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Fortuna Düsseldorf
Fortunas Zwölfer-Rat im Krisencheck

Krisencheck: Fortunas Zwölfer-Rat
Krisencheck: Fortunas Zwölfer-Rat FOTO: RP/Schnettler
Düsseldorf. Der sportliche Absturz des Zweitligisten geht mit einer handfesten Führungskrise einher. Von Thomas Schulze

Die Talfahrt von Fortuna Düsseldorf hält nun seit fast drei Jahren an. Derzeit steht die schlechteste Rückrundenmannschaft der vergangenen Saison auf dem drittletzten Tabellenplatz. In den vergangenen zwei Jahren wurden in Norbert Meier, Mike Büskens, Lorenz-Günther Köstner, Oliver Reck und Taskin Aksoy fünf Trainer verschlissen, so dass der Verein von einer weiteren Beurlaubung, der von Frank Kramer, bislang absieht. Nicht nur der Trainerstuhl ist ein Schleudersitz. Es wurden auch Co-Trainer, Torwarttrainer und Kapitäne ausgetauscht.

Weitaus gefährlicher als die sportliche ist die Führungskrise. Der Bundesligaabstieg 2013 ging mit einem personellen Umbruch einher, der bis heute anhält. Mit dem Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden Peter Frymuth, der stets ausgleichend wirkte und dennoch führte, ist der Verein aus dem Gleichgewicht geraten. Die Krise erreichte einen neuen Höhepunkt mit der Trennung vom Vorstandsvorsitzenden Dirk Kall, Frymuths Nachfolger.

Selbst im Aufsichtsrat, der unabhängig vom Tagesgeschäft über den Dingen stehen sollte, hat die Krise Spuren hinterlassen. Der bisherige Vorsitzende Burchard von Arnim fiel bei den Wahlen vor knapp einem Jahr durch und damit als Führungsfigur aus. Der Aufsichtsrat, gebildet von unternehmerisch denkenden Personen bis hin zu Leuten aus der Fanszene, wirkt führungslos und planlos, hin- und hergerissen von verschiedenen Interessen und Strömungen. Die Mitglieder eint die Liebe zum Verein, doch das reicht nicht zur Vereinsführung.

Aufsichtsrat:

Marcel Kronenberg Der Leiter IT & Online der Plattenfirma JPK (Tote Hosen) gehört dem AR am längsten an und wurde als Kompromisskandidat zum Vorsitzenden gewählt. Er macht von seiner Richtlinienkompetenz nicht Gebrauch und lässt Führungsqualität vermissen. Sieht sich nur als Sprecher des AR.

Reinhold Ernst Der international erfahrene Jurist gehörte dem Gremium schon einmal an, schied aber nach Kontroversen mit dem damaligen AR-Vorsitzenden Kall aus. Wurde jetzt wiedergewählt und ist als eigentlich starker Mann der designierte Vorsitzende. Er ist verärgert über die fehlende Führung, äußert sich öffentlich jedoch nicht.

Björn Borgerding Der Fachmann für Marketing und Werbung kommt aus der Fan-Szene. Er hat sich für das Toni-Turek-Denkmal stark gemacht und will sich für den Nachwuchs einsetzen. Klingt gut, sind aber nicht die wichtigen Themen des AR. Eine äußerst unrühmliche Rolle spielte er anlässlich der "Welcome"-Aktion der "Bild", als er in der Öffentlichkeit die Vorstandsentscheidung kritisierte anstatt intern zu diskutieren und für seine Meinung einzutreten.

Dieter vom Dorff Laut Satzung muss ein Vertreter der anderen Sportabteilungen dem Aufsichtsrat angehören, in dem der Handballer seit 2005 sitzt. Gilt als ruhiger Vertreter und tritt nie in Erscheinung.

Joachim Hunold Die schillernde Persönlichkeit bildete mit Albrecht Woeste und Burchard von Arnim ein einflussreiches Trio. Nach dem überraschenden Ausscheiden von Arnims hat sich der ehemalige Air Berlin-Chef zurückgezogen.

Albrecht Woeste Der Grandseigneur galt Jahrzehnte lang als das Gesicht von Henkel und ist seit Kindertagen an Fortune. Ende des Monats vollendet er sein 80. Lebensjahr. Sein Name und seine Persönlichkeit sind inzwischen weitaus wichtiger als seine gestalterische Kraft.

Christian Veith Der exzellente Finanzfachmann der Boston Consulting Group hat die Zahlen nicht nur im Blick, sondern auch im Griff. Fortunas derzeit einzige Stärke ist die wirtschaftliche Situation. Schade, dass er sich nur auf sein Fachgebiet beschränkt.

Ignacio Odejón-Zuckermaier Der Rechtsanwalt wurde überraschend gewählt, weil die Versammlung die Wiederwahl von Arnims verhinderte. Er hat sein Profil bislang nicht geschärft und bleibt blass.

Carsten Knobel Das Vorstandsmitglied von Henkel ist im März bestellt worden, weil Heinz-Peter Schlüter aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden ist. Der 46-Jährige ist der große Unbekannte, weil er bislang nicht in Erscheinung getreten ist.

Vorstand:

Dirk Kall Ehe er 2014 zum hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden berufen wurde, gehörte er zehn Jahre dem Aufsichtsrat an. Im Vorstand fand der Marketing- und Kommunikationsexperte weder seine Rolle noch sein Aufgabengebiet. Zog nun im Machtkampf mit Paul Jäger, der damals schon gerne Vorstandsvorsitzender geworden wäre, den Kürzeren.

Paul Jäger Der ehemalige Geschäftsführer ist seit 2010 im Vorstand für die Finanzen zuständig. Die hat er im Griff. Doch er will mehr. Hat sich mit dem früheren Vorstand Sport Wolf Werner gerieben, den Zweikampf gegen den dann gefeuerten Manager Helmut Schulte gewonnen, starke und kompetente Persönlichkeiten wie Jörg Schmadtke und Andreas Rettig verhindert. Zuletzt hat er dafür gesorgt, dass der Manager nicht mehr dem Vorstand angehört, sondern ihm unterstellt ist.

Sven Mühlenbeck Der ehemalige Marketingmitarbeiter gehört seit 2011 dem Vorstand an und ist für Spielbetrieb und Organisation zuständig. Erledigt seine Aufgaben im Hintergrund, tritt nicht in Erscheinung und stört nicht.

Quelle: RP
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