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Pro & Contra
Ist Fortuna ein Aufstiegskandidat?

Ist Fortuna Düsseldorf ein Aufstiegskandidat?
Fortuna spielt eine gute Hinrunde, am Wochenende gab es ein 2:2 gegen Aufstiegsfavorit Hannover. Kann die Fortuna den Sprung ins Oberhaus schaffen? FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Die Düsseldorfer haben sich in der 2. Bundesliga im Verfolgerfeld der Tabellenspitze etabliert. Als Sechster hat die Elf von Trainer Friedhelm Funkel nur zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Gute Ergebnisse verleiten das Umfeld schnell zu Träumereien.

Aber hat die Fortuna das Zeug zum Aufstiegskandidaten? Auch innerhalb unserer Redaktion herrscht bei diesem Thema Uneinigkeit.

Thomas Schulze sagt: Ja

Thomas Schulze FOTO: Krebs, Andreas

Die Tabelle lügt nicht. Nach 14 Spieltagen ist Fortuna Tabellensechster, liegt lediglich zwei Punkte hinter dem Dritten Hannover. Der Vorsprung auf den Drittletzten Bielefeld beträgt satte zwölf Zähler. Damit hat die Fortuna ihr erstes Ziel, eine sorgenfreie Saison zu spielen, erreicht. Ein neues Ziel muss formuliert werden. Das kann nur lauten: so lange wie möglich in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen zu bleiben. Und das ist durchaus möglich. Warum?

. . . weil Trainer Friedhelm Funkel weiß, wie ein Aufstieg geht. Kein anderer Fußballlehrer ist so oft mit einer Mannschaft aus der zweiten in die erste Liga aufgestiegen wie der 62 Jahre alte Krefelder, der in Peter Hermann einen ebenso erfahrenen wie kompetenten Partner an der Seite hat. Funkel ist emotional, aber nicht euphorisch; er ist Realist, geerdet, aber erfolgshungrig.

. . . weil Fortuna mit nur 14 Gegentoren die drittbeste Abwehr der Liga hat. Bekanntlich gewinnt der Sturm die Spiele, aber die Abwehr die Meisterschaft. In dem überragenden Michael Rensing hat das Team den besten Torhüter der Liga. Zudem wird das junge Innenverteidiger-Duo Kevin Akpoguma und Robin Bormuth, das erst im Saisonverlauf aus der Not geboren wurde, immer stärker.

. . . weil wieder eine Mannschaft auf dem Platz steht. Funkel hat eine Hierarchie geschaffen und das Team zu einer verschworenen Einheit geformt. Die Moral ist intakt, Rückschläge werden problemlos weggesteckt.

. . . weil die Fans und die Stadt hinter der Mannschaft stehen. Sie sehen das Bemühen, die positive Entwicklung. Sie üben keinen Druck aus, sind vielmehr wichtige Unterstützer.

. . . weil endlich wieder Ruhe im Vorstand und im Umfeld herrscht. Das ist vor allem das Verdienst des neuen Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer.

Fortuna ist nicht Aufstiegsfavorit, aber sie zählt zu den Aufstiegskandidaten. Das muss die Fans nicht ängstigen, sondern erfreuen. Wenn es am Ende klappt, so ist das wunderbar. Denn dann ist der richtige Zeitpunkt genau jetzt.

Bernd Jolitz sagt: Nein

Bernd Jolitz FOTO: Falk Janning

Drei Spieltage vor Ende der Hinserie in der Zweiten Bundesliga liegt Fortuna Düsseldorf in Sichtweite der Aufstiegsplätze. Das ist eine faustdicke Überraschung, und das ist vor allem eine großartige Leistung der jungen Mannschaft und ihres Trainerteams mit Friedhelm Funkel an der Spitze. Doch der unerwartete Erfolg und die zu Recht aufgekommene Euphorie sollten den Blick auf die Realitäten keinesfalls verstellen: Fortuna ist noch lange kein Aufstiegskandidat.

Der wichtigste Grund dafür ist, dass die Mannschaft noch immer im Umbruch steckt. Der Prozess, den Funkel, sein Co-Trainer Peter Hermann und die Vereinsführung im Sommer gestartet haben, ist zwar schneller vorangekommen, als man erwarten durfte. Es wird jedoch Rückschläge geben - was natürlich kein Problem ist, was sich Fortuna aber nicht erlauben dürfte, wenn sie wirklich ganz oben angreifen wollte.

Zum Glück will das der Verein gar nicht, und auch Funkel will das (noch) nicht. Der erfahrene Coach weiß, dass er zwar auf einige hochmotivierte Ü30er wie Michael Rensing, Oliver Fink, Axel Bellinghausen und Adam Bodzek zählen darf und dass er viele hoffnungsvolle Talente von 18 bis 22 Jahren im Kader hat. Es fehlt jedoch weitgehend die Alters-Mittelklasse, die für den ganz großen Wurf so wichtigen 25- bis 28-Jährigen sind Mangelware.

Die Düsseldorfer brauchen noch Zeit, und die müssen sie sich auch nehmen. Eine sorgenfreie Saison war das Ziel, das schon zu solch einem frühen Zeitpunkt so gut wie erreicht ist. Darüber sollten sich Spieler und Fans freuen - aber warum gleich ein neues Ziel formulieren, das dann im Falle des Nicht-Erreichens nur unnötige (und unberechtigte) Enttäuschung schafft?

Ein Aufstieg käme zu früh. Und wer behauptet, es sei nie zu früh dafür, möge sich an die Spielzeit 2012/13 erinnern. Damals stieg Fortuna ganz schnell aus der Bundesliga ab, weil sie ohne die nötige Reife hinaufgespült worden war. An den Folgen hatte der Verein jahrelang zu tragen.

Quelle: RP
 
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