| 17.10 Uhr
"Bar 95" wird zum zweiten Stadion
Fortunas Fans sind schon erstligareif
46 Tore auf Fortunas Weg in die Erste Liga
46 Tore auf Fortunas Weg in die Erste Liga FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf. Wenn in der Esprit-Arena das Herz der Fortuna schlägt, dann ist mit großer Sicherheit die Seele in der "Bar95" am Flinger Broich zu Hause. Woche für Woche ist die Fan- Kneipe neben der Geschäftsstelle der Flingerner der Begegnungsort für all jene Anhänger der Rot-Weißen, die entweder nicht selbst in die Arena pilgern oder zu den Auswärtsspielen anreisen können. Von Maximilian Lonn

Auch zur Übertragung des Auftakts zum Fußballjahr 2012 beim FC Ingolstadt strömten wieder zahlreiche Fans in die geräumige Gaststätte – darunter auch Johannes Setor, der es sich mit seiner Tochter Nadine vor der großen Leinwand gemütlich gemacht hat.

Die beiden Gerresheimer sind erst seit einem Jahr vom Fortuna-Virus infi ziert. "Vorher haben wir eigentlich nur die Nationalmannschaft geguckt", erklärt der Feinmechaniker, "doch vor einem Jahr hat uns ein Klassenkamerad meiner Tochter zu einem Spiel mitgenommen. Seit wir zu den Heimspielen fahren, hat Fortuna – außer gegen Paderborn – nicht mehr verloren." Besonders die einzigartige Stimmung hat die beiden Dauerkartenbesitzer in ihren Bann gezogen: "Beim 2:1-Siegtreffer gegen Dynamo Dresden in der Nachspielzeit war ich schon kurz vorm Weinen", gesteht die 19-jährige Schülerin. "Die Atmosphäre und der Zusammenhalt zwischen den Fans ist einfach einmalig", schwärmt sie mit leuchtenden Augen.

Während die Begegnung in Ingolstadt angepfi ffen wird, hält es Christian Urban kaum auf seinem Sitz. Der 17-Jährige schimpft, honoriert jede gute Aktion und bewegt sich so viel, als würde er am liebsten selbst mitspielen. Man merkt schnell, dass dieser junge Bursche Fortuna lebt und atmet. "Ich bin seit dem Jahr 2000 Fan", sagt er mir reichlich Stolz in der Stimme. Trotz seines jungen Alters kann der Angestellte der AWO schon auf einige Highlights mit den Rot- Weißen zurückblicken. So war er unter anderem beim letzten Spiel im alten Rheinstadion dabei sowie beim Aufstiegsspiel gegen Werder Bremen II im Mai 2009.

In der rund 550 Kilometer entfernten oberbayerischen Autostadt läuft es schleppend für das Team von Trainer Norbert Meier. Trotzdem verwandeln die knapp 100 Besucher die Bar kurzerhand in ein zweites Stadion. Auch nach dem 1:0 für Ingolstadt bleibt die Stimmung durchweg positiv. Und nachdem Jens Langeneke kurze Zeit später den Ausgleich per Foulelfmeter erzielt, brandet lautstarker Jubel los. Man könnte glauben, man stehe gerade selbst in der Fankurve im Audi-Sportpark. Es ist Halbzeit. Während sich die meisten mit Altbier und Currywurst stärken, sitzt Karl-Heinz Napiontek seelenruhig auf seinem Platz. Der 69-Jährige ist nur zwei Straßen vom Flinger Broich entfernt geboren. Ungeachtet vom mäßigen Spielverlauf der Meier-Elf glaubt das langjährige Vereinsmitglied an eine rosige Zukunft: "Am Anfang der Saison habe ich gesagt, dass sie lieber noch ein Jahr in der Zweiten Liga spielen sollen, um Erfahrung zu sammeln. Doch jetzt sollten sie aufsteigen, weil so eine Chance so schnell nicht wiederkommen wird."

Auch Thomas Klaus aus Kaarst sieht dem Unternehmen Aufstieg positiv entgegen. "Falls wir aufsteigen sollten, dann werde ich wohl zwangsläufig Mitglied", sagt der Immobilienkaufmann augenzwinkernd, der Fortuna bereits seit den grauen Oberligazeiten als Dauerkartenbesitzer begleitet. Doch auch bei einem weiterem Jahr in Liga zwei werde er den Landeshauptstädtern die Treue halten, betont der Familienvater.

Zwar bringen die zweiten 45 Minuten letztlich kein weiteres Tor für den Tabellenführer aus Flingern, doch nach den 90 Minuten in der "Bar95" merkt selbst der größte Pessimist, dass diese Fortuna-Fans bereits erstligareif sind. Jetzt muss nur noch die Mannschaft nachziehen.

Quelle: sgo/pst/sgo
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