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Fortuna Düsseldorf
Schäfer: "Kein Platz für einen Investor bei Fortuna"

Fortuna stellt Robert Schäfer vor
Fortuna stellt Robert Schäfer vor FOTO: Falk Janning
Düsseldorf. Robert Schäfer hat ein schlechtes Gewissen. Fast eineinhalb Stunden hat er beim exklusiven Redaktionsbesuch bei der Rheinischen Post über die Zukunft von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf gesprochen. Von Gianni Costa, Bernd Jolitz und Patrick Scherer

In der Zeit war er allerdings nicht für Ehefrau Karin erreichbar. Der Kontrollblick auf das Display zeigte ihm aber: Keine neuen Nachrichten aus dem Krankenhaus. Die Geburt des ersten Kindes stand bevor. Am Sonntag war es nun soweit. Sohn Jonathan Maximilian ist im Düsseldorfer Universitätsklinikum zur Welt gekommen.

Herr Schäfer, Uwe Seeler macht sich traditionell Sorgen um den HSV, der ehemalige Sportvorstand Wolf Werner bangt um Fortuna. Waren Sie mit Werner schon einen Kaffee trinken?

Robert Schäfer Ja, ich hatte mit ihm ein nettes Gespräch, einen guten Austausch. Ich habe ihn eingeladen, jederzeit mit mir zu sprechen. Er sieht auch, dass wir verdiente Spieler einbinden und noch nie so viele junge Spieler hochgezogen haben. Ich bin guten Mutes, dass Wolf Werners Sorgen weniger werden.

Macht Ihr Finanzvorstand Paul Jäger einen guten Job?

Schäfer Wenn man die gesamte Zeit bei Fortuna sieht, macht er seine Aufgabe mit viel Herzblut. Am vergangenen Saisonverlauf sieht man jedoch auch, dass Fehler gemacht wurden. Aber was die Zahlen angeht, das hat er im Griff.

Wird es in der neuen Saison weiter die Konstellation mit Paul Jäger und Ihnen geben?

Schäfer Diese Frage stellt sich jetzt nicht.

Kann Fortuna sich grundsätzlich so viele hauptamtliche Vorstandsmitglieder leisten?

Schäfer Wenn man unseren Gesamtumsatz sieht, sicherlich. Die Themen sind aber derzeit andere bei uns: Finden einer Mannschaft, einer Balance innerhalb der Mannschaft. Wir wollen etwas Neues bauen und uns nicht in Personaldiskussionen verlieren.

Aber ein Sportvorstand soll ja definitiv noch kommen. Und den gab es in diesem Gremium ja bislang nicht.

Schäfer Aber nur ein Jahr lang nicht. Und außerdem gäbe es ja künftig den Sportvorstand nicht zusätzlich zu einem Sportdirektor. Er ist also keine zusätzliche finanzielle Belastung.

Sie haben sicher eine Shortlist mit Kandidaten. Wie viele stehen drauf?

Schäfer Weil es eine Shortlist ist, nicht allzu viele. Aber doch so viele, dass wir noch eine Auswahl haben.

Können Sie etwas zum Profil sagen?

Schäfer Ich möchte mich da gar nicht festlegen. Wir müssen jemanden finden, der entwickeln will. Das Wichtigste ist, dass er unseren Weg bei Fortuna mitgeht und dass er dabei nicht über unbegrenzte Mittel verfügt. Fortuna muss für ihn einen Schritt bedeuten, er muss zu uns wollen, er muss für die Aufgabe brennen. Wir versuchen, den Besten zu finden und lassen uns auch nicht zu stark einengen. Wenn wir etwa gesagt hätten, dass Berufserfahrung zwingend erforderlich sei, hätten wir mit Dortmunds Chefscout Sven Mislintat gar nicht reden dürfen.

Wie sieht denn Fortunas Weg aus?

Schäfer Er ist eine Folge aus den vergangenen Jahren. Identifikationsstarke Spieler sollen das Gerüst bilden, dazu kommen Jungs aus der eigenen Jugend und ambitionierte Talente. Für jeden soll die Fortuna ein Schritt nach vorne sein und nicht zurück.

Wie sind Sie aufgestellt im Scouting?

