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Fortuna Düsseldorf
Fortuna trifft auf den nächsten Krisenklub

Fortuna Düsseldorf trifft auf den nächsten Krisenklub
Einige Fans forderten schon den Rauswurf von Bielefelds Trainer Rüdiger Rehm. FOTO: dpa, ok jhe
Düsseldorf. Arminia Bielefeld schnappte sich in der vergangenen Saison einen Zweitliga-Rekord: Der Klub von der Alm spielte 18 Mal unentschieden. Die Bielefelder hielten die Klasse, weil sie ab und zu mal gewannen. Aktuell warten sie noch auf ihren ersten Sieg. Von Jan Dobrick

In Bielefeld spukt das Abstiegsgespenst. In den Köpfen der Spieler, der Verantwortlichen und der Fans. Sie sind nervös, haben Angst vor der Drittklassigkeit. "Wir haben die Schnauze voll", brüllten die Anhänger am vergangenen Freitagabend in der Schüco-Arena. Gerade hatte Nejmeddin Daghfous die Würzburger Kickers mit 1:0 in Führung geschlenzt.

Die Gäste nahmen drei Punkte mit, weil sie in der 82. Minute einmal konsequent konterten. Und die Fans der Arminia wurden erst laut und dann ganz leise, was wirklich ein wenig gespenstisch wirkte. Am Ende rollten einige noch ein Plakat aus: "Rehm raus", stand da blau auf weiß. Und der Trainer, dem Sportdirektor Samir Arabi weiterhin das Vertrauen schenkt, zeigt Verständnis für die Reaktion und spricht parallel vom "Turnaround", von dem er trotz der vielen Nackenschläge überzeugt ist. Die Spieler stehen geschlossen hinter ihm.

FOTO: dpa, ok jhe

"Am besten üben wir jetzt eine Woche Zweikämpfe"

Bislang scheitert der Bielefelder Coach Rüdiger Rehm krachend am eigenen Anspruch. Er wolle die Mannschaft – Platz zwölf mit 42 Punkten in der Vorsaison – weiterentwickeln und verbessern, hatte der 37-Jährige bei seiner Vorstellung im Juni verkündet. Allerdings: Was hätte er auch anderes sagen sollen? Rehm kam von Drittligist SG Sonnenhof Großaspach auf die Alm, unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2018. Er ersetzte den zu Darmstadt 98 gewechselten Ex-Fortunen Norbert Meier, als das Trainerkarussell im Sommer Fahrt aufnahm.

Seine magere Bilanz in Liga zwei: Neun Spiele, fünf Punkte, kein Sieg, Tabellenplatz 17. Mit fünf Unentschieden zählen die Bielefelder gemeinsam mit dem Karlsruher SC wieder zu den Remis-Königen der Liga. Nur weil der FC St. Pauli noch drei Tore weniger geschossen hat, strahlt die Rote Laterne weiter im Norden. Immerhin gab es in der ersten Runde des DFB-Pokals ein 5:4 nach Elfmeterschießen bei Regionalligist Rot-Weiss Essen.

"Wir müssen uns nicht in die Tasche lügen, dass wir das Spiel gemacht hätten. Das geht nicht, so wie wir das wieder gehandhabt haben", sagte Arminia-Kapitän Fabian Klos nach der Würzburg-Partie vor dem Sky-Mikrofon: "Am besten üben wir jetzt eine Woche Zweikämpfe. Würzburg hat uns gezeigt, wie man eine dreckige Zweitliga-Partie führt."

Es hört sich so an, als könnten sich die Düsseldorfer am Freitag (18.30 Uhr/Live-Ticker) auf was gefasst machen. Ein Blick auf die Fairness-Tabelle der 2. Bundesliga zeigt jedoch: Besonders zärtlich gingen die Ostwestfalen auch vorher nicht zur Sache. 19 Gelbe Karten und einmal "Gelb-Rot" bedeuten Platz zehn vor der Fortuna (20 "Gelbe", eine Ampelkarte für Kevin Akpoguma). Die nachträgliche Sperre für Alexander Madlung fließt in die Wertung übrigens nicht mit ein.

Die Rot-Weißen treffen mit Arminia Bielefeld zum zweiten Mal in Folge auf einen Krisenverein. Am vergangenen Sonntag schlugen die Rheinländer Chaos-Klub 1860 München auswärts mit 3:1. Sechzig-Investor Hasan Ismaik tobte auf seiner Facebook-Seite und schrieb: "1860 wurde hingerichtet von einer Mannschaft, die von der Papierform her nicht besser ist als wir, aber mehr Herz, Einsatz und Charakter gezeigt hat. Das tut mir in der Seele weh." Der Stuhl des neuen Trainers Kosta Runjaic wackelt schon nach wenigen Spielen bedenklich. Und die Flingerner tragen zumindest eine Mitschuld daran.

Arminia Bielefeld ist vom reinen Konterfußball abgerückt

Wenn die Schützlinge von Friedhelm Funkel am Freitag in der Esprit-Arena zum heißen Tanz bitten, würden sie mit einem Erfolg auch am Sitzmöbel von Rehm sägen. Der Gästetrainer hatte es zu Beginn der Saison mit Konterfußball versucht. Mittlerweile stellt er deutlich defensiver im 4-1-4-1-System auf, spielte gegen Kaiserslautern (0:0) und Würzburg sogar mit drei gelernten Sechsern. Die Fortuna muss sich also was einfallen lassen, um den Bielefelder Riegel zu durchbrechen. Immerhin liegt ein neuer Rasen im Stadion. Und der hilft insbesondere den ballbesitzorientierten Teams, wie Funkel zuletzt betonte, also in dem Fall der Fortuna.

In Düsseldorf ist mit dem erfahrenen Trainer endlich Ruhe eingekehrt. Der Klub ist so gut aus den Startlöchern gekommen wie seit Jahren nicht mehr. Die sportliche Talfahrt des Vereins, der seit dem Bundesliga-Abstieg 2013 sieben Trainer, drei Sportdirektoren, einen Vorstands- und zwei Aufsichtsratsvorsitzende verschlissen hat, ist gebremst. 13 Punkte und Tabellenplatz sieben nach dem 9. Spieltag haben das Umfeld versöhnlich gestimmt.

Was ebenfalls Mut macht: Niemand wird übermütig. Trotz des 3:1 gegen 1860 München übten sich die Spieler am Wochenende in Selbstkritik, weil sie bei einer 3:0-Führung in der zweiten Halbzeit stark nachgelassen hatten. "Es ist schön, dass wir auch aus Siegen lernen können. Das werden wir in dieser Woche machen", versprach Adam Bodzek. Alle erinnern sich gut an die Krisenzeiten. Die Alarmglocken sollen gefälligst woanders schrillen. Zum Beispiel in Bielefeld.

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