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Hochrisikospiele in Essen und Duisburg
Polizei befürchtet Krawall-Wochenende

Fortunen sind heiß auf das Derby gegen Essen
Essen/Duisburg. Essens Polizeipräsident hat eingeräumt, dass Familien mit Kindern nicht mehr sorglos zu bestimmten Fußballspielen gehen können. Am Wochenende kommt es beim DFB-Pokal in Duisburg und Essen gleich zu zwei Hochrisikospielen. Von Christian Schwerdtfeger

Frank Richter möchte nach dem morgigen Pokalspiel zwischen Rot-Weiss Essen (RWE) und Fortuna Düsseldorf seiner Frau gerne sagen können, dass er als Zuschauer einen schönen Nachmittag im Stadion verbracht habe – ohne Ausschreitungen, Prügeleien und abgebrannte Feuerwerkskörper. Doch der Essener Polizeipräsident weiß, dass es wohl anders kommen wird: Er rechnet mit Krawallen, wie immer, wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen. Mehr als 500 gewaltbereite Fans beider Lager werden erwartet. Die Polizei hat die Partie als Hochrisikospiel eingestuft. "Das wird ein sehr belastender Einsatz für die Polizei" bekräftigt Richter.

Besonders ärgert ihn als RWE-Fan, dass immer wieder Familien mit Kindern zwischen die Fronten geraten. "Ein völlig sorgloser Besuch im Fußballstadion für Familien ist leider kaum noch möglich", sagt er. Bekannte von ihm gingen deshalb schon nicht mehr zu Spielen. Trotz aller Anstrengungen der Polizei könne nicht garantiert werden, dass bei bestimmten Fußballpartien Unbeteiligte Opfer von Gewalttaten werden, bedauert Richter. Ein Hooligan aus NRW bestätigt: "Es ist zwar nicht unsere Absicht, unbeteiligte Fußball-Fans zu verletzen, aber es kommt vor, dass sie was abbekommen, wenn sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind."

Auch morgen werden wieder Hunderte Polizisten, die aus dem ganzen Land zusammengezogen werden, alles versuchen, dass es dazu in Essen nicht kommen wird. Das Sicherheitskonzept sieht neben Großkontrollen auf den Anfahrtswegen, Trennung der verfeindeten Fangruppen und massiver Polizeipräsenz auch ein umstrittenes Alkoholverbot im Stadion vor. "Die meisten Attacken auf Polizisten geschehen im alkoholisierten Zustand", stellt Essens Polizeieinsatzleiter Detlev Köbbel fest.

Der Großteil der Fans hat dafür jedoch kein Verständnis und fühlt sich unter Generalverdacht gestellt. Selbst RWE-Präsident Michael Welling hält das Alkoholverbot für überzogen. Zumal in der Nachbarstadt Duisburg, wo bereits heute der MSV Duisburg auf Schalke 04 treffen wird, sehr wohl Bier ausgeschenkt werden darf. Und dabei hat kein Verein in NRW mehr "Problemfans" als Schalke 04 – rund 600 sind es einer polizeiinternen Rangliste zufolge.

Und auf Platz zwei dieser "Hooligan-Tabelle" folgen auch schon die gewaltbereiten Anhänger des MSV Duisburg mit einer ähnlich hohen "Mannschaftsstärke". Aus Sorge vor Randale ist es deshalb 21 Gewalttätern aus Gelsenkirchen von der Polizei untersagt worden, heute das Duisburger Stadtgebiet zu betreten. Sie müssen sich stattdessen zu festen Uhrzeiten auf den Polizeiwachen an ihrem Wohnort melden.

Trotz alledem wird es heute in Duisburg kein Alkoholverbot geben. "Nur im Gästeblock wird nichts ausgeschenkt", betont ein Polizeisprecher. Ein so striktes Alkoholverbot wie in Essen sei nicht nötig, hätte die Lagebewertung ergeben. Dabei soll Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach Informationen unserer Zeitung im Vorfeld sogar die Duisburger Polizei schriftlich aufgefordert haben, gemeinsam mit dem MSV über ein Alkoholverbot für dieses Spiel zu verhandeln.

Mit Blick auf das morgige Spiel werden in Essen Erinnerungen an den Abend des 14. Novembers 2014 wach. Am Essener Hauptbahnhof hatte damals ein Fortuna-"Hooligan" (23) einen Polizisten fast zu Tode gewürgt. Dafür wurde er wegen versuchten Totschlags zu sechs Jahren Haft verurteilt. Damit sich so etwas nicht wiederholt, haben Vereinsvertreter von Fortuna Düsseldorf in dieser Woche Gefährdungsansprachen in Fanclubs gehalten. "Zudem unterstützen wir die Polizei mit eigenen Ordnungskräften", betont Fortuna-Vorstandsmitglied Sven Mühlenbeck.

Frank Richter sehnt sich angesichts der zunehmenden Gewalt in den Stadien nach seiner Jugend. "Ich will den Fußball zurück, mit dem ich groß geworden bin", sagt der Polizeipräsident. "Friedlich, angstfrei mit Bier und Bratwurst."

Quelle: RP
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