Schäfer In der Jugend sind wir über unsere Trainer und Scouts gut dabei, in der ersten Mannschaft hat mir das Scouting nicht gefallen. Da hätten wir weiter sein müssen. Wir müssen schneller sein, bessere Ideen haben und mehr wissen als andere, und das war nicht gegeben.

Und wer handelt die Verträge aus?

Schäfer Wir machen das als Gespann. Friedhelm Funkel tritt mit seinen Kontakten an Spieler heran, ich decke den wirtschaftlichen Teil der Verhandlungen ab.

Könnte dieses Tandem auch ohne einen Sportvorstand eine Dauerlösung darstellen?

Schäfer Nein. Es ist ein Sportvorstand notwendig. Aber wenn er kommt, wird es keinen Neuanfang geben, sondern der Verein gibt den Weg vor, und er geht den Weg mit. Jeder, der kommt, wird wissen, worauf er sich einlässt.

Ist es für Sie eine Schlappe, dass Mislintat als potenzieller Sportvorstand abgesagt hat?

Schäfer Nein. Er ist ein absolut qualifizierter Mann. Es war eine gute Option, aber immer eine von mehreren. Wir nehmen das so hin. Ich kann das auch aus der Situation von Borussia Dortmund im Moment verstehen.

Wer wird es denn nun?

Schäfer Ich hoffe der Richtige.

Und wann?

Schäfer Wenn es soweit ist. Ich will da keine Prognose abgeben.

Das heißt, es könnte auch erst während der Saison soweit sein?

Schäfer Ich will nicht spekulieren. Es ist sicher nicht gut, wenn es allzu lange dauert, aber es unterbricht und behindert unsere Arbeit nicht. Wir sind handlungsfähig.

Sie sind also mit Funkels Spieler-Vorschlagsliste zufrieden?

Schäfer Wir sind täglich im Austausch, stimmen die Möglichkeiten ab und erledigen jeder unsere Aufgaben. So kommen wir gut voran.

Wann wird die erste Verpflichtung bekanntgegeben?

Schäfer Wir müssen uns bis zur ersten Nachricht nicht mehr allzu lange gedulden.

Sind Leihgeschäfte für Fortuna momentan das Sinnvollste?

Schäfer Man kann ein Ausleihgeschäft nicht ausschließen. Wir machen damit aber einen Spieler eines anderen Vereins besser. In der Zweiten Liga werden die Leihgeschäfte aber eher noch zunehmen. Wir versuchen, Spieler zu bekommen, um die Werte für uns zu sichern. Aber Leihgeschäfte können durchaus auch Sinn machen.

In der vergangenen Saison hatte Fortuna vier Trainer. Können Sie jungen Spielern versprechen, sie werden mit Funkel die Saison beenden?

Schäfer Dieses Versprechen gibt kein Verein ab. Wir sprechen über den Trainer, und darauf stellt sich ein Spieler ein. Ich glaube, wir können Spieler davon überzeugen, zu Fortuna zu gehen, weil wir einen Trainer haben, der den Mut hat, jungen Spielern eine Chance zu geben.

Fortuna wird also ein Ausbildungsverein?

Schäfer Ja. Die Spieler sollen sich hier entwickeln, und der Verein soll sich mit den Spielern entwickeln. Ähnlich wie es in Mainz oder Freiburg passiert ist. Die Vergangenheit zeigt: Namen zu verpflichten ist keine Garantie, nach oben zu kommen.

Dieses System "Ausbildungsverein" schreiben sich mehr als zwei Drittel der Zweitliga-Vereine auf die Fahne. Warum klappt es bei Fortuna besser?

Schäfer Das Wichtigste ist, dass die jungen Spieler spielen. Das können andere Vereine auch machen. Aber dazu kommen unsere Fans, unsere Mitglieder, unsere ganze Vereinsumgebung, das Stadion, die Stadt. Das sind wichtige Aspekte für die Spieler. Das ist ein Faustpfand, das andere Zweitligisten nicht haben. 

Wenn wir über Ausbildung reden, geht es auch um die eigene Jugend. Stichwort Nachwuchsleistungszentrum. Ihr Finanzierungskonzept liegt dem Aufsichtsrat jetzt vor. Wie ist der Stand?

