaut. Positiv war zudem, dass wir keinem Spieler, von dem wir uns getrennt haben, mehr als 50 Prozent der vertraglich fixierten Bezüge gezahlt haben. Das ist sehr ungewöhnlich.

Ausnahme Didier Ya Konan, oder?

Schäfer Nein, auch mit ihm werden wir bald eine Lösung finden.

Was ist der nächste Schritt in Sachen Nachwuchs-Leistungszentrum?

Schäfer Frank Schaefer, den wir als Leiter verpflichtet haben, ist sehr professionell, weiß genau, was er tut. Der nächste Schritt ist nun der Bau. Die Architekten-Entwürfe liegen auf dem Tisch. Sobald wir uns für einen entschieden haben, gehen wir zur Stadt. Ihr legen wir unsere Finanzierungskonzeption vor, erhalten im Gegenzug die Zusage über den städtischen Zuschuss von 1,9 Millionen Euro – und dann kann es bald losgehen.

Der Ausfall des Bundeszuschusses von 1,6 Millionen ist verkraftet?

Schäfer Ja, das bekommen wir gestemmt.

Die Mitgliederversammlung verlief recht harmonisch. Gibt das die wirkliche Stimmung im Verein wieder?

Schäfer Kontrovers diskutierte Themen gibt es in einem Traditionsverein wie unserem immer. Grundsätzlich denke ich aber, dass es auf breite Akzeptanz trifft, was wir tun. Wir können nicht jedem Eintrag in Internet-Foren hinterherhecheln, aber ich stehe jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung. Auch Kritikern. Man braucht eine klare Linie, und die haben wir.

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