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Polizei fordert Bestrafung
Fortuna-Spieler zünden Bengalos in Disco

So feierten Campino und die Spieler den Fortuna-Aufstieg
So feierten Campino und die Spieler den Fortuna-Aufstieg FOTO: TONIGHT
Düsseldorf. Nach dem Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin entflammt erneut die Diskussion um die sogenannten Bengalos auf. Zwei Fortuna-Spieler heizen die Debatte nun zusätzlich an. Sie zündeten die Fackeln in einer Disco an. Ihnen drohen polizeiliche Ermittlungen und Strafen. Von Christian Schwerdtfeger

Es war bereits weit nach Mitternacht in der Düsseldorfer Diskothek Nachtresidenz, als die Aufstiegsfeier der Mannschaft von Fortuna Düsseldorf am frühen Mittwochmorgen aus den Fugen geriet. Im dichten Gedränge entflammten plötzlich bengalische Fackeln auf der Tanzfläche. Ausgerechnet zwei Spieler der Fortuna wirbelten ausgelassen die gefährlichen Brennstäbe durch die Luft und über die Köpfe anderer Partygäste.

Die Spieler sollen damit erst aufgehört haben, als Sicherheitskräfte eingriffen und ihnen die Fackeln abnahmen. Die "Bild"-Zeitung hatte gestern ein Foto mit Fortuna-Profi Maximilian Beister veröffentlicht, auf dem dieser ein Bengalo in der besagten Diskothek in der Hand hielt. Der Geschäftsführer der Disko wollte sich gestern auf Anfrage vorerst nicht zu dem Vorfall äußern.

Mit Entsetzen reagierte der NRW-Vorsitzende des Bund Deutscher Kriminalbeamter, Wilfried Albishausen (BDK), auf das Verhalten der Fußballprofis: "Das Abbrennen solcher Bengalos ist verboten. Die Spieler haben ganz klar gegen das Gesetz verstoßen und in Kauf genommen, dass Schlimmeres hätte passieren können", sagte Albishausen. Ihr verantwortungsloses Verhalten erfülle den Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung mit fast bedingtem Vorsatz. "Die Fackeln hätten sehr leicht einen Großbrand auslösen können."

25 Verletzte auf Maifest in Troisdorf durch Bengalos

Was beim Abbrennen bengalischer Feuer in einem geschlossenen Raum passieren kann, mussten in der Nacht zu Donnerstag die Besucher eines Maifestes in Troisdorf erfahren. Dort hatten Chaoten die bis zu 1600 Grad heißen Fackeln in einem voll besetzten Festzelt gezündet. Mehr als 25 Menschen wurden dabei verletzt, acht von ihnen mussten wegen schwerer Rauchvergiftungen in Krankenhäusern behandelt werden. Laut Polizei ist mindestens auch eine Rauchbombe gezündet worden.

Gegen einen 22-jährigen Tatverdächtigen wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Es soll aber noch weitere Täter geben. Nach Angaben des Veranstalters hatten zu dem Zeitpunkt rund 500 junge Leute in dem Zelt gefeiert. Plötzlich seien pyrotechnische Gegenstände gezündet worden. Auseinandersetzungen auf dem Maifest waren laut Polizei nicht der Grund für die Zündung der Fackeln. "Die Täter haben einfach nicht mit der Tragweite ihrer Handlung gerechnet", sagte ein Polizeisprecher.

Bei den Bengalos handelt es sich um Rauchfackeln, die unter Beimischung metallischer Stoffe eine enorme Hitze und farbigen Rauch erzeugen. Die Fackeln dürfen normalerweise nur in der Seenotrettung zum Einsatz kommen. "Darum bestehen sie auch zum größten Teil aus Magnesium. Deswegen können sie auch nicht durch Wasser gelöscht und ausgemacht werden", erklärt Sascha Krumbach, Experte für Feuerwerke und Inhaber der Düsseldorfer Firma Pyroteam. Die Fackeln gibt es in Deutschland ganzjährig und ab 18 Jahre zu kaufen. Das Zündeln mit diesen Stäben ist laut Gesetz in geschlossenen Räumen aus Sicherheitsgründen verboten. Auch in deutschen Fußballstadien und in der Öffentlichkeit ist das Abbrennen untersagt.

Polizei fordert Strafe für Fortuna-Spieler

Erst am Dienstagabend hatten beim skandalträchtigen Fußball-Relegationsspiel von Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) Fans beider Seiten Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geschleudert. Vor allem aus dem Berliner Fanblock wurden die gefährlichen Fackeln zum Teil gezielt auf Spieler und Polizisten geschleudert. Das Spiel wurde daraufhin vom Schiedsrichter minutenlang unterbrochen. Nach dem Schlusspfiff feierte Fortunas Kapitän Andreas Lambertz dann noch mit einer Fackel in der Hand mit den Fans auf dem Rasen. Der Deutsche Fußballbund ermittelt deswegen bereits gegen ihn. Mit polizeilichen Ermittlungen müssen hingegen seine beiden Mannschaftskameraden rechnen, die in der Diskothek die Bengalos hochhielten. "Die Spieler müssen bestraft werden – ganz eindeutig", forderte BDK-Chef Albishausen.

(RP/felt/das/sgo)
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