Schäfer Die bisherigen Planungen hatten ein Gebäude mit Umkleiden und sonstigen Räumen vorgesehen. Das Thema Plätze war bisher nicht dabei. Das haben wir in das Konzept integriert. Eine Art Vereinsheimat Flingern. Perspektivisch könnte ein weiteres Verwaltungsgebäude entstehen. Wir haben eine Finanzierung erstellt, die wir von Kreditinstituten schon prüfen ließen. Das wird in der nächsten Aufsichtsratsitzung besprochen.

Ist die Heimat Flingern in Stein gemeißelt oder kann auch die Arena irgendwann mal das Fortuna-Zentrum werden?

Schäfer Flingern ist als Heimat in Stein gemeißelt. Das ist unsere Herkunft, unsere Basis. Das wollen wir stärken. Wir wollen uns auch stärker in Flingern präsentieren.

Wo verorten Sie denn Fortuna-Fans?

Schäfer Klar ist die Stadt Düsseldorf unsere Basis. Überall und in jeder sozialen Schicht. Vom Arbeiter bis zum Unternehmer. Wir wollen für alle Menschen der Stadt die Klammer, die Heimat sein.

Es gibt aber auch im direkten Umfeld der Stadt einen Zuwachs. Soll da ein kleiner Speckgürtel entstehen?

Schäfer Darüber freuen wir uns natürlich. Wir werden dort auch präsent sein. Wir werden dort viele Testspiele absolvieren, sozusagen eine Fortuna zum Anfassen. Wir freuen uns über jeden Fortuna-Fan, egal, wo er wohnt. Aber der Kern unserer Fanarbeit liegt in Düsseldorf.

Welche Ziele setzen Sie sich denn in Bezug auf Zuschauerzahlen?

Schäfer Wir wollen so viele wie möglich. Wir müssen konstatieren, dass wir durch ein schweres Jahr gegangen sind. Ich hatte vorher gehört, die Fans wendeten sich in schlechten Zeiten von der Fortuna ab. Das habe ich gar nicht wahrgenommen. Im Gegenteil. Nun wollen wir die Fans überzeugen, dass es Spaß macht, zur Fortuna zu gehen. Mit einer Mannschaft, die sich auf dem Platz zerreißt. Wie viele das überzeugt, werden wir sehen.

Um wie viele Jahre wäre ihre Planung bei Fortuna bei einem Abstieg zurückgeworfen worden?

Schäfer Es wäre gravierend gewesen. Mindestens zwei Jahre, wenn nicht mehr. Mit einem Abstieg gibt es eine komplette Neuausrichtung, die neue finanzielle Mittel erfordert. Auch den Glauben zurückzubringen, wäre eine Herkulesaufgabe geworden.

Haben Sie in den besonders finsteren Momenten, zum Beispiel beim Spiel in Sandhausen, an ihrem Engagement bei Fortuna gezweifelt?

Schäfer Nein. Wirklich nicht einen Moment. Ich hatte bei Dynamo Dresden meinen ersten Arbeitstag beim Abstieg in die Dritte Liga. Ich bin diesen Weg also schon gegangen. Ich wäre deshalb nicht verzweifelt gewesen. Sandhausen war aber auch für mich ein wichtiges Spiel, weil mir da klar wurde, dass wir handeln mussten. Ein Spiel später wäre es wohl zu spät gewesen.

Sie haben sich als Vorstandsvorsitzender in viele Bereiche des Vereins eingearbeitet. Wie sehr kribbelt es, den Verein über Nacht umzukrempeln?

Schäfer Über Nacht geht es nicht. Wir sind eine vielschichtige Einheit. Ich will überzeugen, aber auch viel zuhören. Die Kommunikation hat in der Vergangenheit gelitten. Ich will nicht meine Fortuna entwickeln, sondern ermitteln, was Fortuna guttut. Dabei hebe ich jeden Teppich einmal hoch und gucke darunter. Es kann aber sein, dass meine Idee gar nicht richtig ist, sondern der Kollege schon sehr gut arbeitet. Es gibt sehr gute Vorschläge von Mitarbeitern. Gerade wenn es darum geht, Geld einzusparen. Ich schaue mir an, was passt und was nicht passt.

Würden Sie sagen: Fortuna ist ein schlafender Riese? Oder ist der schon ein paarmal erwacht und wieder eingeschlafen?

