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Fortuna Düsseldorf
Pro und contra: Muss Fortunas Manager in den Vorstand?

Muss Fortuna Düsseldorfs Manager in den Vorstand?
Helmut Schulte (r.) war als Fortuna-Manager auch Mitglied des Vorstands. Derzeit wird sein Nachfolger gesucht. FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Der Fußball-Zweitligist will zeitnah einen Nachfolger für seinen entlassenen Sportvorstand Helmut Schulte vorstellen. An der Frage, ob der neue sportliche Leiter erneut dem Führungsgremium angehören soll, scheiden sich jedoch die Geister. Von Thomas Schulze und Bernd Jolitz

Thomas Schulze findet: Ja.

Fortuna entwickelt sich zurück, nicht nur sportlich. Schade. Dabei hatte sich der Verein in den vergangenen Jahren positiv entwickelt - sportlich und organisatorisch. Er war parallel zum sportlichen Aufstieg von der vierten in die erste Liga auch auf dem Weg hin zur Professionalisierung ein gutes Stück vorangekommen. Jetzt also: Kommando zurück. Der Manager soll nicht mehr dem Vorstand angehören, sondern ihm quasi unterstellt sein. Was für eine Schnapsidee!

In fast jedem Fußballverein gibt es zwei herausragende Positionen, deren Bedeutung kaum zu überschätzen ist und von denen Wohl und Wehe abhängt: Der eine muss die Finanzen im Griff haben, der andere bestimmt die sportlichen Richtlinien. Dafür werden sie gut bezahlt. Sie treffen die Entscheidungen, sie tragen die Verantwortung, sie müssen dem Vorstand angehören. Das ist bei Bayern so, das ist auf Schalke so, das macht Sinn.

Anders sind die Konstruktionen in Mönchengladbach und Dortmund, wo Eberl und Zorc nicht dem Vorstand angehören - da sitzen in diesem Gremium jedoch nur Ehrenamtliche. Das ist die Alternative.

Die Überlegungen der Fortuna, einen Manager zu suchen, der nicht dem Vorstand angehört, sondern ihm unterstellt ist, zieht eine bittere Konsequenz nach sich: Fortuna holt einen Manager zweiter Wahl. Die Besten werden abwinken. Sie dürften wenig Lust verspüren, als Bindeglied zwischen Trainer und Vorstand zu agieren, den Kopf hinzuhalten, aber nichts zu sagen zu haben. Dabei bräuchte Fortuna nichts dringender als einen qualifizierten Manager, der sportlich kompetent und bestens vernetzt ist.

Mag sein, dass sich ein vierköpfiger Vorstand in den vergangenen Monaten nicht bewährt hat (bei Bayern sind es fünf, auf Schalke drei). Dass aber ausgerechnet der Manager dem Gremium künftig nicht mehr angehören soll, ist kontraproduktiv, eine glatte Fehlentscheidung - ein Rückschritt.

Bernd Jolitz findet: Nein.

Die Qualität eines Sportmanagers hängt nicht davon ab, ob er an strategischen Entscheidungen des Vereins beteiligt ist. Im Gegenteil: Fortuna braucht einen Manager, der sich ganz auf seine wichtigsten Aufgaben konzentrieren kann: einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen, nah bei der Mannschaft zu sein, auf leistungsmindernde Strömungen zu achten. Mitglied des Vorstands zu sein, heißt dagegen immer auch, Politiker zu sein - zum Beispiel der Linie jener Aufsichtsräte zu folgen, die einen in das Amt berufen haben und wieder abberufen können. Die eigentliche Arbeit bleibt dabei leicht auf der Strecke.

Wenn Fortuna das Amt des Sportdirektors unterhalb des Vorstands ansiedeln sollte, so hätte dieses Gremium bessere Kontrollmöglichkeiten. Es bestünde die Chance auf mehr Transparenz, Mauscheleien würden erschwert. Zudem liefert die jüngere Vergangenheit des Vereins nicht gerade viele Argumente für die Position eines Sportvorstands: Obwohl sie Schultes Haltung - vor allem zur Grüppchenbildung in der Mannschaft - zuletzt oft kritisch gegenüberstanden, waren den übrigen Gremiumsmitgliedern die Hände gebunden, weil sie einem Gleichgestellten keine Weisungen erteilen konnten.

Da aktuell kein Kandidat auf dem Markt ist, der so stark und unumstritten ist, dass er sofort in den Vorstand müsste, bietet sich jetzt die Chance, einen bislang eher unbekannten Mann zu engagieren. Das muss beileibe nicht heißen, dass das kein hervorragender Kandidat sein kann: Als Uli Hoeneß als Manager beim FC Bayern anfing, hatte er keinerlei Erfahrung in diesem Job und wurde doch ein Großer. Fortuna könnte einen bewährten "zweiten Mann" verpflichten, der bislang bei einem großen Klub die meiste Arbeit für einen namhaften Chef erledigt hat. Falls er sich als Manager bewährt, könnte er dann ja immer noch in den Vorstand aufsteigen.

Quelle: RP
 
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