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Fortuna Düsseldorf
Trauermusik, schwarze Ponchos, Wortgefecht

Fotos: Fortuna-Fans protestieren gegen RB Leipzig
Fotos: Fortuna-Fans protestieren gegen RB Leipzig FOTO: RPO/Falk Janning
Düsseldorf. Durch einen späten Treffer von Charlison Benschop hat Fortuna Düsseldorf ein 2:2 gegen RB Leipzig gerettet. Neben dem Ergebnis standen vor allem die Fan-Proteste gegen den verhassten Klub aus Sachsen im Fokus. Und die begannen bereits vor dem Spiel und hallten noch nach.

Als die Spieler von RB Leipzig zum Warmmachen den Rasen der Esprit-Arena betraten, legte Fortunas Stadion-DJ Marcus "Opa" Haefs eine besondere Begleitmusik auf. "Money, Money, Money" von der schwedischen Kultband Abba schallte durch das Stadion. Es folgte der "Trauermarsch" von Frederic Chopin, später wurden noch "Material Girl" von Madonna und "Kauf mich" von den Toten Hosen gespielt. Die Fans der Hausherren trugen aus Protest schwarze Kleidung, auf einem großen, schwarzen Plakat war in weißer Schrift "Untergang des Fußballs" zu lesen. In der Anfangsphase wurden die Gäste bei jedem Ballkontakt vom Großteil der rund 34.000 Zuschauer gnadenlos ausgepfiffen, zudem skandierte das Düsseldorfer Publikum Sprechchöre gegen die Sachsen.

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Die Fans der Düsseldorfer knüpften mit den Aktionen an die Proteste gegen Leipzig an. RasenBallsport Leipzig e.V, 2009 auf Initiative der Red Bull GmbH gegründet, ist das jüngste Feindbild der deutschen Fußball-Fans und hat diesbezüglich längst Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim überflügelt. Die Fans wehren sich dagegen, dass sich reiche Investoren wie der Österreicher Dietrich Mateschitz in den Fußball einkaufen. Union Berlin, Eintracht Braunschweig, VfR Aalen und nun Düsseldorf – in Sachen RB Leipzig sind sich die Fans einig: diesen Klub will niemand im bezahlten Fußball sehen. Leipzig muss nicht einmal selbst an einem Spiel beteiligt sein, um Proteste auszulösen. Fans des 1. FC Kaiserslautern hatten beim Auswärtsspiel bei 1860 München ein Riesenbanner in ihrer Fankurve gezeigt, auf dem "www.nein-zu-rb.de" zu lesen war.

"Nein zu Red Bull" ist eine Internetkampagne gegen Leipzig, die von verschiedenen Ultra- und Fangruppierungen aus der Vierten Liga bis zur Bundesliga gegründet wurde. "Unser Protest richtet sich in erster Linie gegen Red Bull und "Rasenballsport" Leipzig. Für uns ist RB Leipzig jedoch nur ein Teil des heutigen kommerziellen Fußballs – ein Fußball, der sich im Rahmen kapitalistischer Interessen bewegt", schreiben die Initiatoren auf der Internetseite. Die Intention des Ganzen: "Wir wollen, dass unser Sport fair bleibt. Wir fordern deswegen ein Financial Fair Play, dass es Investoren erschwert bzw. unmöglich macht sich dauerhaft in Vereinen zu etablieren."

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Den Protest in Düsseldorf dürften die Red-Bull-Gegner als Erfolg werten. Auch, weil der Protest nach dem Schlusspfiff noch nicht beendet war. Fortunas Trainer Oliver Reck ließ es sich auf der Pressekonferenz nicht nehmen, RB Leipzig noch einmal zu kritisieren. "Ich habe einen sehr engangierten Fußball von einer Traditionsmannschaft gesehen, die alles in die Waagschale geworfen hat", sagte Reck. Der Begriff "Traditionsmannschaft" provozierte Leipzigs Trainer Alexander Zorniger, der sofort konterte: "Leidenschaftlichen Fußball spielen nicht nur Traditionsmannschaften." Recks Antwort: "Ich arbeite lieber bei einem Traditionsverein und lasse mir diesen Satz nicht verbieten."

(seeg)
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