Schäfer Das ist ja das Thema, was immer um uns herumgeistert. Aber darüber müssen wir uns momentan keine Gedanken machen. Wir müssen unsere Arbeit erledigen: unsere Kosten in den Griff kriegen, Fehlentwicklungen zurückdrehen, Nähe zwischen Fans und Verein wiederherstellen. Wenn das erreicht ist, ergeben sich für uns sicher viele Möglichkeiten.

Wo gibt Fortuna denn zu viel Geld aus?

Schäfer Zum Beispiel für einen Dienstleister, der dafür sorgt, dass unser Fanshop bei Google ganz oben steht, wenn jemand "Fortuna Düsseldorf Fanshop" eingibt. Dafür muss man nichts zahlen, der steht sowieso oben. Und so etwas kostet einen fünfstelligen Betrag. Wir müssen wieder sehen, was wir alles selbst machen können.

Die andere Seite ist Geld generieren. Wie sind da die Hoffnungen?

Schäfer Wir haben kurz nach Saisonende ein sehr positives Signal bekommen, als unser Hauptsponsor Otelo seinen Vertrag verlängerte. Viele Partner bauen ihr Engagement sogar aus. Da müssen wir zusehen, noch mehr Unternehmen davon zu überzeugen, dass Fortuna eine gute Plattform ist. Auch das Merchandising ist ein Feld mit Entwicklungspotential, auch da gab es Einbrüche.

Die Zweite Liga gilt bei vielen von den Vereinsnamen her als attraktiver als die Bundesliga. Wie sehen Sie dies?

Schäfer Die Zweite Liga muss sich in vielen Punkten nicht verstecken. Sie wird an Attraktivität auch eher zunehmen. Das müssen wir auch überlegen bei den anstehenden Verteilungsgesprächen bezüglich des neuen Fernsehvertrags. Die Zweite Liga hat für den deutschen Fußball einen unheimlichen Wert, und wir sind einer der Vereine, die diesen Wert mit ausmachen. In der Zweiten Liga kann man sich auch schlank und schnell aufstellen, um die Grundlage zu legen, dass man drinbleiben kann, wenn der Aufstieg einmal klappt. Und wenn das irgendwann gelingt, dann hat Düsseldorf automatisch andere Möglichkeiten als andere.

Viele Ihrer Kollegen sagen, es müsse so etwas wie eine Traditionsklausel in den Fernsehvertrag. Glauben Sie, dass Fanaufkommen und Tradition mit einfließen sollten?

Schäfer Wir haben uns kürzlich bei einem sehr guten Treffen sozusagen einen Willen der Zweiten Liga definiert. Die klare Meinung ist: Es sollte so bleiben, wie es ist. Sowohl bei der Grundverteilung als auch bei den bestehenden Kriterien. Sollten die Kriterien jedoch verändert werden, zum Beispiel die sportliche Platzierung an Bedeutung gewinnen, dann würden wir als Fortuna auf den Plan treten und sagen: Jetzt müssen wir ins Detail gehen, was ist zeitgemäß?

Also besser beim status quo bleiben?

Schäfer Das wäre das Beste. Schauen Sie, die Auslandsvermarktung wird einen Riesensprung machen. Wenn die Verteilung gleich bleibt, macht der Zuwachs der Zweiten Liga bei einem Erstligisten ein paar Prozente des Umsatzes aus. Einem Zweitligisten hilft das richtig. Die Stärke unseres Fußballs hängt wiederum maßgeblich von den unteren Ligen ab. Es ist also quasi eine Investition in Forschung und Entwicklung des deutschen Fußballs.

Was tun Sie, wenn ein Scheich mit dem Geldkoffer käme und sagte: Ich bringe Fortuna nach vorn, aber dafür will ich was zu sagen haben?

Schäfer Das ist kein Weg für uns. Wir haben alle Rechte, was ein Riesenwert ist, und wir sind schuldenfrei. Wir müssen die Kärrnerarbeit machen und jeden einzelnen überzeugen, der uns unterstützen möchte. Das ist kleinteiliger, aber auf Dauer stabiler und identitätsstiftender. Wir sind ein mitgliedergeführter Traditionsverein, das soll unsere Basis sein, von der aus wir uns entwickeln wollen. Mit einem Investor gewinnt man vermeintlich Geld, aber verliert an Identität.

Gianni Costa, Bernd Jolitz und Patrick Scherer führten das Gespräch.

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