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Fortuna Düsseldorf
Mit F95-Kerze und Stoßgebeten für den Liga-Erhalt

Fortuna Düsseldorf: Mit F95-Kerze und Stoßgebeten für den Liga-Erhalt
Ulrich Hennes mit einem Prototyp der F95-Kerze. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Am Donnerstag um 17.30 Uhr lädt Stadtdechant Ulrich Hennes zum Gebet für die Fortuna in die Basilika St. Lambertus. Von Jörg Janssen

Inspiriert hat Ulrich Hennes ein Ritual aus der Stadt, in der er seine Wurzeln und die wichtigste Kirche zwei ziemlich hohe Türme hat. Dort schätzen Fans des wichtigsten Fußballclubs die Kupfergasse, stellen in der Kirche St. Maria gerne und oft ein Kerzchen vor dem Bildnis der Schwarzen Mutter Gottes auf. Und hoffen auf ihren Beistand. Zumindest in diesem Jahr wurden die Fans, die zu den Unerschütterlichsten der Republik gehören, erhört. Denn der FC hat bereits geschafft, worum Fortuna-Fans noch zittern müssen: den Klassenerhalt.

Eine besondere Kerze hat Hennes ("ich bin kein geborener Fußball-Fan, habe inzwischen aber meine Freude daran") bei einer Ordensgemeinschaft in Auftrag gegeben. Sie ziert nicht etwa das Alpha et Omega der Osterkerze, sondern ein waschechtes Fortuna-Logo. Aufgestellt wird sie in St. Lambertus an einer Stelle, deren Name die Dramatik der Partie am Freitag erahnen lässt: vor dem Altar "Maria in Not". "Seit dem Spätmittelalter ist dieses Gnadenbild für die Düsseldorfer ein Ort, an dem sie ihre Kerzen aufstellen und ihre ganz persönlichen Anliegen vortragen", sagt Hennes.

Doch bei der Kerze mit dem besonderen Emblem lässt es Düsseldorfs katholischer Oberhirte nicht bewenden: Morgen, einen Tag vor der entscheidenden Partie, lädt er um 17.30 Uhr Spieler, Fans, Vereinsspitzen und alle am Schicksal des Clubs interessierten Bürger in die Lambertus-Basilika zum Bittgottesdienst ein.

Freilich weiß der Theologe, dass er mit eben dieser Bitte um Punkte und Sieg seinen himmlischen Boss eigentlich in ein klassisches Dilemma treibt. Denn was soll der bloß machen, wenn nun die Duisburger genauso einfallsreich ihn selbst, die Mutter Gottes oder besondere Heilige um Beistand bitten? "Bekanntlich tut Gott ja nicht alles, worum ihn die Menschen bitten. Es geht vor allem darum, darauf zu vertrauen, dass er für das Gute sorgt und darum, mit dem, was das Leben bereithält, gut klar zu kommen", sagt der Seelsorger.

Genau deshalb soll die neue Fortuna-Kerze auch keine Eintagsfliege bleiben. Wenn sie runtergebrannt ist, will der Stadtdechant sie ersetzen. Bei allen Fortuna-Spielen wird sie in Zukunft angezündet - auch dann, wenn am Freitag Unaussprechliches geschehen sollte.

Gefertigt wird das weiße Wachs mit dem rot-weißen Logo übrigens im Kölner Karmel. In der Gemeinschaft leben Schwestern, die als "Unbeschuhte Karmelitinnen" zu einem Reformzweig des im 13. Jahrhundert gegründeten Ordens gehören. Kerzen zählen ebenso zu ihrem Handwerk wie die Herstellung von Hostien. Kann tatsächlich eine Kölner Kerze die Düsseldorfer vor dem fußballerischen Verderben retten? Sollte dem so sein, wäre es an der Zeit für eine Dankesprozession in die (vormals) verbotene Stadt.

Quelle: RP
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